SexismusUnter Sexismus versteht man die Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen allein aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit. Der Begriff ist eine aus dem Englischen kommende Parallelbildung zu racism (Rassismus), die als sexism in der US-amerikanischen Frauenbewegung der 1960er Jahre geprägt wurde und sich lange ausschließlich auf die Diskriminierung bzw. Unterdrückung von Frauen bezog. Heute stehen verschiedene Definitionen von Sexismus nebeneinander.
Sexismus ist mittlerweile Gegenstand von Gesetzgebung (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) und Sozialforschung, insbesondere der Gender Studies. BegriffsgeschichteBegriffsvorläuferDas Konzept des "Sexismus" hat einige inhaltliche Vorläufer. Der Begriff selbst wird in ihnen nicht verwendet, wohl aber eine vergleichbare theoretische Grundposition. Bereits 1907 hatte die Wissenschaftlerin Käte Schirrmacher in der Zeitschrift zur Reform der sexuellen Ethik einen "Geschlechtsvorurteil in der Sprache" diagnostiziert. Sie bezeichnete das als "Sexualismus": Mit der dem Menschen eigenen Subjektivität hat der Mann sich, seine Vorzüge, Fehler und Leistungen als die Norm, das Normale, das "Seinsollende", das Ideal gesetzt: das Männliche war, in der Sprache wie anderswo, das Massgebende. Daher in allen Sprachen der Welt der Kult des Mannes. [...] Immerhin, den Sexualismus, das Geschlechtsvorurteil bekommen wir so bald nicht aus der Sprache heraus, nur eine bewusste Gegenwirkung kann da helfen [...] . Ähnlich argumentierte die Schriftstellerin Simone de Beauvoir in ihrer 1949 erschienen Abhandlung Das andere Geschlecht. . De Beauvoir prägte hier den Begriff "Sexus" und begründete einige der zentralen feministischen Theoreme, etwa dass man nicht als "Frau " geboren, sondern als solche sozialisiert werde oder dass die Idee des "ewig Weiblichen" ein Vehikel der Unterdrückung durch das Patriarchat sei. Entstehung des Begriffs in den USADer Begriff "Sexismus" tauchte zum ersten Mal in den 1960er Jahren im Englischen auf (sexism ), mit ihm wurde der Prozess der Naturalisierung gesellschaftlicher Prozesse (Biologismus) beschrieben: eine Wirkungsweise, auf die auch der Begriff Rassismus (racism ) zielt, an dem der Begriff "Sexismus" sich anlehnte. Mit Sexismus wurden nicht nur individuelle Vorurteile, sondern auch institutionalisierte Diskriminierungen benannt. So heißt es in einer programmatischen Schrift der Southern Female Rights Union Ende der 1960er Jahre: "The division of labor and resources by sex constitutes a system of SEXISM, which is the oldest form of institutionalized oppression. ... To destroy sexism, we must fight, as females, collectively for the unity of humankind." ("Die Teilung der Arbeit und der Ressources nach dem biologischen Geschlecht konstituiert ein System des SEXISMUS, welches die älteste Form institutionalisierter Unterdrückung ist ... Um Sexismus zu zerstören müssen wir kämpfen, als Frauen, kollektiv für die Einheit der Menschheit")Eine erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Sexismus fand ab Anfang der 1970er Jahre in den USA statt.. Während in den 1970ern dieser Begriff in Deutschland noch weitgehend unbekannt war und nur in feministischer und populärwissenschaftlicher Literatur verwendet wurde, fand er in den Vereinigten Staaten bereits Zugang zu wissenschaftlichen Lehrbüchern. Die Unkenntnis dieses Begriffs führte noch 1983 im Bundestag zur Heiterkeit, als eine Rednerin forderte, den alltäglichen Sexismus hier im Parlament einzustellen . 