Standpunkt-Theorie

Eine Standpunkt-Theorie behauptet eine Abhängigkeit der Erkenntnisgewinnung von der Position innerhalb gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse. Sie sagt aus, dass es bessere und schlechtere Standpunkte gebe, von der aus die Welt betrachtet und interpretiert werden könne. Tendenziell sei der Blickwinkel einer dominierten Gruppe besser geeignet für eine objektive Wahrnehmung als die Perspektive vom Standpunkt einer herrschenden Gruppe.

Der Begriff Standpunkttheorie ist erst in der Postmoderne in der akademischen Diskussion geprägt worden. Besonders häufig kam der Terminus als Feministische Standpunkttheorie vor, wurde aber auch auf andere Ansätze erweitert. Vertreter verschiedener feministischer und marxistischer Theorien verwenden selbst den Begriff, während alle anderen Zuordnungen im Nachhinein vorgenommen werden, in den Systemen selbst kommt der Ausdruck nicht vor.

Die Standpunkt-Theorie ist oftmals Bestandteil von "Identitätspolitiken".

Thesen der Standpunkt-Theorie

  • Ein Standpunkt beeinflusst, welche Haltung die Menschen der sozial konstruierten Welt gegenüber einnehmen.
  • Alle Standpunkte schaffen Voreingenommenheiten oder Vorurteile.
  • Die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe bestimmt weitgehend den Standpunkt, den das Individuum einnimmt.
  • Die Ungleichheiten zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen begünstigen unterschiedliche Standpunkte.
  • Alle Standpunkte sind voreingenommen, aber einige Standpunkte können objektiver sein als andere.
  • Der Standpunkt einer untergeordneten Gruppe ist vollständiger, weil diese mehr Grund hat, eine dominante Gruppe zu verstehen, und weil sie weniger Interesse hat, den Status quo aufrecht zu erhalten.

Hegels Standpunkttheorie

Standpunkttheoretische Konzepte setzen in der Regel bei Hegels Herr und Knecht -Kapitel in der Phänomenologie des Geistes von 1802 an. Nach Hegel hat der Knecht einen erkenntnistheoretischen Vorteil gegenüber dem Herrn.

Mit der These des Bewusstseins ist die Antithese eines anderen Bewusstseins verknüpft. Beide stehen sich in einem paradigmatischen Kampf auf Leben und Tod gegenüber. Eines der beiden wird merken, dass es das Leben hoch schätzt und daher den Kampf abbrechen. Es ist von nun an der Knecht und muss dem Herrn dienen. Der Knecht wird nun sowohl den Herrn als anderes Bewusstsein anerkennen als auch sich selber im Produkt seiner Arbeit für den Herrn erkennen:
"Im Herrn ist ihm das Fürsichsein ein andres oder nur für es; in der Furcht ist das Fürschichsein an ihm selbst; in dem Bilden wird das Fürsichsein als sein eigenes für es, und es kommt zum Bewusstsein, dass es selbst an und für sich ist."
Das Bewusstsein des Knechts wird somit in einem dialektischem Prozess in der Synthese zum Selbstbewusstsein. Zum wahren Selbstbewusstsein wird es allerdings erst, wenn es seine Todesfurcht überwindet.

Marxistische und an Marx anknüpfende Standpunkttheorien

Feministische Standpunkttheorie

Zitate

Siehe auch

Literatur

Verwandte Themen

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