Pierre BourdieuPierre Félix Bourdieu [] (* 1. August 1930 in Denguin (Dep. Pyrénées-Atlantiques); gest. 23. Januar 2002 in Paris) war ein französischer Soziologe. BiographiePierre Bourdieu stammte aus einfachen Verhältnissen: sein Vater Albert Bourdieu war Landwirt und später Postangestellter, seine Mutter Noémie Bourdieu, geborene Duhau, Hausfrau. Bourdieu besuchte zunächst mit großem Erfolg das "Lycée de Pau" in seiner Heimatstadt und wechselte 1948 an das angesehene Lycée "Louis-le-Grand" in Paris. Danach studierte er im Hauptfach Philosophie an der École Normale Supérieure und erreichte 1954 die Agrégation. Während seines Studiums hörte er u.a. Logik und Wissenschaftsgeschichte bei Gaston Bachelard und Georges Canguilhem, befasste sich mit Hegel und schrieb eine Abhandlung über Leibniz - dies alles vor dem Hintergrund der großen zeitgenössischen Bedeutung des Existentialismus in der französischen Philosophie. Nach seiner Promotion an der Elitehochschule nahm er für ein Jahr eine Stelle als Gymnasiallehrer in der Auvergne an. 1955 zum Militärdienst eingezogen, wurde er für kurze Zeit in Versailles stationiert, aus disziplinarischen Gründen jedoch schnell im Algerienkrieg eingesetzt. Im Anschluss an seinen Militärdienst führte er von 1958-1960 in der Kabylei im nördlichen Algerien Feldforschungen zur Kultur der Berber durch und erteilte an der Universität Algier innerhalb der philosophischen Abteilung Unterricht. Bereits 1958 erschien seine erste Veröffentlichung über Algerien. 1960-1961 war er als Assistent Raymond Arons an der philosophischen Fakultät in der Sorbonne tätig. Anschließend unterrichtete er bis 1964 Soziologie als Dozent an der Universität Lille. Er beschäftigte sich u.a. mit Émile Durkheim, Max Weber, Alfred Schütz, mit amerikanischen Soziologen, der britischen Anthropologie sowie mit dem Linguisten Ferdinand de Saussure. Gleichzeitig betrieb er Studien der arabischen und berberischen Sprache, die er bereits in Algerien begonnen hatte. Bis 1964 verbrachte Bourdieu seine unterrichtsfreie Zeit jeweils in Algerien, um seine ethnologischen Feldstudien fortzusetzen. In der Zeit zwischen 1958 und 1964 entstanden ca. 3000 Fotos über den Krieg und das Alltagsleben in Algerien, insbesondere in Algier, von denen nur noch ein Teil vorhanden ist. Erst kurz vor seinem Tod wurden die Fotodokumente veröffentlicht, einzelne Fotos dienten vorher als Buchtitel. In Hamburg wurde 2006 eine Ausstellung von Fotoarbeiten Bourdieus gezeigt. 1963 publizierte er gemeinsam mit Alain Darbel, Jean-Paul Revet und Claude Seibel über die Entstehung der Lohnarbeit und eines städtischen Proletariats in Algier. 1964 erschien eine Arbeit über die Krise der traditionellen Landwirtschaft, die Zerstörung der Gesellschaft sowie die Umsiedlungsaktionen durch die französische Armee, die er gemeinsam mit Abdelmalek Sayad verfasst hatte. Auch andere Werke Bourdieus beziehen sich teilweise auf seine ethnologischen und soziologischen Forschungsergebnisse in Algerien, insbesondere seine Veröffentlichungen zur Theorie der Praxis als Grundlage der kabylischen Gesellschaft (1972) und Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft (1980), ebenso sein Alterswerk Die männliche Herrschaft (1998). Bourdieu wechselte 1964 an die École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS). Mit dem Soziologen Jean-Claude Passeron verband ihn eine lange Zusammenarbeit. Sie publizierten im selben Jahr gemeinsam das Werk Die Illusion der Chancengleichheit. Untersuchungen zur Soziologie des Bildungswesens am Beispiel Frankreichs , das große Aufmerksamkeit in der Fachöffentlichkeit erregte und Bourdieu als Soziologen bekannt machte. 1968 gründete er an der EHESS mit Hilfe Raymond Arons, der dafür eine Förderung durch die Fordstiftung erhielt, das centre de sociologie européenne (CSE). Von 1962 bis 1983 war Bourdieu mit Marie-Claire Brizard verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Seit 1981 hatte Bourdieu einen Lehrstuhl für Soziologie am Collège de France inne, eine der höchsten Positionen im französischen Universitätssystem. 1985 wurde er Direktor des CSE am Collège de France und der EHESS in Paris. Im selben Jahr bat ihn Staatspräsident Mitterrand, Vorschläge zur Reform des französischen Bildungswesens auszuarbeiten. Bourdieu war auch, vor allem in späteren Jahren, ein politischer Intellektueller: bekannt geworden ist seine Solidarisierung mit streikenden Bahnarbeitern auf einer Betriebsversammlung im Gare de Lyon am 13. Dezember 1995. Im Jahre 1998 unterstützte er die Arbeitslosenbewegung in Frankreich, war Mitbegründer der globalisierungskritschen Bewegung attac und trat im Mai 2000 für eine Vernetzung der sozialen Bewegungen in Europa gegen den "Neoliberalismus" ein. Als paradox kann gelten, dass ein Wissenschaftler, der im französischen Bildungssystem an höchster Stelle tätig war, ausführliche kritische Studien über eben dieses System vorlegte und die Rolle der intellektuellen Elite hinterfragte, beispielsweise in seinem Werk Homo academicus . ForschungAuszeichnungenWerkeLiteraturSiehe auchWeblinksVerwandte ThemenIndex: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Pierre Bourdieu" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pierre+Bourdieu&action=history
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