Geschichte der Lesben- und Schwulenbewegung1970er JahreDie Schwulenbewegung der 70er Jahre orientierte sich international sehr stark an anderen Neuen Sozialen Bewegungen, insbesondere aber an der Neuen Linken. Die Lesbenbewegung verschmolz zu einem großen Teil mit der Frauenbewegung und prägte dort das Paradigma des Lesbischen Feminismus. Neben einzelnen Demonstrationen und verschiedenen politischen Aktivitäten, die sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen richteten, entstand eine alternative Infrastruktur, die sich außerhalb der kommerziellen Subkultur etablierte. Buchläden, Verlage, Zentren und Vereine aus der damaligen Zeit existieren vereinzelt heute noch. Ein zentrales Konzept war das Coming-out , das Homosexuellen ermöglichen sollte, eine selbstbewusste Identität als Lesbe oder Schwuler herauszubilden. Das schwule Coming out hatte vor allem bei schwulen Männern und für die Schwulenbewegung in den 70er Jahren und zum Teil noch bis heute zwei wichtige Aspekte, die im Idealfall miteinander verknüpft waren:
Vereinigte StaatenHauptartikel: Geschichte der Homosexualität in den Vereinigten Staaten Gay Liberation Front und Gay Activists AllianceIn New York bildete sich unmittelbar nach dem Stonewall-Aufstand im Juni 1969 die Gay Liberation Front (GLF). Die Namenswahl war eine Anspielung auf die südvietnamesische Befreiungsfront Vietkong. Als erste Organisation, die bereit war in offener Konfrontation für die Befreiung von Schwulen und Lesben einzutreten, markierte die GLF und der ihr vorausgegangene Stonewall-Aufstand eine völlig neue Qualität. Mit der Sichtbarmachung von Lesben und Schwulen legte sie sozusagen eine Grundlage für alle späteren Liberalisierungen, obwohl ihre Ziele über die Integration einer Minderheit hinausgingen. Bereits sehr früh zeichnete sich eine Spaltung an der Frage ab, ob sich die GLF andere militante linke Organisationen wie z.B. die Black Panther Party unterstützen solle. 1970 gründeten Jim Owles und Marty Robinson außerhalb der GLF eine neue Organisation: die Gay Activists Alliance (GAA). In einer Broschüre für Neulinge stellte sie sich so dar: Nach dem Auszug der gemäßigten Aktivisten verstand sich die GLF offen als revolutionäre Organisation. In einem Interview mit Mitgliedern der GLF New York, das in der San Francisco Free Press veröffentlicht wurde, heißt es auf die Frage, was die Gay Liberation Front sei: Ein Jahr alt, umfasste die GLF neben den Vollversammlungen am Sonntagabend, die von ca. siebzig bis achtzig Personen besucht wurden, 19 Zellen oder Aktionsgruppen, zwölf Gruppen zur Bewusstseinsbildung, ein Treffen am Mittwochabend für Männer, ein Frauentreffen am Sonntagabend vor der Vollversammlung, drei Wohn-Kommunen und eine Radical Study Group . Darüber hinaus gab es die GLF-Zeitung Come Out! und die Zeitschrift der GLF-Kommune in der 17. Straße, Gay Flames . Aus den Erfahrungen der US-GLF wurden in einigen anderen Ländern Ableger gegründet. Unter anderem die englische Gay Liberation Front die - von Aubrey Walter und Bob Mellors ins Leben gerufen - vor allem in London, später im ganzen Land ihre Aktivitäten entfaltete. Entstehung des lesbischen FeminismusDie Gründung des lesbischen Feminismus geht auf den zweiten Jahreskongress zur Vereinigung der Frauen am 1. Mai 1970 zurück, wo unter Veranstaltung eines Happenings das Manifest der Frauenidentifizierten Frau verteilt wird. In ihm heißt es: Die lesbischen Frauen, die das Abschlussplenum mit einer Reihe von Resolutionen konfrontierten, gaben sich im Anschluss an den Kongress den Namen "Radicalesbians". Die Separierung von der Schwulenbewegung rief bei den GLF-Frauen zunächst heftige Kritik hervor. Doch die Unsichtbarkeit von Lesben in der GLF, am Ende der Vorwurf des Sexismus , der Ignoranz gegenüber den Problemen von Frauen führten schließlich zu ihrem Auszug. 