Harden-Eulenburg-Affäre

Die Harden-Eulenburg-Affäre , oder einfach Eulenburg-Affäre , war die Kontroverse um eine Reihe von Kriegsgerichts- und fünf regulären Verfahren wegen homosexuellen Verhaltens und den gegen diese Vorwürfe geführten Verleumdungsklagen. Betroffen waren prominente Mitglieder des Kabinettes von Kaiser Wilhelm II. in den Jahren 1907 bis 1909. Die Affäre wird auch als der größte Skandal des zweiten deutschen Kaiserreiches bezeichnet. Obwohl sie sich im Grunde nur um den Streit zwischen Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld und dem Journalisten Maximilian Harden drehte, reichten die Anschuldigungen und Gegenanschuldigungen aus, dass sich die Affäre schnell ausbreitete und dazu führte, dass der Begriff "Liebenberger Kreis " benutzt wurde, um den homoerotischen Zirkel um Kaiser Wilhelm II. zu beschreiben.

Die Artikel in der Zeitschrift Die Zukunft

Am 6. April 1906 veröffentliche Maximilian Harden in seiner Zeitschrift einen Leitartikel mit der Überschrift Wilhelm der Friedliche . In diesem Leitartikel vertrat er die Ansicht, dass die Reichsleitung unter anderem die Linie ihrer Politik nicht durchsetzen konnte, weil die Repräsentanten des Landes - darunter vor allem Wilhelm II. - den anderen Ländern zu oft und zu heftig versichert hätten, dass man nur friedliche Absichten habe. Seine publizistischen Attacken verschärfte Harden deutlich, als kurz nach dem Scheitern der Algeciras-Konferenz - die die politische Isolation des Deutschen Reiches manifestierte - bei einer privaten Tafelgesellschaft auf Eulenburgs Schloss Liebenberg im Löwenberger Land Wilhelm II. mit dem Ersten Sekretär der französischen Botschaft, dem Grafen Raymond Lecomte zusammentraf und diesen sympathisch fand.

Am 17. November 1906 warf Harden deshalb in einem weiterem Artikel dem Liebenberger Kreis vor, dass der Kreis aufgrund persönlicher Verbindungen maßgeblich die deutsche Politik beeinflussen würde und für eine Reihe von Fehlschlägen der deutschen Außenpolitik verantwortlich sei. Nur für Insiderkreise erkenntlich spielte Harden auf die homoerotischen Beziehungen an, die Mitglieder des Liebenberger Kreises unterhielten. Besonders deutlich waren diese auf Kuno von Moltke bezogen. Harden warf Eulenburg unter anderem vor, ein ungesunder Spätromantiker zu sein, der spiritualistischen Neigungen habe (S.130). Hinter diesen an Eulenburg gerichteten Vorwürfen steckte letztendlich aber auch die zur damaligen Zeit verbreitete Ansicht, dass Homosexuelle verweichlichte Persönlichkeiten hätten, die zu einem entschlossenen Machtgebrauch nicht imstande seien (S. 130). In den einflussreichen aristokratischen Kreisen am Hofe Berlins wurden die Andeutungen sehr wohl verstanden und erregten große Aufmerksamkeit.

Bernhard von Bülow, zu dem Zeitpunkt Reichskanzler und mit Eulenburg seit vielen Jahren befreundet, versuchte zunächst eine Ausweitung des Skandals zu verhindern und setzte darauf, dass die Erregung über die Enthüllungen Hardens abflauen würde. Ihm war dabei bewusst, dass ein Vorwurf der Homosexualität gegenüber engen Freunden des Kaisers dessen eigene Stellung diskreditieren und ihm das sowieso schon schwierige Regierungsgeschäft weiter erschweren würde. Erst Anfang Mai 1907 erfuhr Kaiser Wilhelm II. durch den Kronprinzen von den Vorwürfen. Seine Forderung nach der Suspendierung der Betroffenen und einer gerichtlichen Klärung der Vorwürfe löste eine breite Berichterstattung der Presse und damit den Skandal aus.

Gründe

Outing

Die Verfahren

Auswirkungen

Siehe auch

Weblinks

Literatur

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