Levirat

Das Levirat (hebr. ; auch: Jibbum , Leviratsehe , Schwagerehe ; von altlat. levir = "Schwager") bezeichnet die Ehe einer Witwe mit dem Bruder ihres verstorbenen Mannes. Sie tritt als Schutzbestimmung für die Erhaltung der erbberechtigten männlichen Nachkommenschaft einer israelitischen Familie im mosaischen Gesetz auf und geht in ihrem Ursprung auf hethitische und assyrische Vorbilder zurück.

Es kommt beispielhaft erstmalig in der Bibel in Genesis 38 vor und als Gesetz in Levitikus 18,16 und 20,21 und Deuteronomium 25,5-10. In der Mischna/Talmud wird der Jibbum ausführlich im Traktat Jebamot (Seder Naschim) behandelt. Voraussetzung war, dass der Bruder kinderlos starb und somit keinen Erben hatte. Damit war das Land als gottgegebener Familienbesitz gefährdet. Um diesen Besitz zu schützen, der nach alttestamentlicher Vorstellung von Gott durch Josua verteilt worden war, und der Witwe eine sozial wie vital gesicherte Lebensstellung zu geben, heiratete der Bruder, soweit er auch zu Lebzeiten des Bruders schon lebte und volljährig war, seine Schwägerin. Sollte der nächste Bruder nicht in der Lage sein, die Schwägerin zu heiraten, ging die Pflicht auf den folgenden Bruder über. Wenn der einzig mögliche Bruder noch nicht heiratsfähig war, musste die Witwe bis zu dessen Volljährigkeit warten. Ziel dieser Ehe war es, einen männlichen Nachkommen zu zeugen, der den "Namen und Rechtsstellung" des verstorbenen Gatten erhielt und rechtlich als dessen Sohn galt. Die Schwagerehe war nach judäischem Recht nicht gestattet, wenn aus der ersten Ehe bereits Kinder vorhanden waren. Der Vollzug des Levirats war als religiöse Pflicht gedacht. Wenn Zweifel daran aufkamen, dass der Bruder es als religiöse Pflicht ansah, wurde das Levirat nicht vollzogen. Zu betonen ist, dass das Levirat nur bei Zustimmung beider Parteien zur Ausübung kam.

Sollte einer der beiden Beteiligten nicht einwilligen, wurde die Zeremonie der Chalitza ausgeführt. Dabei zieht die Witwe dem Levir einen Chalitza-Schuh aus und spuckt vor ihm auf die Erde. Dabei wird ein bestimmter Spruch gesagt. Dies wurde traditionell vor den Ältesten vollführt, später jedoch zu einer öffentlichen Zeremonie. Ab der Zeit Raschis wurde die Chalitza dem Levirat vorgezogen, sodass die Witwe freizügig war. Zur Zeit Jesu dürfte die Leviratsehe nicht mehr üblich gewesen sein.

Debarim/Deuteronomium 25,5-10: "Wenn Brüder beieinander wohnen und einer stirbt ohne Söhne, so soll seine Witwe nicht die Frau eines Mannes aus einer andern Sippe werden, sondern ihr Schwager soll zu ihr gehen und sie zur Frau nehmen und mit ihr die Schwagerehe schließen. Und der erste Sohn, den sie gebiert, soll gelten als der Sohn seines verstorbenen Bruders, damit dessen Name nicht ausgetilgt werde aus Israel. Gefällt es aber dem Mann nicht, seine Schwägerin zu nehmen, so soll sie, seine Schwägerin, hingehen ins Tor vor die Ältesten und sagen: Mein Schwager weigert sich, seinem Bruder seinen Namen zu erhalten in Israel, und will mich nicht ehelichen. Dann sollen ihn die Ältesten der Stadt zu sich rufen und mit ihm reden. Wenn er aber darauf besteht und spricht: Es gefällt mir nicht, sie zu nehmen -, so soll seine Schwägerin zu ihm treten vor den Ältesten und ihm den Schuh vom Fuß ziehen und ihm ins Gesicht speien und soll antworten und sprechen: So soll man tun einem jeden Mann , der seines Bruders Haus nicht bauen will! Und sein Name soll in Israel heißen «des Barfüßers Haus»."

Hieraus ist der verpflichtende Charakter des Levirates ersichtlich. Heute ist das Levirat noch teilweise bei mongolischen und turkischen Völkern verbreitet.

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