Margaret SangerMargaret Higgins Sanger (* 14. September 1879 in Corning, New York; gest. 6. September 1966 in Tucson, Arizona) war eine US-amerikanische Krankenschwester und Frauenrechtlerin. Sie war eine Aktivistin der Bewegung für Geburtenkontrolle und begründete 1921 die American Birth Control League, aus der 1942 die Organisation Planned Parenthood (dt. Geplante Elternschaft ) und später auch Pro Familia hervorging. In den USA war und ist sie eine umstrittene Persönlichkeit, die einerseits als Vorreiterin für das Recht der Frauen auf Empfängnisverhütung gefeiert wird, andererseits jedoch aufgrund vieler scharf und missverständlich formulierter Aussagen verdammt wird. Viele ihrer Ansichten riefen Kritiker auf den Plan, speziell ihre Unterstützung von Teilen der Eugenik wurden bzw. werden nicht gerne gesehen und bieten teilweise eine große Angriffsfläche. BiografieMargaret Higgins wurde 1879 in Corning, New York, als sechstes Kind des irisch-stämmigen Steinmetzes Michael Hennessey Higgins und der streng katholischen Anne Purcell Higgins geboren. Ihre Mutter brachte achtzehn Schwangerschaften (davon elf Lebendgeburten) hinter sich, bevor sie 1899 an Tuberkulose und Gebärmutterkrebs starb. Durch ihre zwei älteren Schwestern finanziert, besuchte Margaret das Claverack College. 1900 begann Margaret in einem Krankenhaus von White Plains eine Ausbildung zur Krankenschwester. Im August 1902 heiratete sie den jungen Architekten William Sanger (* 1873 in Berlin; gest. 1961). An Tuberkulose leidend brachte sie im November 1903 ihren Sohn Stuart - das erste von drei Kindern (Grant im Juli 1908; Margaret Louisa im Mai 1910) - zur Welt. Wegen ihrer Krankheit und der geplanten Familie brach sie auf Druck ihres Ehemannes ihre Ausbildung im dritten Jahr nur wenige Monate vor dem Abschluss ab. Die ersten Anklagen1912 zog sie mit ihrer Familie nach New York City um, wo sie in den Slums von Manhattan als Krankenschwester arbeitete, indem sie bei Hausbesuchen Schwangerschafts- und Geburtshilfe leistete. Durch ihre Arbeit sah sie viel von dem Elend der armen Bevölkerung, vor allem dem der Frauen. Wegen dieser Erfahrungen und geprägt durch die Erinnerungen an ihre Mutter, schrieb sie eine Kolumne für die Zeitung New York Call , in der sie über die Verhütung unerwünschter Schwangerschaften informierte. Da sie zu diesem Thema auch eine Broschüre (Family Limitation ) an arme Frauen verteilten, riskierten sie und William Haftstrafen, da sie sich damit dem Comstock Law von 1873 widersetzten, das die Weitergabe von Verhütungsinformationen und -mitteln wegen Unanständigkeit verboten hatte. In den ersten Monaten wurden ihre Rundschreiben vom Postministerium allerdings nur zensuriert. Margaret trennte sich 1913 von ihrem Ehemann, um ihre Vorstellung von sexueller Freiheit zu leben. 1914 gründete sie The Woman Rebel , einen monatlichen Rundbrief, in dem sie sich für Empfängnisverhütung und das Recht der Frau auf ihren Körper einsetzte. In diesen Rundbriefen prägte sie das Wort "birth control" (engl. Geburtenkontrolle ). Im August 1914 wurde gegen sie wegen der Veröffentlichung unanständiger Inhalte ein Haftbefehl erlassen, worauf sie vor der Vollstreckung über Kanada nach Europa flüchtete. Während sie sich in London weiter fortbildete und mit bekannten Sexualwissenschaftlern diskutierte, hatte sie auch einige Affären. Sie verbrachte zudem einige Zeit in den Niederlanden, die zu dieser Zeit die niedrigste Kindersterblichkeitsrate weltweit hatte. Im September 1915 verbrachte William Sanger 30 Tage im Gefängnis, da er Kopien von Family Limitation verteilt hatte. Kurz danach - im Oktober 1915 - kehrte Margaret vorbereitet in die USA zurück, um sich der Anklage zu stellen. Das Verfahren war für den folgenden Januar angesetzt, als am 6. November 1915 ihre Tochter Peggy im Alter von fünf Jahren an