SodomiterverfolgungUnter Sodomiterverfolgung versteht man die strafrechtliche Verfolgung und Hinrichtung von Männern, denen man im christlichen Mittelalter und der frühen Neuzeit vorwarf, das "sodomitische Laster" (vitium sodomiticum ) praktiziert zu haben. BegriffHeute versteht man unter Sodomie nur noch den sexuellen Verkehr mit Tieren (Zoophilie ). Demgegenüber fasste das Mittelalter ganz verschiedene "widernatürliche" Praktiken unter diesen Begriff, hauptsächlich jedoch den Analverkehr . Das sodomitische Laster hieß auch die "stumme Sünde", die "Sünde ohne Namen" oder "jene schreckliche Sünde, die unter Christen nicht genannt werden darf". Am häufigsten gebraucht wurde die Wendung "Laster wider die Natur" (vitium contra naturam ). Da der Begriff der Homosexualität erst im 19. Jahrhundert aufkam, ist es irreführend, die Sodomiterverfolgung als Homosexuellen- oder gar als Schwulenverfolgung zu bezeichnen. Gleichwohl verstand man unter "Sodomit" vorwiegend einen Mann , der mit einem anderen Mann den Analverkehr praktizierte. Das Mittelalter kann jedoch im Hinblick auf den heutigen Begriff der Homosexualität nicht nur als eine Repressionsgeschichte geschildert werden. Denn gleichzeitig galt die Liebe zwischen Männern als nichts Außergewöhnliches und wurde nur selten mit dem Begriff der Sodomie in Verbindung gebracht. Gleichgeschlechtliche Freundespaare wurden von der Kirche teilweise auch als Wahlbrüder gesegnet und miteinander bestattet. Etymologisch leitet sich das Wort Sodomie von der biblischen Erzählungen im 1. Buch Mose, Kap. 18 und 19 von der Stadt Sodom ab, deren Bewohner der Sünde anheim gefallen waren und daher von Gott unter einem Regen aus Feuer und Schwefel begraben wurden. Theologischer DiskursIm alten und im neuen Testament wurde die Sodom-Erzählung im allgemeinen als Inbegriff der menschlichen Sündenverfallenheit und vor allem als mahnendes Beispiel der göttlichen Strafe rezipiert. Die Erzählung des versuchten Übergriffs der Sodomiten auf die Engel, die bei Lot zu Gast waren (Gen 19,1ff), weist auffallende Ähnlichkeiten mit der des Levits aus Ephraim im Buch der Richter, Kap 19: Beide Erzählungen thematisieren kollektive Gewalt gegenüber fremden Gästen und in beiden Fällen wird diese Gewalt mit der Vernichtung der Stadt bestraft. Auch im Buch der Weisheit (Kap 19 ) wird das Motiv der Gewalt gegen fremde Gäste mit einem ausdrücklichen Verweis auf Gen 19 erwähnt. Die Assoziation der Sünden der Sodomiten mit der Unzucht zwischen Männern entspricht einem späteren Verständnis dieser Erzählung und geht mit der Deutung in sexuellem Sinn der Aufforderung der Sodomiten an Lot einher: "...Führe sie zu uns heraus, dass wir sie erkennen" (Gen 19,5). Nicht sicherzustellen ist, ob ein solches Verständnis bereits einigen neutestamentlichen Anspielungen an das Sodom-Motiv unterlag (vgl.: Jud, 7). Die KirchenväterAuch die späteren patristischen Kommentatoren versäumten es zunächst, in der Interpretation der Sodom-Geschichte zwischen der Sünde der Wollust im Allgemeinen und der "widernatürlichen Unzucht " im Besonderen zu unterscheiden. Ja selbst die älteren, nicht sexuell gefärbten Interpretationen der Geschichte hielten sich noch über Jahrhunderte. So erklärte Hieronymus im Einklang mit Jesaja (3, 9), Prinzen gälten dann als Sodomiten, wenn sie in einem anderen Land mit ihren Sünden prahlten. Ambrosius wiederum hebt an der Drohung der Sodomiter, die drei Engel zu vergewaltigen, die Verletzung des Gastrechts hervor, führt aber gleichzeitig an anderer Stelle als Gründe für die Vernichtung der Stadt die Bosheit, Sündenverfallenheit und besonders die Wollust ihrer Einwohner an. Für Gregorius hingegen ist es bereits eindeutig, dass Sodom seiner "ungesetzlichen Begierden" wegen bestraft wurde. "Vom brennenden Sodom zu fliehen heißt, die unerlaubten Feuer des Fleisches zurückzuweisen". Unter den vier großen Kirchenlehrern ist es jedoch einzig Augustinus, der explizit darauf verweist, dass Sodom zerstört wurde, weil dort die Unzucht mit Männern aus Gewohnheit blühte. Scholastische DefinitionenAls Hauptwort taucht die Sodomie erstmals Mitte des 11. Jahrhunderts in einer kirchlichen Streitschrift auf, wo sie ihre Neukreation einer rhetorischen Analogie verdankt: In seinem Liber Gommorrhianus ruft der Benediktinermönch Petrus Damianus den damaligen Papst Leo IX. dazu auf, das sodomitische Laster aus der Kirche zu tilgen, indem diejenigen, die sich dessen schuldig gemacht haben, ihrer geistlichen Würde enthoben werden. In diesem Kontext prägt er das Substantiv sodomia mit Hilfe einer polemischen Parallelisierung: "Wenn Blasphemie die schlimmste Sünde ist, weiß ich nicht, auf welche Weise Sodomie besser wäre." Damian legt dem Begriff dabei eine uns heute befremdend erscheinende Gruppierung gänzlich verschiedener sexueller Handlungen zugrunde. Ihre Gemeinsamkeit bestand lediglich darin, dass sie nichts zur Fortpflanzung beitrugen, dem für das traditionelle Christentum einzig legitimen Zweck und Grund menschlicher Sexualität . Vier Formen konstituieren für Damian daher in aufsteigender Reihenfolge die sodomitische Sünde: die Selbstbefleckung (Masturbation ), das wechselseitige Umgreifen und Reiben der männlichen Genitalien, die Ejakulation zwischen den Schenkeln und der Analverkehr . Einer anderen Logik der Unterteilung folgte Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert. Ihm zufolge ist die "Sünde wider die Natur" eine von sechs Arten der Wollust mit vier Unterarten, nämlich der Masturbation , dem Verkehr mit einem "Wesen einer anderen Art", dem Verkehr mit einer Person, die nicht das geforderte Geschlecht besitzt, und dem unnatürlichen Vollzug des Beischlafs , etwa durch die Benutzung ungehöriger Instrumente oder auf andere "monströse und bestialische Weisen". Am schwersten wiegt dabei die Unzucht mit einem Tier, am geringsten die "Unreinheit", die einer mit sich allein begeht. VerfolgungspraxisSpäte Neuzeit und ModerneLiteraturSiehe auchVerwandte ThemenIndex: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Sodomiterverfolgung" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sodomiterverfolgung&action=history
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