Martin DanneckerMartin Dannecker (* 1942 in Oberndorf am Neckar) ist ein deutscher Sexualwissenschaftler , der sich am Institut für Sexualwissenschaft des Klinikums der J.W.Goethe-Universität in Frankfurt am Main mit den Schwerpunktthemen männliche Homosexualität , sexuelle Minderheiten und HIV/Aids beschäftigt hat. Nebenher führte er Filmseminare über die Konstruktion von Geschlechtern und Sexualität im Film durch. LebenMartin Dannecker wuchs im deutschen Schwarzwald auf. Er machte zuerst eine Ausbildung zum Industriekaufmann und besuchte später in Stuttgart eine Schauspielschule. Im Alter von etwa 18 Jahren stellte er fest, dass er homosexuell ist, und begann, die Literatur zu Homosexualität zu studieren. Da sie ihm "nicht adäquat" und zu pathologisierend erschien, beschloss er, eines Tages selbst eine Studie über Homosexualität zu machen. 1966 übersiedelte er nach Frankfurt am Main und arbeitete als wissenschaftliche Hilfskraft bei einer freiberuflich tätigen Soziologin. Er holte das Abitur nach und studierte dann Philosophie, Soziologie und Psychologie. 1974 publizierte er gemeinsam mit dem Psychoanalytiker Reimut Reiche , seinerzeit Vorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), die große empirische Studie "Der gewöhnliche Homosexuelle". Von 1977 bis 2005 war er am Institut für Sexualwissenschaften des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig. Nach seiner Pensionierung übersiedelte er nach Berlin. Er ist Kuratoriumsmitglied der Initiative Queer Nations e.V. mit Sitz in Berlin. Zusammen mit Gunter Schmidt und Volkmar Sigusch ist er Herausgeber der Buchreihe Beiträge zur Sexualforschung, die im Psychosozial-Verlag erscheint (bisher 87 Bände). Er war auch Redakteur und ist noch Herausgeber der Zeitschrift für Sexualforschung, die im Georg Thieme-Verlag in Stuttgart erscheint. Martin Dannecker war der "Kopf" hinter Rosa von Praunheims erstem Filmerfolg Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt . Nach der Ausstrahlung dieses Filmes zunächst nur im "Dritten" des WDR und erst viel später im ersten Programm (mit Ausnahme Bayerns) und nach vielen regionalen Vorführungen dieses Filmes mit anschließenden Diskussionen gründeten sich die ersten politischen Schwulengruppen der Nachkriegszeit. Zitat aus dem Film: Schwule wollen nicht schwul sein, sondern so spießig und kitschig leben wie der Durchschnittsbürger. Schwule fordern vom Schwulen, ein Ästhet zu sein. Da die Schwulen vom Spießer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen sie, noch spießiger zu werden, um ihr Schuldgefühl abzutragen mit einem Übermaß an bürgerlichen Tugenden. Ihre politische Passivität und ihr konservatives Verhalten sind der Dank dafür, dass sie nicht totgeschlagen werden. Das war ein wesentlicher Teil des Textes, der im Film von Volker Eschke aus dem Off gesprochen wurde. In dieser Zeit erschien auch die erste wissenschaftliche Arbeit zum Thema Homosexualität , "Der gewöhnliche Homosexuelle" , die Martin Dannecker zusammen mit Reimut Reiche im S. Fischer Verlag veröffentlichte. Zitat aus dem Klappentext des Buches: Die erste Untersuchung, die den gesamten Lebenszusammenhang Homosexueller in den Blick nimmt und den Zusammenhang von individuellem Triebschicksal Homosexueller und dem sozialen Zwang, dem sie ausgesetzt sind, im einzelnen aufzeigt. WeblinksVerwandte Themen
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