Neiding

Der Neiding (althochdeutsch nidding , altnordisch níðing , angelsächsisch nithing ) ist bei den Germanen ein boshafter, mythologischer Unhold; seine hervorstechendste Eigenschaft nid(d) (anord. níð , angels. nith , in eingeschränkter Bedeutung Nhd. Neid ; hingegen anord. nið in etwa Finsternis ) kann in jedem beliebigen Menschen vermutet werden, der somit selbst als gefährlicher Neiding gilt. Wörtlich bedeutet dieser zugrunde liegende nid soviel wie: Neid, Bosheit, Heimtücke.

Der Neiding und sein Schadenszauber Seidr

Der nid des Neidings ist für die Germanen das wahrscheinlichste Motiv zur Anwendung des bösen Schadenszaubers namens Seidr . Aufgrund seines grundsätzlich unbegrenzten nid (Neid, Bosheit, Heimtücke) in Bezug auf den ihm überlegenen Menschen und seine Fähigkeiten bedient sich der Neiding seines Seidrs , um dem Menschen zu schaden und schließlich die Menschheit mitsamt Midgard, der Menschenwelt, zu vernichten.

Infolgedessen wird der Neiding als mythologischer, nichtmenschlicher Unhold aufgefasst, "der jedenfalls nur Schaden stiftet und andere in das sichere Verderben hineinreißen kann ". Wer nid in sich trägt und sich daran verzehrt, den trifft die Auflösung der: "inneren Eigenschaften, die das Individuum gleichzeitig zum Mann und zum Verwandten macht ", was unweigerlich Abartigkeit, Unzüchtigkeit und Krankheit nach sich zieht, so dass das gesamte Wesen des Unholds nicht nur das direkte Gegenteil von kriegerischer Männlichkeit darstellt, sondern sein nid auch hochgradig ansteckend ist.

Der Neiding , obwohl er auch von Geburt an menschlich erscheint, wird nicht irgendwann im Laufe seines Lebens plötzlich zum unmenschlichen Unhold; allein seine Neidingstat bezeugt, was er immer schon gewesen ist, und das ist nicht entfernt menschlich. "Das Unheimliche, Unbegreifliche seines Wesens war es, das jemanden zum Neiding stempelte, gleichgültig, ob es in irgendwelchen körperlichen Anomalien begründet war oder in psychischen Merkmalen. " Wer dieserart als unheimlich wahrgenommen wird, der wird innerhalb der Sippe isoliert, was aufgrund soziopsychologischer Wechselwirkungen (s. Selbsterfüllende Prophezeiung) zu seiner Beurteilung als Ausgestoßener und Verbrecher beitragen mag.

Seidr als Grundlage des Verbrechertums

Der Schadenszauber Seidr des Neidings hängt sprachlich engstens mit germanischen Ausdrücken der Pflanzenkunde wie der Giftmischerei zusammen. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass Seidr der allgemeinen Auffassung nach bis zu einem gewissen Grad die Tätigkeit der Giftmischerei miteinschließt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich dieselben Auffassungen über Giftmord als grundsätzlich magisches Verbrechen ebenso im antiken römischen Recht findet:

Die heimliche und heimtückische Giftmischerei des Neidings ist eng verknüpft mit der germanischen Rechtsauffassung, die der Unterscheidung von rechtmäßiger Tötung (d. h. Hinrichtung) und verbrecherischem Mord zugrundeliegt. Mord wird heimlich, unter Ausschluss der Sippe (sprich der Mitmenschen) verübt, die nicht über die Rechtmäßigkeit der Handlung befinden kann.

Die Schadenszauberer werden "offiziell nicht anerkannt und wirken nicht im Dienst und zum Nutzen der Allgemeinheit, sondern nur in privaten Interessen: darum ist auch niemand davor geschützt, von ihrer geheimen Kunst betroffen zu werden. " Da nid darüberhinaus auch Heimtücke bedeutet, wird der Neiding als krankhafter Lügner und meineidiger Eidbrecher angesehen, dem speziell der Verrat wie der Hochverrat nachgesagt werden. Die Zusammenstellung der kriminellen Machenschaften, mit denen der Neiding in direktem Zusammenhang gebracht wird, liest sich wie folgt:

...[d. h. Akte,] "die einer sittlich verwerflichen Gesinnung entspringen."

Eine solche Anhäufung von Assoziationen mag zuerst unübersichtlich und verwirrend wirken; die Zusammenhänge werden jedoch in der weiteren Folge dargelegt.

Argheit, Geschlechterrollen, Perversion

Das körperliche Geschlecht des Neidings

Der Neiding als entmenschtes Tier

suht: Gebrechen, Krankheit, Geisteskrankheit, Sucht

Der Neiding und die Hexe

Die Schelte des Neidings

Die Bestrafung des Neidings

Historische Einordnung der Neidingsfigur

Der Seidr im modernen Neopaganismus

Siehe auch

Quellen und Sekundärliteratur

Verwandte Themen

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