Lungenentzündung starb. Die öffentlichen Sympathiebekundungen aus dem ganzen Land und der Druck von prominenten Unterstützer auf die Behörden zeigte Wirkung. Die Anklage wurde abgelehnt. Offizielle Begründung war, dass die Anklage bereits zwei Jahre alt sei und Margaret Sanger aus der Verteilung von illegalen Material keine Gewohnheit gemacht habe. Mittlerweile auch in den Vereinigten Staaten eine Berühmtheit begab sich Margaret Sanger 1916 auf ihre erste Tour durch das Land und hielt an vielen Orten und vor unterschiedlichstem Publikum Vorlesungen über Geburtenkontrolle. Solche Reisen unternahm sie in den folgenden Jahren immer wieder. Außerdem erhielt sie allein bis 1926 über eine Million Briefe von Frauen, die um Informationen zur Geburtenkontrolle baten. Die Brownsville-KlinikAm 16. Oktober 1916 eröffnete Margaret Sanger gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Ethel Byrne und der gleichgesinnten Fania Mindell die erste US-amerikanische Klinik für Familienplanung und Geburtenkontrolle in Brownsville, Brooklyn. Neun Tage später wurde durch die Polizei eine Razzia durchgeführt und die drei Frauen verhaftet. Mindell wurde für die Verteilung von What Every Woman Should Know zu einer Geldstrafe von 50 US-Dollar verurteilt. Margaret und ihre Schwester wurde wegen der Verbreitung von Informationen zur Geburtskontrolle zu je 30 Tagen Gefängnis verurteilt. Während Ethel Byrne einen Hungerstreik antrat und vom Gouverneur begnadigt wurde, verbrachte Margaret ihre Haftstrafe in einem Arbeitshaus, wo sie die anderen Insassen über Geburtenkontrolle aufklärte und ihnen die Grundlagen von Lesen und Schreiben beibrachte. Sie legte gegen das Urteil Berufung ein, bekam aber nicht Recht. Im Jahr 1918 erlaubte ein Berufungsgericht die Verschreibung von Verhütungsmitteln durch Ärzte. Der Town-Hall-VorfallAm 10. November 1921 gründete sie gemeinsam mit Lothrop Stoddard und C. C. Little die American Birth Control League (ABCL), deren Präsidentin sie wurde. Am 13. November 1921 sollte in der Town Hall in Manhattan ein Treffen von Verfechtern der Geburtskontrolle stattfinden. Margaret und ihre Kollegen hatten es als Höhepunkt der Gründung der American Birth Control League geplant. Prominente Wissenschaftler, Physiker, Demographen und Eugeniker, aber auch Sozialarbeiter und Sozialisten sollten über die globalen Konsequenzen der Geburtenkontrolle diskutieren. Ein Freund Margarets, der englische Parlamentarier und Zeitungseditor (Edinburgh Review) Harold Cox, sollte die Keynote präsentieren. Kurz vor Beginn des Treffens ließ Polizeichef Thomas Donahue die Türen des Theaters versperren. Da jedoch noch Leute im Gebäude waren, mussten die Türen wieder geöffnet werden. Diesen Moment nutzte die vor dem Gebäude wartende Menge und stürzte hinein. Margaret stellte sich auf das Podium und begann mit einer Rede. Daraufhin ordnete der Polizeichef ihre Verhaftung an. Sie und eine weitere Aktivistin, Mary Winsor, wurden verhaftet und weggetragen. Sie wurden zur Polizeistation gebracht, wo ihnen Ruhestörung vorgeworfen wurde. Wegen fehlender Beweise wurden sie jedoch kurz danach wieder freigelassen. Am nächsten Tag wurde bekannt, dass es Patrick Joseph Hayes, der Erzbischof von New York, gewesen war, der die Razzia veranlasst hatte. Er hatte den Polizeichef angerufen und seinen Sekretär Monsignor Joseph P. Dineen zu einem persönlichen Treffen mit diesem geschickt hatte. Die Aufregung über diesen Vorfall war in der New Yorker Presse groß. Der Bischof musste viel Kritik einstecken. Prominente Bürger der Stadt waren über diese Verletzung des Rechts auf Redefreiheit verärgert und unterzeichneten eine Petition, in der sie gegen die Verhaftung protestierten. Margaret schrieb später in ihrer Autobiografie, dass dieser Vorfall ihrer Bewegung von großem Nutzen gewesen war, da er die Prominenten und Reichen