Neotantra

Mit dem Begriff Neotantra wird eine seit Ende der 1970er Jahre in Europa und den USA verbreitete Richtung des Tantra bezeichnet, die meist von kommerziellen Tantraschulen angeboten und verbreitet wird, aber auch im privaten Bereich praktiziert wird.

Entstehung und Gedankengut

Der als Sektenführer in die Kritik geratene indische Philosophieprofessor Osho propagierte unter dem Begriff Neo-Tantra als eine zeitgemäße Form von Tantra die Verbindung von Spiritualität und Sexualität . Diese Lehre besagt, dass mittels Meditation die sexuelle Energie des Beckenbereiches geweckt und zu einem "kosmischen Bewusstsein" transformiert werden könne. Weitere Theorien und Methoden, insbesondere zu Sexualität und therapeutischen Methoden, sind den Lehren Wilhelm Reichs entnommen. Darüber hinaus finden sich auch meditative Ideen des Yoga und der Körpertherapie.

Im Westen machte insbesondere die Osho-Schülerin Margot Anand Neotantra durch ihre Bücher und Seminare populär.

Eine andere Tradition des modernen Tantra, die sich unabhängig von Osho entwickelt hat, nahm ihren Anfang um 1977 mit der Tantraschule von Andro (Andreas Rothe) in Berlin (heute Diamond Lotus Tantra).

Tantraseminare sind von den Krankenkassen nicht als Therapie anerkannt und müssen daher privat finanziert werden.

Neben diesem Bereich der Tantraseminare gibt es den Markt der sogenannten Tantramassagen, in denen sich Elemente aus dem Neotantra und vor allem erotischer Massagen vermischen. In den meisten Fällen handelt es sich allerdings einfach um Ganzkörpermassagen einschließlich einer Massage des Intimbereichs, ohne einen weiteren philosophischen Hintergrund.

Tantraszene

Die Tantraszene steht geschichtlich in der Tradition des Esoterikmilieus. Auch ist eine Einordnung in die New Age-Kultur der neuen sozialen Bewegungen richtig. Im weiteren Sinn wäre vielleicht noch eine Nähe zur alternativen Szene, zur Polyamory-Subkultur und entfernt zum ZEGG anzumerken, wobei Tantra aber unpolitisch bleibt. Obwohl erotische Rituale im Neotantra eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen (s.u.), ist die Überschneidung mit der Swingerszene äußerst gering. Im Vergleich zur letztgenannten Szene ist die Tantraszene bedeutend kleiner.

Themen

Die genauen Thematiken der Seminare sind konkret nur schwer fassbar. Gemein ist vielen Tantrainstituten ein therapeutischer Anspruch. Die Seminare versprechen, insbesondere partnerschaftliche und sexuelle Probleme verarbeiten zu helfen und Traumatisierungen bis hin zum sexuellen Missbrauch zu lindern. Auch soll "persönlichem und spirituellem Wachstum" sowie "natürlicherem" Erleben der Sinnlichkeit Raum gegeben werden. Die Lehren des traditionellen Tantra, aber auch die Grundlagen des Neotantra selbst (s.o.), werden in den Seminaren zumeist nicht konkret thematisiert.

Angebote und Ablauf der Gruppen

Im Vordergrund der Seminare, die häufig in Kur- oder Wellnesshotels mit entsprechenden Gruppenräumen stattfinden, steht oft das Gruppenerlebnis. Diese Veranstaltungen werden sowohl von Paaren als auch von Singles gemeinsam besucht, wobei seitens der Veranstalter meist auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis geachtet wird. Es gibt aber auch reine Paar-, Single-, Männer- oder Frauenseminare und Veranstaltungen speziell für Anfänger oder Fortgeschrittene. Das Angebot reicht von Abendgruppen über einzelne Wochenenden über mehrtägige Veranstaltungen, Jahrestrainings, Urlaubsreisen bis hin zu Ausbildungen zum Tantralehrer. Jahrestrainings sind dabei Veranstaltungen, die mehrmals im Jahr jeweils mehrere Tage lang dauern und deren Teilnehmer in der Regel eine abgeschlossene Gruppe bilden.

Der Ablauf der Seminartage wird häuptsächlich von Meditationen (insbesondere Chakren-Meditationen), Begegnungsübungen, Körperarbeit und Partnerübungen bestimmt. Eine einzelne Übung kann mitunter mehrere Stunden andauern. Oft kulminiert ein Seminar in einem erotischen Partnerritual, das je ein Mann und eine Frau zumeist nackt miteinander ausführen (es gibt aber auch Tantra für Schwule und Lesben).

Sexuelle Vereinigung wird - zumindest in Anfängergruppen - meist nicht angeleitet. Dennoch kann man feststellen, dass die erotische Begegnung der Geschlechter Hauptthema vieler Seminare darstellt.

Anmerkungen und Bewertungen

Literatur

Verwandte Themen

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