HomophobieHomophobie (von griech. homós : gleich; phóbos : Angst, Phobie) bezeichnet hauptsächlich eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. . Abweichend dazu wird Homophobie von manchen auch nur als die Angst vor Homosexualität bezeichnet. Homophobie wird in den Sozialwissenschaften zusammen mit Phänomenen wie Rassismus, Xenophobie oder Sexismus unter den Begriff "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" gefasst und ist keine Krankheit im pathologischen Sinn. Phänomenbeschreibung und ErklärungsmodellHomophobie ist eine Form kollektiver Angst in kulturellen Gesellschaften und Gruppierungen, die ihr durch strikte Geschlechtsunterscheidungen und starre Rollenverteilungen geprägtes Weltbild durch gleichgeschlechtliche Empfindungen und Verhaltensweisen bedroht sehen. Da ein Teil der Menschen (nach zahlreichen statistischen Untersuchungen zwischen 5 und 10 %) aufgrund ihrer psychosexuellen Veranlagung, die nach heutiger Erkenntnis schon in der Embryonalentwicklung dauerhaft angelegt wird, diesen Rollenerwartungen nicht entsprechen kann, richtet sich die Homophobie in Form von Hass und Aggression gegen diese Minderheit mit dem Ziel ihrer Beseitigung. Diese Tendenz kann sich in unterschiedlichster Form gegenüber den Normabweichlern äußern: in Verächtlichmachung, Ekel und sozialer und beruflicher Ausgrenzung, in dem Ruf nach Bestrafung oder Umerziehung, in der Suche nach Verhinderungsmethoden (z. B. hormonelle Behandlung von Schwangeren, siehe Günter Dörner ) oder therapeutische Behandlung (versch. Psychotherapien, Elektroschocktherapie usw.) bis hin zur Tötung (Hexerverfolgung im Mittelalter, Vernichtung durch Arbeit im Dritten Reich, Hinrichtungen in verschiedenen arabischen Ländern, Fememorde auch in Deutschland). Homophobie wird so zum dauerhaften gesellschaftlichen Problem, dem nur durch Antidiskriminierungsgesetze und permanente Aufklärung, vor allem in den Schulen, wirksam entgegengesteuert werden kann. Zum individuellen Problem wird die Homophobie insofern, als sie sich gegen die in fast jedem Menschen (in unterschiedlicher Stärke)vorhandenen gegengeschlechtlichen Anteile (siehe Kinsey-Skala ) richtet, und ein stark homophob geprägtes Individuum zur Abspaltung dieser Anteile und ihrer Verdrängung ins Unbewusste und/oder zur Projektion auf andere zwingt. Gelingt das nur teileise oder gar nicht, entsteht Selbsthass, der sich zerstörerisch gegen die eigene Person richtet, aber auch Hassreaktionen gegen andere auslösen kann, die gleichgeschlechtliches Verlangen in dem Individuum auslösen. Die gesellschaftliche Homophobie wird besonders gefährlich dadurch, dass der Abscheu vor gleichgeschlechtlichen Empfindungen unter ihrem Einfluss von den Kindern schon vor der Pubertät verinnerlicht und mehr oder weniger fester Bestandteil ihrer Persönlichkeitsstruktur wird. Mit dem Erwachen der genitalen Sexualität in der Pubertät sind diese Kinder und Jugendlichen zur Aufrechterhaltung ihres Selbstwertgefühls sich durch immer stärkere homophobe Abwehrmechanismen vor den eigenen Gefühlen zu schützen, was wiederum Hassprojektionen in verschiedene Richtungen (nicht nur gegen Homosexuelle) auslöst und bis zu einzeln oder kollektiv begangenen Gewaltexzessen (zum Beispiel "Schwulenklatschen") oder gar zu Tötungshandlungen führen kann. Ist der eigene gleichgeschlechtliche Triebanteil eines homophob geprägten Individuums so stark, dass ihm die Abwehrmechanismen nicht standhalten, kann es (besonders unter dem Einfluss religiöser Schuldgefühle) zu Autoaggressionshandlungen wie genitale Selbstverstümmelungen und Selbstmord kommen, was in unserem Kulturkreis glücklicherweise selten geworden ist. Da pubertierende Jugendliche ihre Identitätssuche an den Rollenerwartungen ihrer jeweiligen Peergtoups und ihre sozialen Umfeldes und an der veröffentlichten Meinung in den von ihnen bevorzugten Medien ausrichten und diesen noch keine selbstbestimmten Werte entgegensetzen können, sind sie homophoben Einflüssen besonders schutzlos ausgeliefert. Besonders gefährdet, homophoben Einflüssen und Vorurteilen zu erliegen, sind derzeit in der Bundesrepublik Jugendliche mit Migrationshintergrund aus Kulturkreisen mit stark religiös fundierter Homophobie. Die ausgeprägte Homophobie in verschiedenen Religionen (zum Beispiel orthodoxes Judentum, Islam, konservatives, insbesondere alttestamentarisch orientiertes Christentum), gründet sich nur vordergründig auf Aussagen in deren heiligen Schriften (diese sind in der Regel auch anders auslegbar), sondern vor allem auf traditionelle patriarchale Strukturen und den Interessen an deren Aufrechterhaltung und religiöser Verinnerlichung. Die eigentlichen Wurzeln der religiösen Homophobien in diesen Religionen lassen sich historisch auf die Abwehr anderer ("heidnischer") Religionen und Völkerschaften zurückführen, bei deren Kulten heilige homosexuelle Handlungen (zum Beispiel bei Tempelprostitution und Fruchtbarkeitszauber) üblich waren, oder Homosexuelle als besonders geeignet für die Priesterfunktion (zum Beispiel als Schamanen) galten. Der Vorwurf der Homosexualität diente in den christlichen Kirchen auch der "Verketzerung" von missliebigen Sekten (zum Beispiel der Albingenser und der Adamiten) sowie machtpolitischen Zielen (zum Beispiel bei der Ausschaltung des mächtigen Ritterordens der Templer und beim zeitweiligen Verbot der Jesuiten). Die religiöse Homophobie ist also auch auf kollektive Ängste zurückzuführen, zeigt aber auch, dass die so verankerte Homophobie ihre ursprünglichen angstauslösenden Ursachen über Jahrhunderte überdauern kann. DefinitionEtymologieAusprägungen und Häufigkeit von HomophobieHomophobe VorurteileDiskriminierung von (männlicher) HomosexualitätUrsachen von HomophobieHomophobie im ProfifußballEntschließung des Europäischen Parlaments zu HomophobieAbgrenzung gegenüber anderen BegriffenLiteraturSiehe auchWeblinksVerwandte ThemenIndex: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Homophobie" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Homophobie&action=history
|
|