auf sie aufmerksam machte.. Ab 19221922 reiste Margaret Sanger zum ersten Mal nach Japan, um dort gemeinsam mit der japanischen Frauenrechtlerin Shizue Kat? Geburtenkontrolle zu bewerben. Am 18. September 1922 heiratete sie den Ölmagnaten James Noah H. Slee (gest. 1943 mit 82 Jahren), wobei sie dies zunächst auch vor Freunden verheimlichten. Erst im Februar 1924 lüfteten Zeitungen das Geheimnis und die Öffentlichkeit erfuhr von der Hochzeit. Im Jahre 1923 richtete sie unter der Schirmherrschaft des ABCL das Clinical Research Bureau ein, die erste legale Klinik für Geburtenkontrolle in den USA. Im selben Jahr rief sie auch das National Committee on Federal Legislation for Birth Control ins Leben. Dieses Komitee setzte sich für die Legalisierung der Geburtenkontrolle auf Bundesebene ein. Sie stand ihm bis zu seiner Auflösung wegen Zweckerfüllung 1937 als Präsidentin vor. 1927 half Sanger bei der Organisation der ersten Weltbevölkerungskonferenz in Genf. 1928 trat sie als Präsidentin des ABCL zurück und wurde zwei Jahre später die Präsidentin des Birth Control International Information Center. 1937 wurde Sanger Vorsitzende des Birth Control Council of America und begann mit der Veröffentlichung von The Birth Control Review und The Birth Control News Die letzten JahreIm Oktober 1934 besuchte Sanger das erste Mal Arizona, da ihr Sohn Stuart wegen einer Atemwegserkrankung das trockene Wüstenklima bevorzugte. Obwohl sie Freunden gegenüber Abneigung gegen die Hitze äußerte, zog sie im Herbst 1937 mit ihrem kränkelnden Ehemann nach Tucson und legte auch einige ihrer Aufgaben und Ämter zurück. Von 1939 bis 1942 war sie deshalb ehrenamtliche Abgeordnete der Birth Control Federation of America . In den folgenden Jahren starben sowohl durch den Krieg als auch durch Krankheiten viele ihrer Freunde. Aber auch ihre eigene Gesundheit verschlechterte sich. Nach dem Tod ihres Ehemanns 1943 ließ sie sich ein Haus in Catalina Foothills bauen. Damit lebte sie in direkter Nachbarschaft zu Stuart, seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Den 45 ha großen Landsitz Willowlake in der New Yorker Gemeinde Fishkill (Dutchess County), den sie 1923 als Hochzeitsgeschenk von Noah erhalten hatte, verkaufte sie 1949. Obwohl sie Ende der 1940er wieder verstärkt in der Öffentlichkeit auftrat und deshalb nur wenig Zeit auf dem Catalina-Anwesen verbrachte, erinnert sich ihre Enkelin Nancy Sanger Irvins an viele Feiern, bei denen sie viele prominente Persönlichkeiten wie Vijaya Lakshmi Pandit, John D. Rockefeller II. Frank Lloyd Wright und Eleanor Roosevelt kennen lernte. Von 1952 bis 1959 war Margaret Präsidentin der International Planned Parenthood Federation , damals die größte private Organisation zu Familienplanung. In den frühen 1960ern propagierte sie eine neue Verhütungsmethode , die Antibabypille . Sie tourte auch durch Europa, Afrika und Asien, hielt dort Vorlesungen und half bei der Gründung neuer Geburtenkliniken. 1965 erklärte der Oberste Gerichtshof im Fall Griswold v. Connecticut das Verbot von Mitteln zur Schwangerschaftsverhütung als verfassungswidrig. Dadurch wurde die Geburtenkontrolle für verheiratete Paare in den USA legalisiert. Wenige Monate später, am 6. September 1966, starb Margaret Sanger im Alter von 86 Jahren in einem Pflegeheim in Tucson, Arizona. Sie wurde am Fishkill Rural Cemetery in Fishkill zwischen ihrem zweiten Ehemann und ihrer Schwester Anna Higgins begraben. Auf dem Grabstein steht ein falsches Geburtsjahr (1883), da sie sich Zeit ihres lebens vier Jahre jünger gemacht hatte. EhenBegegnungenWirkenBetrachtungLiteraturWeblinksVerwandte ThemenIndex: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Margaret Sanger" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Margaret+Sanger&action=history
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