Leopold Obermayer

Leopold Obermayer (* 10. Mai 1892 in Würzburg; gest. 22. Februar 1943 im KZ Mauthausen) wurde als Jude und Homosexueller in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt.

Leben

Obermayer studierte Jura und Staatswissenschaften und promovierte 1918 an der Frankfurter Universität. In Würzburg erbte und betrieb er eine Weingroßhandlung. Er war gläubiger Jude und Schweizer Staatsbürger. Seine Homosexualität akzeptierte Obermayer nach anfänglichem Zögern und lebte sie offen und selbstbewusst.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten beschwerte sich Obermayer am 31. Oktober 1934 beim späteren Leiter der Würzburger Gestapo, Josef Gerum, über die Kontrolle seiner Post. Er wurde am gleichen Tag unter dem Vorwand der Spionage, der Verbindungen zur illegalen KPD und der Verbreitung von Gräuelnachrichten in Schutzhaft genommen. Bei Durchsuchungen fand die Polizei in Obermayers Banksafe homoerotische Aktfotos und beschlagnahmte den Briefwechsel mit seinem umfangreichen Freundes- und Bekanntenkreis. In der Folgezeit wurde gegen mindestens 68 weitere Personen Ermittlungen eingeleitet. Obermayer selber machte in den Verhören keine verwertbaren Aussagen.

Am 12. Januar 1935 wurde Obermayer in das KZ Dachau eingeliefert. Die folgenden 21 Monate waren für Obermayer eine Abfolge von Folter, Verhören, mangelnder Hygiene, unzureichender medizinischer Versorgung, ungenügender Ernährung und Beschimpfungen bis hin zu Todesdrohungen. Mindestens 6 Monate verbrachte er in einer kellerartigen Zelle, dem sogenannten Kommandanturarrest.

Bei einer kurzzeitigen Unterbrechung der Schutzhaft im Oktober 1935 wurde Obermayer 11 Monate nach seiner Verhaftung ein Haftbefehl wegen Vergehens gegen § 175 eröffnet. Das Schweizer Konsulat war von der Verhaftung Obermayers informiert, engagierte sich aber nur wenig für den homosexuellen Juden. Gestützt auf seine juristische Ausbildung verfasste Obermayer zahlreiche Beschwerden insbesondere über die Zustände im KZ Dachau, die jedoch bei der Zensur seiner Post aufgehalten wurden.

Am 13. Dezember 1936 wurde Obermayer vom Würzburger Landgericht zu 10 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust sowie anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Die erhaltene Gestapo-Akte über Obermayer lässt erhebliche Absprachen zwischen Gestapo und Justiz im Vorfeld des Prozesses erkennen. Das Gerichtsverfahren war begleitet von Berichten sowohl der Würzburger Lokalzeitungen als auch des Nürnberger Stürmers. Auch in Berlin erregte der Prozess Aufsehen: So führte Josef Meisinger, Leiter der Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung , in einer Rede Obermayer als prominentes Beispiel für die Notwendigkeit seiner Reichszentrale an.

Bis 1942 blieb Obermayer in den Zuchthäusern Amberg und Waldheim. Er gehörte zu den Häftlingen, die nach einer Vereinbarung zwischen dem neuen Reichsjustizminister Thierack und Himmler zur "Vernichtung durch Arbeit" in die Konzentrationslager überstellt wurden. Unter unbekannten Umständen fand Obermayer am 22. Februar 1943 im KZ Mauthausen den Tod.

Vor seinem Haus in der Würzburger Wolframstraße wurde am 17. Juli 2006 ein Stolperstein verlegt.

Literatur

Weblinks

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