Wilde Ehe

Als wilde Ehe bezeichnete man früher mit negativer Konnotation die Beziehung von Paaren, die unverheiratet unter einem Dach zusammenlebten und die ggf. auch bei der Geburt von Kindern nicht heirateten, sondern in eheähnlicher Gemeinschaft zusammenlebten. Das öfters auch als Onkelehe titulierte Zusammenleben hatte besonders nach den beiden Weltkriegen Konjunktur, wenn durch eine offizielle Heirat Versorgungsansprüche (vor allem Witwenrenten) verloren gegangen wären oder wenn noch eine vage Aussicht auf Rückkehr des verschollenen Lebensgefährten bestand. Diese Form des Zusammenlebens wurde bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein als Verstoß gegen die guten Sitten angesehen. Verträge über die Vermietung einer Wohnung an ein unverheiratetes, nicht wenigstens verlobtes Paar waren sittenwidrig und daher auch rechtlich unwirksam. Es bestand ferner ein Strafbarkeitsrisiko für den Vermieter unter dem Aspekt der Kuppelei.

Mit dem Wandel der Sexualmoral etwa seit den 70er Jahren wurden diese Lebensgemeinschaften zunehmend toleriert und in Deutschland als nichteheliche Lebensgemeinschaften auch verrechtlicht.

Der Begriff der wilden Ehe wird heute fast nur noch im scherzhaften Sinn gebraucht, um eine feste und dauerhafte Lebensgemeinschaft ohne Trauschein (konsensuale Lebensgemeinschaft ) zu charakterisieren. Mitunter wurden solche Beziehungen als Bratkartoffelverhältnis bezeichnet.

In der Schweiz wird sowohl die "wilde Ehe " als auch die in Deutschland als eheähnliche Gemeinschaft bekannte Lebensform als Konkubinat bezeichnet.

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