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Sex: Physiologie und Psychologie

Sexuelle Appetenz

Sex wird in der Psychologie als Appetenzverhalten gewertet, dessen treibende Kraft der Sexualtrieb, auch Libido genannt, ist. Solange keine sexuelle Befriedigung erfahren wird, baut sich "sexuelle Appetenz" (vgl. Appetit) auf, der Wunsch nach sexueller Betätigung wird verstärkt (siehe auch Sexuelle Appetenzstörungen).

Physiologisch betrachtet ist die Libido abhängig von der Produktion der Sexualhormone, also Testosteron bei Männern und Östrogen bei Frauen. Viele Frauen berichten von Schwankungen der Libido im Laufe des weiblichen Zyklus.

Sexuelle Erregung ist zunächst eine Reaktion des Limbischen Systems im Gehirn auf bestimmte sensorische Reize, die als Folge unwillkürliche körperliche Reflexe zur Folge haben können, die dann vielleicht zur Einleitung des Paarungsverhaltens führen.

Reaktionszyklus beim Sex

Der Ablauf der Vorgänge beim Sex - mit oder ohne Partner oder Partnerin - wird sexueller Reaktionszyklus genannt und in vier Phasen eingeteilt:

  1. Während der Erregungsphase steigen Puls und Blutdruck an: der "Sex flush" setzt ein. Bei der Frau schwellen Klitoris, Schamlippen und Brustwarzen an, beim Mann der Penis. Diese Erektionen sind ein natürlich ablaufender Vorgang bei sexueller Erregung, der durch die Anstauung des Blutes in den dazugehörigen Schwellkörpern dieser Organe (allerdings nicht bei den Brustwarzen) hervorgerufen wird. Sie wird normalerweise durch das Erektionszentrum im unteren Rückenmark ausgelöst, etwa durch reflektorische mechanische Reizung, erotische Gedanken, erotisierende sinnliche Wahrnehmungen oder Vorstellungen, natürlich auch direkt durch fremde Liebkosung oder eigene Manipulationen. Gleichzeitig ist die Erektion beim Mann eine der Voraussetzungen für die Penetration, das heißt, den Koitus, obwohl ein aktives und erfülltes Liebesleben auch ohne eine solche möglich ist.
  2. Während der Plateauphase wird einige Zeit lang ein individuell unterschiedliches Erregungsniveau gehalten, wobei die Muskelanspannung intensiviert wird und Puls und Blutdruck weiter ansteigen. Die äußeren Schamlippen der Frau schwellen an und ein vaginales Transsudat, das Vaginalsekret tritt aus; die Bartholinschen Drüsen geben ihre klare Flüssigkeit erst spät in dieser Phase ab, während Männer ein Sekret aus den Cowperschen Drüsen absondern.
  3. In der dritten Phase, dem Orgasmus, wird die Lust für einige Sekunden am stärksten empfunden. Die Durchblutung der Haut erhöht sich auf ein Maximum, die Frequenz des Herzschlags kann sich verdoppeln, der Blutdruck steigt und die Atmung beschleunigt sich, was sogar zu einem kurzen Bewusstseinsverlust führen kann. Währenddessen kommt es zu unwillkürlichen, rhythmischen Muskelkontraktionen in der Genital- und Analregion.:
    • Ein durchschnittlicher Orgasmus der Frau besteht aus etwa 5 bis 15 Muskelkontraktionen der "orgastischen Manschette", das sind einige Muskeln im Unterleibsbereich. Dabei kann manchmal bei der Weiblichen Ejakulation eine klare Flüssigkeit aus dem G-Punkt-Drüsenzentrum (Prostata feminina) abgegeben werden. Viele Frauen haben eine langsamere und flachere Erregungskurve als Männer und benötigen daher mehr Zeit, um einen sexuellen Höhepunkt erreichen zu können.
    • Der Mann stößt beim Orgasmus mit der Ejakulation dank koordinierter Kontraktionen des Nebenhodengangs, des Samenleiters, der Bläschendrüse, Prostata und Harnröhre sowie mithilfe der Kontraktionen der Beckenbodenmuskulatur in der Regel ca. 2 bis 6 ml Sperma aus. Orgasmus und Ejakulation können jedoch auch unabhängig voneinander auftreten.
  4. Die letzte Phase ist die Refraktärperiode, in der nach dem sexuellem Höhepunkt Erektionen zurückgehen und sich die Herz-Kreislauf-Funktion wieder normalisiert. Dies geschieht bei der Frau in der Regel erheblich langsamer als beim Mann. Es kommt bei Männern oftmals zu Gefühlen der Müdigkeit. Die meisten Männer brauchen dann einige Minuten oder auch erheblich länger (mit zunehmendem Alter auch mehrere Tage) bis sie den sexuellen Reaktionszyklus wiederholen können.

Sexuelle Orientierung

Hauptartikel: Sexuelle Orientierung

Als "sexuelle Orientierung" oder "Neigung" wird das hauptsächliche sexuelle Interesse einer Person in Hinblick auf ein bestimmtes Objekt ihrer sexuellen Wünsche bezeichnet. In Bezug auf das Geschlecht des Gegenübers spricht man bei einer tendenziell eher gegengeschlechtlichen Ausrichtung von Heterosexualität, bei tendenziell eher gleichgeschlechtlicher Ausrichtung von Homosexualität, bei etwa gleichem Interesse an beiderlei Geschlechtern von Bisexualität. Interessiert sich jemand für keines der beiden Geschlechter, spricht man von Asexualität.

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