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Zurück zum Haupttext "Keuschheit" Kontroversen um KeuschheitKeuschheit, Sitte und IdeologieWird "Keuschheit" zu einer moralpolitischen Forderung nach "Sittlichkeit" erhoben, so kollidiert dies mit der Idealvorstellung einer unwillkürlichen und vorbewussten Keuschheit und sie wird erfolgreichen Falls zu einer gängigen "Sitte". Diese ist daran erkennbar, dass ganz gewisse Haltungen gegenüber Anderen (z. B. das Augensenken, die Verschleierung) zur Vorschrift gemacht werden. Eine solche Moralpolitik kann auch extreme Formen, wie zum Beispiel die Verstümmelung weiblicher Genitalien, annehmen. Geraten Sitten sexueller Zurückhaltung ihrerseits in einen Parteienstreit, etwa als symbolische Muster, so wird "Keuschheit" leicht zu einer bloßen Ideologie, z. B. im gegenwärtigen "Kopftuchstreit" in Frankreich, Deutschland oder der Türkei seit der Jahrtausendwende. Keuschheit anstatt Verhütung und Safer SexLaut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln setze diese Behörde "nicht darauf, den Jugendlichen Enthaltsamkeit zu empfehlen", erklärt Elisabeth Pott (Direktorin der BZgA). Einige christliche Kirchen und Organisationen hingegen sehen Keuschheit als alleiniges Mittel gegen ungewollte Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten, da sie entweder, wie die römisch-katholische Kirche, Empfängnisverhütung prinzipiell ablehnen oder aber im Propagieren von Kondomen eine verkappte Aufforderung zur Promiskuität sehen. In den USA werden seit 1996 Sexualaufklärungsprogramme vom Staat gefördert, die sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe betonen, wodurch sowohl die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten als auch Teenagerschwangerschaften mit dem dazugehörigen Armutsrisiko verhindert werden sollen (Keuschheitsbewegung). Bezüglich der Wirksamkeit dieser Programme kommen verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen: Brückner und Bearman kamen zu dem Schluss, dass Abstinenzerziehung im Primarschulalter keinen Einfluss auf die Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten habe, Santelli et al. kamen hingegen zu dem Ergebnis, dass die Abstinenz im Hinblick auf den Rückgang von Teenager-Schwangerschaften eine ebenso grosse Rolle spiele wie Empfängnisverhütung.. Gegner dieser Programme vertreten die Ansicht, dass die Jugendlichen dabei zu wenig Informationen über Empfängnisverhütung und sexuell übertragbare Krankheiten erhalten. Auch würde dabei zu wenig Rücksicht auf sexuell aktive und homosexuelle Jugendliche genommen. Weitere Bedenken betreffen Drittweltländer und die Aids-Prävention. Bereits auf der Internationalen Aids-Konferenz 2006 hatten Fachleute berichtet, dass Abstinence-only-Programme in Entwicklungsländern oder den USA kaum Wirkung zeigen. Ähnliche Themen:
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