Kinsey-Skala

Die Kinsey-Skala ist eine vom Sexualforscher Alfred Charles Kinsey aufgestellte Bewertung über die sexuelle Orientierung eines Menschen, ein Versuch diese komplexe Materie in einen einzelnen Zahlenwert zu erfassen. Sie wurde in den Kinsey-Reports 1948 und 1953 veröffentlicht.

Die Skala reicht von 0 bis 6, wobei 0 für ausschließlich heterosexuell und 6 für ausschließlich homosexuell steht. Dazwischen liegen verschiedene Formen bisexueller Erfahrungen, wobei 3 gleiche Anteile heterosexueller und homosexueller Erfahrungen bezeichnet. Außerdem sieht die Skala eine Kategorie X vor für diejenigen Individuen, die weder von Männern noch von Frauen sexuell erregt oder angezogen werden, die Asexuellen.

Die Einteilung erfolgt nicht nur nach sexuellen Handlungen, sondern auch nach psychischen Erfahrungen, was Kinsey in seinen Erläuterungen ausdrücklich betont.

So einige Forscher missachten diese Erklärungen und klassifizieren nur nach quantitativen Kriterien. So wird dann eine Person mit vor allem gleichgeschlechtlichen Phantasien und einem (zufälligen) gegengeschlechtlichen Sexualkontakt im letzten Jahr oder in den letzten 5 Jahren des öfteren als heterosexuell klassifiziert.

Entstehung, Hintergrund, Folgerungen

Schon 1941, bei einem Stand von 1600 Interviews, zeigte Kinsey anhand von 30 ausgewählten Fällen eine prozentual abgestufte Einteilung zwischen heterosexuellen und homosexuellen Verhalten. Er war vor das, bis heute sehr komplexe Problem gestellt, dass man nicht einfach in "heterosexuell" und "homosexuell" sowie "aktiven" und "passiven" Homosexuellen einteilen kann und dies einfach endokrinologisch erklären kann, sondern dass es bei beiden unendlich viele Zwischenstufen von vorhandenem Verhalten gibt. Manchmal ändert sich auch das Verhalten in verschiedenen Lebensabschnitten und manchmal existieren homosexuelles und heterosexuelles Verhalten auch zeitgleich in ein und demselben Lebensabschnitt. 1948 veröffentlichte er dann im Kinsey-Report seine zweite, vereinfachte Version. Er stellt dort aber auch gleichzeitig klar, dass es ihm nicht auf die Zahl der (willkürlich bestimmten) Untergruppen ankommt, sondern darauf den fließenden Übergang darzustellen.

Er sah keine Veranlassung mehr von "dem Homosexuellen" zu sprechen, wie er es sieben Jahre zuvor wenigstens noch ironisch tat.

Folgte man der Erklärung, so wurde auch klar, das die Frage nach der Anzahl von Homosexuellen in einer Population grundsätzlich nicht beantwortet werden konnte. Es war nur möglich anzugeben, wieviele Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt welchem Abschnitt der Kinsey - Skala zuzuordnen waren.

Einerseits war er mit seinen radikalen Ansichten seinen Zeitgenossen weit voraus und andererseits brauchte man für denn nötigen Befreiungskampf in der modernen Schwulenbewegung "homosexuelle Personen", die sich dann als große sozialpolitische "Minderheit" organisieren ließen. Bald stieß auch "die lesbische Frau " dazu und es wuchs eine neue gesellschaftliche Gruppe heran. Dies speiste sich aus sozialpolitischen Zwängen und nicht aus wissenschaftlichen Einsichten. "Der Homosexuelle" blieb eine nicht reale, aus Idealen zusammengesetzte Figur. Die homosexuelle Forschung wurde dann bald selbstkritischer und heute spricht man mehr von Diversität, von Offenheit, von Flexibilität.

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