Herbert Rittlinger

Herbert Rittlinger (* 26. Dezember 1909 in Leipzig; gest. 12. Juni 1978 in Oed am Rain im Chiemgau) war ein deutscher Schriftsteller, Forschungsreisender und Pionier des Kanuwandersports.

Herbert Rittlinger wurde in Leipzig geboren. Verheiratet war er mit Marianne Rittlinger ("Aveckle"), die auch viele seiner Publikationen mit ihren Zeichnungen illustrierte. Sie begleitete ihn auf manchen (Faltboot-) Fahrten, ebenso auch ihre gemeinsame Tochter Judith. In den Jahren von 1940 bis 1945 war er bei der deutschen Abwehr (Nachrichtendienst). Er lebte mit seiner Familie nach dem 2. Weltkrieg im Chiemgau (Obing - Seeon - Oed am Rain/Frasdorf).

Herbert Rittlinger verfasste Reisebeschreibungen, Romane und Sachbücher. Anders als sein sächsischer Landsmann Karl May schrieb er seine Bücher aus Selbsterlebtem. Egon H. Schleinitz bezeichnete in der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" Rittlinger anlässlich seines Romans "Sieben Schiffe oder Die Große Sehnsucht" 1950 als den "Dichter im Paddelboot".

Der Künstler wurde nicht nur durch seine schriftstellerische Tätigkeit bekannt. Ebensolche Popularität genießt sein fotografisches Werk. Er befasste sich mit der Aktfotografie im Sinn des Naturismus . Dazu Autor mehrerer Fotolehrbücher und Bildbände. Außerdem über Jahre Verfasser einer monatlichen Kolumne zum Thema «Aktfotografie» im fotomagazin . Von 1963 bis zu seinem Tod war er Mitglied der DGPh (Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V.). Vor allem befasste er sich fotografisch und schriftstellerisch mit dem Thema Wassersport.

In vielen seiner Büchern trat er engagiert für die Freikörperkultur (FKK ) ein, auch in den eher prüden fünfziger Jahren. Zu dem damals anrüchigen Begriff "Nacktkultur " schrieb Rittlinger schon 1950 u. a.:

Aber diesen schönen Ausdruck auf die sehr simple, sehr natürliche und am passenden Ort ziemlich häufig geübte Nacktbaderei anzuwenden, oder auch auf die ehrlichen Freikörperkultur-Bünde (viele ihrer Mitglieder sind nicht von ungefähr Kanuten!) mit ihrer [...] freien und sportlich-sauberen Atmosphäre - ist unhöflich und zeugt bestenfalls von grober Unwissenheit. Nur - die Obszönität des Spießers ist ganz und gar nicht mehr "unhöflich" sondern tückisch! Auch "Freikörperkultur " (FKK ) ist kein glückliches Wortgebilde. Aber es hat sich aus der Distanzierung zu allen spekulativen Machenschaften behauptet und eingebürgert. Vom ordentlichen Sportkleid über Petrarca bis hierher ist der Sprung nicht gar so groß: Unsere Gestade der Sonne fordern auch zur letzten körperlichen Freiheit auf. Was das Geschenk der Nacktheit in Luft und Sonne gerade für die Frau bedeutet, die drei Viertel ihres Körpers auch beim Sport der lebensnotwendigen Forderung "Lasst Luft ans Fell" entzieht, wird diese selbst am besten zu würdigen wissen. Unterm Dickicht enger und herkömmlicher Konvention haben die meisten Menschen zum Glück genug Sauberkeit der Empfindung, um an frischer Natürlichkeit ihre Freude zu haben. Angesichts ehrwürdiger, verträumter Moselstädtchen, oder unter den spähend belustigten oder gar bösen Blicken biederer Landbevölkerung verbietet sich jede unbeabsichtigte Herausforderung strikt und schon aus Gründen des [guten...] Geschmacks. Wer jedoch in einsamer Gegend, unter gleichgestimmten Kameraden oder gar am Meer nicht auf den Badeanzug als letzten Zivilisationsrest verzichten kann, ist schließlich ein "Barbar"! Aus: "Die neue Schule des Kanusports. Fluß-Meer-Wildwasser-Freiluftleben", S.295.''

Die idealen Möglichkeiten, den Kanusport mit dem Naturismus zu verbinden, schilderten Herbert Rittlingers Text- und Bildbeiträge in den "Sonnenfreunden" (Offizielles Organ des Deutschen Bundes für Freikörperkultur -DFK-, Richard Danehl`s Verlag, Hamburg) und im Magazin "HELIOS" (Unabhängige Monatsschrift für naturnahe Lebenskultur, Lauf bei Nürnberg). So auch die von Rittlinger verfassten und bebilderten Sonderhefte: "Dalmatinischer Sommer", "Wir zogen nach Friaul" und "Sonnenfahrt in die Provence" aus diesen damals führenden FKK-Verlagen. Der mit Rittlinger befreundete Hajo Ortil , Studienrat eines Bremer Gymnasiums, berichtete in diesen Publikationen ebenfalls über die Kanusportaktivitäten der von ihm gegründeten Jungen- und Mädchen-Sportgruppe "Hansische Fluss- und Seepiraten".

