Justine

"Justine oder vom Missgeschick der Tugend" (franz. Originaltitel : Justine ou les Malheurs de la vertu) ist ein Roman des Schriftstellers Marquis de Sade, 1787 während seiner Inhaftierung in der Bastille verfasst.

Justine und Juliette sind die Töchter eines bankrott gegangenen Kaufmanns. Nach dem Tod der nahezu mittellosen Mutter beschließt Juliette, als Prostituierte ins Bordell zu gehen, verübt eine Reihe von Verbrechen, erwirbt Reichtum und wird glücklich. Justine hingegen wählt den Weg der Tugend, erlebt hierbei eine Reihe von Abenteuern und Missgeschicken und wird fortwährend Verfolgungen und Erniedrigungen ausgesetzt, bis sie - wegen Mordes und Brandstiftung unter Anklage stehend - wieder ihre Schwester trifft, der sie ihr Lebensschicksal erzählt, bevor sie in einem Gewitter vom Blitz erschlagen wird.

De Sade bearbeitete sein Werk mehrfach, und es liegt nunmehr in drei Fassungen vor. Die 2. Fassung ist Marie-Constance Quesnet, de Sades zeitweiliger Lebensgefährtin gewidmet.

Die wichtigsten Episoden der Urfassung

  1. Justine erhält von dem Sadisten Dubourg das Angebot, sich gegen Entgelt regelmäßig peitschen zu lassen, was sie ablehnt.
  2. Du Harpin, ein unerträglicher Geizhals, der Justine vergeblich überreden wollte, für ihn zu stehlen, zeigt seinerseits Justine verleumderisch des Diebstahls an, um sie ins Gefängnis zu bringen.
  3. Die Freunde der Verbrecherin Dubois, mit der Justine aus dem Gefängnis flieht, beschließen Justine zu vergewaltigen, weil sie nicht ihre Komplizin werden will.
  4. Der homosexuelle Marquis Bressac peitscht Justine bis aufs Blut, weil sie sich weigert, seine gehasste Mutter zu vergiften.
  5. Justine wird von dem Chirurgen Rodin gebrandmarkt und ihr werden zwei Zehen abgeschnitten, nachdem sie einem Kind die Flucht ermöglicht hat, das zu anatomischen Studien getötet und aufgeschnitten werden sollte.
  6. Justine, die in einem Kloster die christlichen Sakramente empfangen wollte, wird von vier Mönchen gefangen, um mit ihr als Sexsklavin perverse und exzentrische Orgien zu feiern.
  7. Justine wird von einer Frau bestohlen, der sie ein Almosen geben wollte.
  8. Ein Falschmünzer, den Justine vor einer Straftat gegen ihn bewahrt hat, lockt sie auf ein Schloss, um sie dort wie ein Tier schuften zu lassen.
  9. Eine Mutter macht Justine den Prozess, nachdem Justine deren Kind während eines Hotelbrandes vergeblich zu retten versucht hat.

Moralische Botschaft

De Sade ordnete den einzelnen Episoden charakteristische Tugenden zu wie Schamhaftigkeit, Ehrlichkeit, Grauen vor Untat, Keuschheit , Frömmigkeit, Mildtätigkeit, Mitleid, Vorsicht, Güte und Wahrheitsliebe . Die handelnden Personen sind Charaktermasken des Bösen oder des Guten.

Die sinnfällige Moral der Geschichte ist die konsequente Belohnung der Verbrecher für ihre Schandtaten und die Entlarvung der Unnatürlichkeit des Guten. Der homosexuelle Muttermörder Bressac erbt ein Vermögen, der mörderische Chirurg wird Leibarzt des Schwedenkönigs, der Abt wird im Anschluss an sein orgiastisches Klosterleben in Rom zum Ordensgeneral ernannt. Der Falschmünzer wird vermögend, die verdorbene Schwester Juliette wird reich; Justine hingegen wird für ihre Tugendhaftigkeit von der Natur im Blitz ausgelöscht.

Der Autor, in dessen Romanen eine stattliche Anzahl von Schurken einen geradewegs missionarischen Eifer an den Tag legt, die Welt mit ihrer wollüstigen und perversen Weltauffassung und Ideologie zu verderben, kam im realen Leben weit schlechter weg, als seine imaginären Verbrecherhelden. Der wirtschaftliche Erfolg seiner Schriftstellerkarriere war gering, stattdessen wurde er wegen der Veröffentlichung der "Justine" sowie des nachfolgenden Romans mit dem Titel "Juliette" seiner Freiheit beraubt und in die Irrenanstalt gesteckt. Auch dem Verleger der Erstveröffentlichung des Romans, Girouard, ging es nicht besser, er wurde bereits 1794 guillotiniert.

Die drei Fassungen des Werks

111 Notizen zur "Neuen Justine"

Zitat

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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