Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation

Als Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation bezeichnet man den Abbruch einer Schwangerschaft , weil in der Pränataldiagnose des Ungeborenen eine schwere Erkrankung bzw. Entwicklungsstörung (Embryopathie) oder die Anlageträgerschaft des Kindes für eine Erkrankung festgestellt wurde.

Gesetzliche Grundlage und Motivationen

In Deutschland wird diese Situation in der Gesetzgebung in § 218a StGB als "medizinische Indikation" subsumiert, "... um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden." Der Eingriff zählt nicht zu den Straftaten gegen das Leben. Die embryopathische Indikation wurde 1995 als eigene Ziffer gestrichen, was die Belange der Schwangeren hervorhebt. In Österreich erlaubt § 97 Abs. 1 Ziffer 2 des StGB den Abbruch, wenn "eine ernste Gefahr besteht, daß das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde" . In Österreich wird von "eugenischer Indikation" gesprochen. In der Schweiz formuliert Artikel 119 des Strafgesetzbuches die Straffreiheit, wenn durch den Maßnahme die "Gefahr einer schwerwiegenden körperlichen Schädigung oder einer schweren seelischen Notlage abgewendet werden kann" .

In Deutschland wurden im Jahre 2006 offiziell 3.046 von 119.710 Abbrüchen unter medizinischer Indikation vorgenommen. Die Mehrzahl davon letztlich aufgrund einer diagnostizierten Embryopathie. In Österreich wird über Schwangerschaftsabbrüche und Motive keine Statistik geführt.

Bei einer 1992 von der Soziologin Irmgard Nippert durchgeführten Befragung von 1.157 Schwangeren, die eine Genuntersuchung vornehmen liessen, äußerten vier von fünf Befragten die Befürchtung, für ein behindertes Kind lebenslang sorgen zu müssen, und eine von drei Befragten fürchtete die finanziellen Belastungen. Zu den Interessenlagen gehört somit auch die Selbstbestimmung der Mutter und der anderen Angehörigen, die in der Grundrechtstheorie diskutiert werden.

Diagnoseproblematik

Die Pränataldiagnostik erlaubt häufig erst im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft die Möglichkeit zu Aussagen. Die Eingriffe werden daher in vielen Fällen als so genannter Spätabbruch nach der zwölften Schwangerschaftswoche vorgenommen. In den Gesetzen Deutschlands gilt insbesondere auch die 22. Schwangerschaftswoche seit 1995 nicht mehr als zeitliche Grenze.

Ab diesem Schwangerschaftsstadium ist es möglich, dass der Fötus die vorzeitig eingeleitete Geburt überlebt, wie zum Beispiel im Fall des sogenannten Oldenburger Babys und mit ärztlicher Hilfe im Brutkasten überleben würden. Um dies zu verhindern, werden oft die Föten vor dem Abbruch im Mutterleib getötet. Dieses Vorgehen ist gesetzlich nicht näher geregelt, Die direkte Tötung mit einer Kaliumchlorid-Lösung ins Herz des Embryos oder durch Unterbindung der Blutversorgung durch die Nabelschnur wird in einer Erklärung der Bundesärztekammer als unakzeptabel angesehen, wenn sie nur das Ziel hat, bereits außerhalb des Mutterleibes lebensfähige Föten vor einem Abbruch zu töten.

Bei der pränatalen Untersuchung können falsch-positive Diagnosen nicht ausgeschlossen werden, wie medizinstatistische Untersuchungen an der Charité zeigen. Bei einem Schwangerschaftsabbruch in Florenz konnte eine pränatal diagnostizierte schwere Fehlbildung der Speiseröhre später nicht bestätigt werden. Hier hatte das nach 22 Schwangerschaftswochen abgetriebene, etwa 25 Zentimeter große und 500 Gramm schwere Kind nach dem Eingriff kurze Zeit überlebt, was diesen Fall im März 2007 bekannt machte.

Es gibt Fälle, in denen Ärzte schon einen Abbruch empfehlen, wenn Chromosomenbrüche auf ein Risiko von 10 bis 15 Prozent für eine spätere Behinderung hinweisen oder bestimmte Infektionserkrankungen der schwangeren Mutter vorgelegen haben, die ein statistisch erhöhtes Missbildungsrisiko bedeuten. In diesen Fällen besteht also nur ein grundsätzlicher Verdacht.

Ethische Aspekte

Sonstiges

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