Helene Stöcker

Helene Stöcker (* 13. November 1869 in Wuppertal; gest. 24. Februar 1943 in New York) war eine deutsche Frauenrechtlerin und Publizistin. Sie gründete 1905 den Bund für Mutterschutz (später ab 1908 Deutscher Bund für Mutterschutz und Sexualreform ), der sich für unverheiratete Mütter und ihre Kinder einsetzte.

Kaum volljährig verließ Helene Stöcker 1889 ihr puritanisches Elternhaus und zog nach Berlin, wo sie sich der erstarkenden Frauenbewegung anschloss und sich insbesondere für das Frauenstudium einsetzte. Seit 1890 beschäftigte sie sich mit den Werken von Nietzsche und teilte manche seiner radikalen Ansichten über den Staat, die Kirche und die herrschenden Moralvorstellungen. Bestärkt wurde sie darin von Alexander Tille, einem vehementen Verfechter des Sozialdarwinismus, mit dem sie seit 1897 für einige Jahre eng befreundet war.

1896 nahm sie in Berlin ihr Studium der Germanistik, Philosophie und Sozialwissenschaft auf. Frauen waren an deutschen Universitäten damals nur als Gasthörer und auf persönliche Erlaubnis durch den Dozenten zugelassen und konnten keinen Abschluss machen. Stöcker hörte Vorlesungen unter anderem bei Erich Schmidt und Wilhelm Dilthey. Von dem Historiker Heinrich von Treitschke erzählt sie später, er habe auf ihre Bitte, seine Vorlesungen hören zu dürfen, geantwortet: "Die deutschen Universitäten sind seit einem halben Jahrtausend für Männer bestimmt, und ich will nicht helfen, sie zu zerstören." Nach einem Studienaufenthalt in Glasgow promovierte Stöcker 1901 an der Universität Bern in der Schweiz zum Dr. phil.

Helene Stöcker setzte sich aktiv für die sexuelle Befreiung der Frauen ein. In ihrer Zeitschrift Die neue Generation forderte sie eine "neue Ethik" und dass Frauen ihre Sexualität auch außerhalb der Ehe frei leben dürften. Stöcker plädierte des Weiteren für die Straffreiheit der Abtreibung und der männlichen Homosexualität .

In ihrem Bund für Mutterschutz und Sexualreform wurde nicht nur "gefallenen Mädchen" geholfen, sondern auch aktiv Sexualaufklärung betrieben und Fragen zur Verhütung und Sexualhygiene beantwortet.

Ihre liberale Einstellung gegenüber der Sexualität und der Homosexualität war vielen Frauenrechtlerinnen der damaligen Zeit zu radikal. Trotzdem schaffte sie es, dass die Forderung nach der Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die eigene Sexualität auf die Tagesordnung der großen Frauenorganisationen kam.

Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges und während der Zeit der Weimarer Republik verschob sich das Interessengebiet Helene Stöckers und sie wurde in der Friedensbewegung aktiv. Helene Stöcker war Mitglied im Bund der Kriegsdienstgegner (BdK).

Gemeinsam mit Kees Boeke und Wilfred Wellock wurde 1921 in Bilthoven die War Resisters International (WRI) vorerst unter dem Namen PACO gegründet.

Als die Nazis die Macht in Deutschland übernahmen, floh sie über die Schweiz und Schweden in die Vereinigten Staaten, wo sie 1943 völlig mittellos an Krebs verstarb.

Bücher und Schriften

Literatur

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