Keuschheit

Keuschheit (keusch aus lat. conscius , "bewusst") ist die Bezeichnung für sexuelle Enthaltsamkeit. Im Allgemeinen wird darunter der freiwillige Verzicht auf sexuelle Handlungen verstanden. Das Ideal der gewollten und bewussten Keuschheit geht jedoch weiter.

In der Idealvorstellung bezeichnet Keuschheit das Verhalten einer der sinnlichen Inbrunst (Leidenschaft) durchaus fähigen Person, sich vermöge eines erworbenen Schamgefühls oder kraft eines bewussten Grundsatzes vor Sexuellem zu hüten, seien es auch nur Andeutungen anderer oder eigene Anwandlungen. In vielen Kulturen spielt die Keuschheit eine meist religiöse Rolle . Sie wird häufig speziell von jungen Menschen erwartet (siehe auch Jungfrau ).

Den Gegensatz zur Keuschheit, also die Unkeuschheit , bildet die Geilheit (Lüsternheit), die als Wollust (luxuria) in der christlichen Religion eine der sieben Todsünden darstellt.

Keuschheit in den Religionen

Christentum

Die christlichen Kirchen verstehen unter "Keuschheit" den bewussten freiwilligen Verzicht auf sexuelle Handlungen bei unverheirateten Partnern, und beim Ehepaar den Verzicht auf sexuelle Handlungen mit jemand anderem als dem Ehepartner. Sie wurde traditionell als christliche Tugend und moralische Anforderung aus dem 6. Gebot (Du sollst nicht ehebrechen ) abgeleitet.

Die christliche Ehe gilt nach dem Apostel Paulus als brauchbare Gemeinschaft für die Menschen, die dem sexuellen Drang nicht standhalten können.

Promiskuität und Ehebruch werden bis heute von allen christlichen Kirchen abgelehnt. Vorehelicher Geschlechtsverkehr oder Partnerschaft Unverheirateter wird heute bei vielen Mainstream-Kirchen toleriert (nicht unbedingt bei Geistlichen), aber als Abweichung vom Ideal der Ehe angesehen.

In neueren Bibelübersetzungen wird der Begriff häufig mit "Selbstbeherrschung" wiedergegeben.

Römisch-katholische Kirche

Die römisch-katholische Kirche setzt Keuschheit nicht mit Enthaltsamkeit gleich. Enthaltsamkeit außerhalb der Ehe ist zwar eine Voraussetzung für Keuschheit, aber "Keuschheit bedeutet die geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person und folglich die innere Einheit des Menschen in seinem leiblichen und geistigen Sein. Die Geschlechtlichkeit, in der sich zeigt, daß der Mensch auch der körperlichen und biologischen Welt angehört, wird persönlich und wahrhaft menschlich, wenn sie in die Beziehung von Person zu Person, in die vollständige und zeitlich unbegrenzte wechselseitige Hingabe von Mann und Frau eingegliedert ist. Die Tugend der Keuschheit wahrt somit zugleich die Unversehrtheit der Person und die Ganzheit der Hingabe." Die in Beziehung und in die gegenseitige Hingabe der Ehepartner eingebettete Sexualität ist von daher nicht Unkeuschheit sondern sogar wünschenswert.

Im kirchlichen Zölibat (der Verpflichtung zur Ehelosigkeit von Klerikern) und in Lebensformen nach den Evangelischen Räten (Versprechen der Ehelosigkeit durch Gelübde) geht es bei Keuschheit nicht nur den Verzicht auf die Ehe und auf alle sexuellen Handlungen und der Hingabe an sexuelle Fantasien (Keuschheit der Gedanken, vgl. dazu Jesu Aussagen über den Ehebruch in der Bergpredigt (Wer eine Frau anschaut, ihrer zu begehren, ... ), sondern um letztlich eine persönliche Freiheit, die keinen Zwängen des eigenen Trieblebens unterworfen ist. Keuschheit wird dabei als eine lebenslängliche persönliche und kulturelle Aufgabe gesehen, die persönliches Wachstum, Bildung und Achtung der Menschenrechte voraussetzt.

Evangelikale Bewegung

Anfang der 1990er Jahre entstand in den USA in evangelikalen Kreisen die Jugendbewegung "True Love Waits ", die für Enthaltsamkeit bis zur Ehe eintritt. Daraus entwickelte sich eine internationale Jugendbewegung, die auch im deutschen Sprachraum unter dem Namen "Wahre Liebe Wartet" vertreten ist.

Islam

Eine wichtige Aussage des Koran findet sich in Sure 17:32: Und nahet nicht dem Ehebruch ... . Darüber hinaus empfiehlt der Islam, jeden unnötigen Kontakt zwischen den Geschlechtern zu vermeiden. Männer werden dazu aufgefordert, ihre Blicke zu Boden zu schlagen (Sure 24:30). Sie sollen sich ebenso keusch wie die Frauen verhalten (Sure 33:35).

Lebenslange Enthaltsamkeit wird im Islam aber abgelehnt, da (nach einem Hadith) die Ehe der halbe Glauben ist und der Koran das Mönchstum ablehnt (Sure 57:27).

Im Islam ist unter anderem das Kopftuch (oder auch der Schleier) ein symbolisches äußeres Zeichen für den freiwilligen Verzicht auf sexuelle Handlungen zwischen unverheirateten Partnern/Verlobten und beim Ehepaar für den Verzicht auf sexuelle Handlungen mit jemand anderem als dem Ehepartner (siehe auch Treue). Sozialer Hintergrund ist, dass das entblößte Haupthaar in diesen (wie auch in vielen anderen historischen und gegenwärtigen) Gesellschaften als sinnlicher (sexueller) Reiz empfunden wird. (Vgl. dazu den Habit christlicher Nonnen.)

Keuschheit und Gesundheit

Kontroversen um Keuschheit

"Keuschheit" in der BDSM-Szene

Zitate

Siehe auch

Weblinks

Verwandte Themen

Index: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Keuschheit" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Keuschheit&action=history