Outing

Outing ist ein aus dem Englischen übernommener Kampfbegriff der Schwulen- und Lesbenbewegung, der sich zu Beginn der Neunziger Jahre auch in der deutschen Sprache durchsetzte.

Outing umschrieb ursprünglich das erzwungene Coming-out öffentlicher Personen durch bekennende und politisch aktive Homosexuelle. Die Praxis des "Outens" ist vor dem Hintergrund der Act Up Bewegung entstanden und wurde als bewusst provokative Aktion eingesetzt, um durch das Benennen von homosexuellen Prominenten diese dazu zu zwingen, sich auch in der Öffentlichkeit zu ihrer Homosexualität zu bekennen. Bekannte englischsprachige Outing-Ziele waren u.a. die Schauspielerin Jodie Foster oder der Popsänger Boy George. Outing wurde ausdrücklich nicht als Diffamierung verstanden, sondern als offensiver Befreiungsschlag innerhalb der Gay Liberation Community , der besonders homosexuelle Jugendliche dabei unterstützen sollte, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln und prominente Identifikationsfiguren zu finden.

In Deutschland wurde diese umstrittene Praxis durch den Filmemacher Rosa von Praunheim übernommen. Großes Aufsehen erregte dieser am 10. Dezember 1991, als er den Moderator Alfred Biolek, den Komiker Hape Kerkeling und fälschlicherweise den Schauspieler Götz George in der RTL plus-Sendung "Explosiv - Der heiße Stuhl" öffentlich als schwul bezeichnete.

In Deutschland ist die Behauptung, eine Person sei homosexuell, rechtlich betrachtet problematisch, da diese, insbesondere wenn Beweise fehlen, als Verleumdung strafrechtlich verfolgt werden kann.

In verschiedenen Teilen der europäischen Lesben- und Schwulenbewegung wurde diese Praxis kontrovers diskutiert. Gewichtiges Gegenargument: niemandem stehe zu, über die Bereitschaft anderer, ihre sexuelle Orientierung offen zu legen, zu befinden. Angesichts der eigenen Forderung, der Staat, also die Allgemeinheit, habe sich aus dem Privatleben heraus zu halten, sei es unvertretbar, dass egal wie sehr engagierte Menschen mit Privilegierte(re)n unter den Mit-Diskriminierten gezielt so verfahren. Darauf präzisierte die britische Organisation OutRage! die Kriterien für ihre Vorgangsweise mitte der 90er-Jahre: zu outen seien demnach Prominente, die ihre eigene gleichgeschlechtliche Orientierung geheim halten, sich jedoch öffentlich homophob äußern oder verhalten - ob aus Neid auf andere, denen ein offenes Leben (leichter) möglich ist, oder zur Ablenkung. Das Argument beschrieb also quasi "VerräterInnen", das medial spektakulärste Beispiel waren Bischöfe. Die meisten Organisationen jedoch kamen nach eingehender Debatte nicht zuletzt innerhalb der International Lesbian and Gay Association zu dem Schluss, die Achtung der Privatsphäre müsse aus ethischen Erwägungen Vorrang haben, zudem solle nicht anderen Beispielen von Präzedenzfällen für die Durchlöcherung grundlegender Menschenrechte gefolgt werden.

Diffamierendes Fremd- und gezieltes Selbstouting

Outing-Strategie der Antifa

Siehe auch

Quellen

Weblinks

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