1976 wurde der Begriff "Sexismus" in Deutschland bekannt durch das umfangreiche Buch von Marie-Louise Janssen-Jurreit mit dem gleichnamigen Titel. Sie definierte Sexismus als eine umfassende Unterdrückung von Frauen: ''"Sexismus war immer mehr als das, was in der nichtsagenden Geschmeidigkeit politischer Rhetorik 'die Benachteiligung der Frau' heißt oder was Soziologen verharmlosend mit 'traditioneller Rollenverteilung' bezeichnen. Sexismus war immer Ausbeutung, Verstümmelung, Vernichtung, Beherrschung, Verfolgung von Frauen. Sexismus ist gleichzeitig subtil und tödlich und bedeutet die Verneinung des weiblichen Körpers, die Gewalt gegenüber dem Ich der Frau , Achtlosigkeit gegenüber ihrer Existenz, die Enteignung ihrer Gedanken, die Kolonisierung und Nutznießung ihres Körpers, den Entzug der eigenen Sprache bis zur Kontrolle ihres Gewissens, die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit, die Unterschlagung ihres Beitrags zur Geschichte der menschlichen Gattung."'' Die 1980er Jahre: Sexismus als UnterdrückungsverhältnisIn den 1980er Jahren wurde in den Diskussionen um "Sexismus" verstärkt das Zusammenspiel mit anderen Unterdrückungsformen wie Klassismus und Rassismus betont. Im Zuge der Diskussion um die verschiedenen Unterdrückungsverhältnisse wurde zwischen Vorurteil und Unterdrückung differenziert: ''"Die Worte verletzen durch die dahinter verborgene Androhung von Gewalt. Es sind nicht die sexistischen Bilder und Worte, die an sich so schlimm sind, es ist die Macht über Frauen, die Androhung von Gewalt gegen Frauen, die der sexistischen Sprache ihre Sprengkraft verleiht. Wenn surinamische Kinder niederländische Kinder als 'Weißärsche' beschimpfen und als Antwort 'Niggerschwein' zu hören bekommen, können die Vorurteile, die dahinterstecken, ebenso 'rassistisch' sein, aber sie haben nicht die Drohung von Macht."''Heute werden in der Intersektionalitätsforschung (von intersection : Überschneidung, Kreuzung, Schnittmenge) nicht mehr nur die Unterdrückungsverhältnisse addiert, sondern es wird untersucht, welche Auswirkungen die Kreuzungen der Unterdrückungsverhältnisse wie Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, usw. haben. Wandlungen in der Erforschung von VorurteilenWährend auch heute noch der Begriff Sexismus bezogen auf Unterdrückung als Unterdrückung von Frauen betrachtet wird, hat es auf der Ebene der Geschlecherstereotype in der Forschung eine Erweiterung des Begriffs auf Geschlecht gegeben, der auch Sexismus gegenüber Männern mit einschließt. Die Vorurteilsforschung arbeitet u.a. mit standardisierten Fragebögen, die in den 1990er Jahren eine Wandlung erfahren haben. In den 1970er Jahren wurde mit der Attitudes Toward Women Scale (AWS) das inzwischen als traditioneller Sexismus oder offener Sexismus bezeichnete Geschlechtervorurteil ermittelt. Mit diesem Messverfahren konnte jedoch die Leugnung fortgesetzter Diskriminierung von Frauen irgendwann nicht mehr festgestellt werden, was zu neuen Fragebögen führte, die den Sexismus nun als modernen Sexismus oder Neosexismus begriffen. Eine aktuellen Studie, die vom modernen Sexismus ausgeht, untersuchte sowohl Frauen als auch Männer als Betroffene von zwischenmenschlichem Sexismus. Es zeigte sich, dass Männer vor allem von Rollenzuschreibungen betroffen sind, jedoch in keinem Fall zugaben (im Gegensatz zu Frauen) sich ernsthaft davon betroffen zu fühlen, auf einen (geschlechtsspezifschen) Objektstatus reduziert zu werden. Sexistische Vorurteile müssen nicht immer nur negativ sein, sie können auch positiv ausgedrückt werden (z.B. in Form des Mutterkreuzes oder des Muttertages, welcher zur Zeit des Nationalsozialismus mit der Idee der Herrenrasse verknüpft wurde). Es wird in der Forschung unterschieden zwischen wohlmeinendem (benevolentem) Sexismus und feindseligem (hostilem) Sexismus . Während die strukturelle Macht von Männern hostilen Sexismus schüre, begünstige die Abhängigkeit der Männer von Frauen in engen zwischenmenschlichen Beziehungen den benevolenten Sexismus. Sexistische Einstellungen in der Bundesrepublik DeutschlandSiehe auchLiteraturSicht von berühmten Männern auf FrauenWeblinksVerwandte ThemenIndex: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Sexismus" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sexismus&action=history
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