Inzest

Inzest (auch Blutschande) bezeichnet den Geschlechtsverkehr zwischen nahen Verwandten. In den meisten Kulturkreisen besteht ein Inzesttabu . Der Begriff ist abzugrenzen von der Inzucht, welches in der Tier- und Pflanzenzucht als ein gebräuchliches Verfahren zur Stabilisierung bestimmter Merkmale angewendet wird. Die früher verbreiteten Eheschließungen unter nahen Verwandten im europäischen Hochadel oder in abgelegenen, ländlichen Gegenden wird ebenfalls nicht als Inzest, sondern als "soziale Inzucht" bezeichnet.

Aus dem Blickwinkel der meistverbreiteten Religionen - des Buddhismus', des Christentums und des Islams - gilt Geschlechtsverkehr mit Verwandten als sündhaft. In der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich wird Geschlechtsverkehr zwischen nahen Verwandten mit der Beteiligung einer volljährigen Person strafrechtlich verfolgt.

Geschlechtliche Beziehungen zwischen Vettern und Kusinen

Geschlechtliche Beziehungen zwischen Cousins und Cousinen ersten Grades (gemeinsame Großeltern) werden in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich bewertet, so ist eine Vetternehe beispielsweise in den meisten US-Bundesstaaten, Korea, den Philippinen und in vielen Balkan-Ländern verboten und gesellschaftlich tabuisiert, während sie vor allem im Kulturgebiet des Islams, also in Nordafrika, im orientalischen Raum und in Südasien als bevorzugte Form der Heirat gilt. Siehe hierzu auch Bint ?amm . In manchen Gesellschaften gilt auch der Geschlechtsverkehr zwischen verschwägerten Personen als Inzest. Für entfernte Verwandte wie beispielsweise Vetter und Kusine zweiten Grades (gemeinsame Urgroßeltern) besteht in keinem Land ein Ehehindernis.

Geschichtliches

In Europa war die Vetternehe zwischen Angehörigen des Hochadels und vor allem regierender Dynastien bis ins 20. Jahrhundert hinein mehr Regel als Ausnahme. Fast jede königliche oder prinzliche Ehe wurde zwischen Cousins und Cousinen 2. oder höheren Grades geschlossen; aber auch Verbindungen zwischen Cousins und Cousinen 1. Grades kommen in allen Herrscherhäusern, vor allem aber im Haus Habsburg, überdurchschnittlich oft vor. Ein prominentes Beispiel ist die Verheiratung der Erzherzöge Franz (nachmals Kaiser Franz II./I.) und Ferdinand sowie der Erzherzogin Maria Klementine von Österreich mit den Prinzessinnen Maria Theresa und Maria Luisa sowie dem Kronprinzen Franz von Neapel-Sizilien gegen Ende des 18. Jahrhundert. Diese Paare waren jeweils sogar zweifach Cousins und Cousinen 1. Grades, nämlich durch die doppelte Schwägerschaft ihrer Eltern Kaiser Leopold II. und Maria Ludovica von Spanien sowie König Ferdinand I. von Neapel-Sizilien (geborener Prinz von Spanien) und Maria Karolina von Österreich: Die Ehefrau des einen war jeweils die Schwester des anderen Mannes, so dass z.B. Franz mit Maria Theresa die Tochter seines Onkels mütterlicherseits und seiner Tante väterlicherseits heiratete. Dieses Beispiel zeigt indessen auch die erbgesundheitlichen Gefahren der Vetternehe einleuchtend auf: Der älteste Sohn von Franz und Maria Theresa, der spätere Kaiser Ferdinand I. von Österreich, litt an Geistesschwäche und Epilepsie und war unfähig, die Regierung auszuüben.

Frühgeschichtliche und mythische Inzestgebote

Charakteristiken eines Tabus

Geschichtliches

Rechtslage

Biologische Aspekte

Inzest in der Literatur

Film und Fernsehen

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Verwandte Themen

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