Weil das sogenannte "Schmutz- und Schundgesetz" ohne Einzelfallprüfung und ohne Indizierung (lt.§ 6 Abs. 2 gültig vom 9. Juni 1953 bis 23. November 1973) "Schriften die mit Bild für Nacktkultur werben" als offensichtlich schwer jugendgefährdend einstufte, durften diese Publikationen Jugendlichen unter 18 Jahren lange Zeit nicht zugänglich gemacht werden.

Das Münchner Stadtmuseum veranstaltete 1985 die Ausstellung "Das Aktfoto". Später war sie als Wanderausstellung in weiteren Städten zu sehen. Sie dokumentierte Geschichte, Ästhetik und Ideologie von 150 Jahren Aktfotografie. Unter den ausgestellten Bildern waren auch Arbeiten von Rittlinger. Im umfangreichen Ausstellungskatalog (Verlag C.J. Bucher, München und Luzern) befinden sich Kurzbiografien der wichtigsten Fotografen. Herbert Rittlinger wird darin als "...Schriftsteller, Fotograf, Fachjournalist und bedeutender Vertreter der Körperkulturbewegung nach dem Krieg..." bezeichnet.

Im Kapitel "Aktfotos aus Amateurhand. Skizzen einer historischen Bestandsaufnahme" (Seiten 368 bis 389) werden ausführlich Rittlingers Aktfotobücher besprochen:

Wollte sich jedoch der Amateur tiefergehend informieren und auch technische Kenntnisse erwerben, konnte er auf Herbert Rittlingers «Das Aktfoto» zurückgreifen. Es steht dem Buch gut an, daß der Autor zur Illustrierung auf bewährte Namen zurückgreift, die wir schon kennen: Willy Zielke, Fritz Henle, Ferenc Berko. Andere kommen hinzu: Bernd Jansen, Marta Hoepffner, H. Heidersberger, Ludwig Windstoßer, H. Hajek-Halke und andere. Der Text erläutert klar und ohne Ausflüge in die persönliche Anekdote alle Probleme der Aktfotografie
In seinem ersten Kapitel «über den nackten Menschen» beginnt er bei der berühmten «Venus von Willendorf» und behandelt anschließend die Einschätzung der «starken Realistik» der Fotografie in ihrem Verhältnis zur Malerei. Der Autor verfolgt die Geschichte der Aktfotografie von der Idealisierung im 19. Jahrhundert über die Impulse der «neuen Sachlichkeit» bis hin zu Steinerts Begriff der «subjektiven Fotografie». Auf der Suche nach geeigneten Modellen rät er dem Amateur, sie auf den Geländen der Freikörperkultur zu suchen, wenn sich nicht die eigene Freundin oder Frau bereitfindet. Rittlinger beschreibt den Umgang mit Modellen, sagt auch, wie männliche beschaffen sein sollen, und ........ Eingehend beschreibt er den Akt in der Landschaft und .....

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) erinnerte in seiner Hörfunkreihe "Zeitzeichen" am 12. Juni 1988 an den 10. Todestag von Herbert Rittlinger. In diesem Tondokument war Rittlinger über seine Expedition zu den Lacandonen, den letzten Nachkommen der Maya in Mexiko persönlich zu hören.

Zum 20. Todestag von Herbert Rittlinger schrieb Thomas Theisinger 1998 im "Kanusport" (Offizielle Zeitschrift des Deutschen Kanuverbandes -DKV- 7/98, Seiten 302 bis 305) einen Nachruf mit der Überschrift: "... denn er fehlt uns schon seit 20 Jahren" .

Vom 20. Mai bis 25. Juni 2006 präsentierte der Museums- und Heimatverein Altomünster im Forum des Museums die Ausstellung "Akt in der Landschaft" . Sie zeigte Fotografien von Herbert Rittlinger und Ölbilder von Judith Steinbacher. Vater und Tochter haben den weiblichen Akt in der Landschaft als gemeinsames Thema. Die Ölbilder sind farbige Impressionen der schwarz-weißen Fotos der 40/50er Jahre.

Herbert Rittlinger ist im Jahr 2006 in die "International Whitewater Hall of Fame" aufgenommen worden. International Whitewater Hall of Fame is dedicated to recognizing and honoring those individuals who have made significant accomplishments in and contributions to whitewater sports.

Die offizielle Zeremonie für die Aufnahme in die "Ruhmeshalle" fand im Beisein seiner Tochter Judith Steinbacher-Rittlinger am 20. Oktober 2006 in McHenry, Maryland U.S.A. statt. Textauszug der Internetseite: ".......Herbert Rittlinger's award, Category: Pioneer; daughter Judith Steinbacher, recalled her father's explorations beginning in the 1920's in Europe and later expanding globally including his solo first descent of the Amazon from the Andes to the ocean in the 1930's. ...." Begründung für die Nominierung (Originalauszug: ".....Herbert was an explorer, pioneer and advocate for whitewater as well as paddlesports in general. As an author, his first big success was a book about his solo journey down the Amazon, Ganz allein zum Amazonas. His travels took him to rivers in China, Japan, Australia, and Greece, South America and Africa, paddling both whitewater and "flat" water. His writings about those travels brought him considerable fame beyond his own country's borders, serving as an early advocate for all paddlesports........"

Literatur

Weblinks

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