One Two Two

Das One Two Two kurz 122 war eines der berühmtesten Bordelle im Paris des 20. Jahrhunderts. Namensgebend war die Adresse in der Pariser Rue de Provence 122 , die englische Aussprache war eine Anspielung auf die zahlreichen englischen Besucher dieses Etablissements während der Zwischenkriegszeit. Gegründet und geleitet wurde es von einem gewissen Marcel Jamet , genannt "Fraisette" (nach einem um die Zeit äußerst beliebten Cocktail aus Erdbeersirup und Vichy).

Das Bordell

Jamet hatte dank seiner ersten Lebensgefährtin, die für ihn als Prostituierte arbeitete, nach dem 1. Weltkrieg in Argentinien eine kleines Vermögen verdient und war danach nach Paris zurückgekehrt. Zunächst erwarb er in der Avenue Junot ein kleine Villa und kaufte 1924 ein bescheidenes Bordell in der Rue de Provence 122 - das spätere One Two Two . Jamet plante daraus das beste Bordell Paris' zu machen, so ließ er das gesamte Haus umbauen, entließ die alten und stellte ganz neue Frauen ein.

Salons entstehen und die Zimmer werden renoviert. Highlife. Alles muß so schick wie möglich sein, auch das Personal. Dreißig Mädchen, die sich ihrer Hintern nicht zu schämen brauchen und freundlich lächeln. Allzeit bereit, das ist die Devise. Monsieur Marcel ist nicht nur ein Künstler, sondern auch ein aktiver Mann , der es versteht, Schwung in den Laden zu bringen.

Die Zimmer

Das erotische Angebot erstreckte sich über ein Venedig-Zimmer incl. Originalgondel, ein nachgebautes Iglu mit Eisbärenfellen, Schlafwagen im Stile des Orient-Expresses mit vorbeifliegenden Landschaften vor dem Fenster und Zuggeräuschen, Schifffahrtsromantik mit eingebautem Bullauge und sogar Rettungsringen, ägyptische Kleopatra oder Loire-Schlösser-Flair, für die zart Besaiteten Landliebe mit Jungbäuerin, frischen Eiern und Vogelgezwitscher und für die Liebhaber etwas härterer Spiele ein Folterkämmerchen mit Halseisen, Kreuz mit Lederschlaufen und Peitschen .

Eine dort tätige Prostituierte erinnert sich:

"Im Salon werden die Vorzüge der Frauen wirklich ins beste Licht gerückt. Überall Säulen! Und Sockel auf die wir dann steigen. Was meinst Du, wie dann die Kleider wirken! Wir sind mindestens fünfzig bis sechzig Frauen..."

Auch Rollenspiele gehörten zu dem Angebot. Fabienne Jamet , zweite Ehefrau des Bordellbetreibers, schildert ihre Erlebnisse mit Gästen in ihrer Autobiografie ''Der nächste Herr, s'il vous plais, Erinnerungen aus dem One Two Two, Rue de Provence'' folgendermaßen:

"Häufig habe ich mich als Erstkommunikantin oder als Schülerin verkleidet und mußte dann dem Kunden gehorchen."

Auch für ausgefallenere Wünsche hatte das 122 Verständnis, Fabienne:

"[...] Der Bankier machte es sich in einem prächtigen, mit dunkelrotem Samt ausgeschlagenen Sarg bequem. Ein von ihm bestelltes und bezahltes Orchester (auch der Sarg ging auf seine Rechnung) spielte religiöse Lieder, während er in seinem Sarg von sechs splitternackten Frauen umgeben, Champagner schlürfte. Nachdem er eine halbe Stunde vor sich hingeträumt hatte, wählte er eine der Damen und trieb es mit ihr in der ?Leichenhalle '."

Das Publikum

Zwischen Freund und Feind

Nach dem Krieg

Siehe auch

Weblinks

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