1970 gründeten sie in San Francisco die ''Gay Women's Liberation. Und 1973 ging aus der Gay Activists Alliance, der bürgerlichen Abspaltung der GLF, die Lesbian Feminist Liberation'' hervor. Die lesbisch-feministische Bewegung verabschiedete sich vom Begriff gay und legte sich die Bezeichnungen lesbian und dyke zu. 1971 gründeten sich die Furien , mit Basis in Washington, D. C., die das Programm des lesbischen Separatismus weiterentwickelten und auf die Organisation des privaten Lebens übertrugen. "Heterosexuelle Frauen werden durch Männer verwirrt, setzen Frauen nicht an erste Stelle" , schrieb Rita Mae Brown , eine der Gründerinnen. "Sie verraten Lesben und zuletzt verraten sie auch sich selbst." In der ersten Nummer ihrer gleichnamigen Zeitschrift hieß es schließlich: Deutschsprachiger RaumBundesrepublik DeutschlandIn Deutschland gilt die Uraufführung des Films Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (BRD 1970, Regie: Rosa von Praunheim , Text: Martin Dannecker ) bei den Berliner Filmfestspielen 1971 als Initialzünder der Schwulenbewegung. Noch im selben Jahr gründeten sich die Homosexuelle Aktion Westberlin (HAW) und die Rote Zelle Schwul (ROTZSCHWUL) in Frankfurt. 1972 wurde in Münster die erste Schwulendemo in der Geschichte der Bundesrepublik durchgeführt. Tuntenstreit1973/74 kam es zu einer ersten Strategiediskussion in der Schwulenbewegung, dem so genannten Tuntenstreit . Der Konflikt brach beim Pfingsttreffen 1973 in Westberlin aus. Als bei der Abschlussdemonstration mit über 700 Teilnehmern die aus Frankreich und Italien angereisten Schwulen in Frauenkleidern, sogenannte Tunten, auftraten, kam es zum Eklat, der sich schließlich zur HAW-internen Strategiedebatte ausweitete. Ergebnis war die Spaltung in einen integrationistischen Flügel aus orthodoxen Marxisten und der radikalen Fraktion der Feministen.Für die ersteren war die Homosexuellenunterdrückung ein "vorkapitalistisches Relikt" und kein Wesensmerkmal der bürgerlichen Gesellschaft. Da eine Integration der Homosexuellen jederzeit möglich erschien, wurde die Aufgabe der "homosexuellen Sozialisten" darin gesehen, in der Arbeiterbewegung aktive Solidarität für die homosexuelle Minderheit und bei den Homosexuellen ein Bewusstsein über ihre mehrheitliche Lage als ausgebeutete Lohnarbeiter zu entwickeln. Anders die feministische Fraktion. Deren Vertreter lehnten eine Minderheitenpolitik ab, die darauf hinauslaufe, die herrschende Form von Heterosexualität unangetastet zu lassen. Letztere sei durch gewaltsame Überzeichnung der Geschlechterrollen und eine latent homosexuelle Identifizierung der Männer untereinander geprägt. Aus dieser Perspektive leiteten sie die Forderung nach einer autonomen Schwulenbewegung ab, die, statt in Demutsgesten gegenüber den heterosexuellen Genossen zu verfallen, eigenständige Positionen entwickeln und in die Linke einbringen müsse. Frauen-/Lesbenbewegung...Deutsche Demokratische RepublikIm Jahr der Weltjugendfestspiele, die 1973 in Ost-Berlin (oder nach DDR-Lesart in der Hauptstadt der DDR) stattfanden, gab es bereits einen regen Austausch zwischen Mitgliedern der Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW) und Schwulen, die in der DDR politisch engagiert waren. Einige HAW-Aktivisten waren damals oder wenig später Mitglieder der SEW, welche mit der westdeutschen DKP vergleichbar war. Diese Parteimitglieder, z.B. Volker Eschke, aber auch unabhängige HAW-Aktivisten hatten Kontakt zu Peter Rausch, Michael Eggert und anderen, die damals eine lose Vereinigung von Schwulen in der DDR bildeten. Einerseits war von offizieller DDR-Seite nichts gegen Kontakte zu westberliner Kommunisten einzuwenden, andererseits begegnete man dem schwulen Emanzipationsanspruch doch mit mehr oder weniger offenem staatlichen Misstrauen. So wurden viele Treffen zwischen DDR-Schwulen und HAW-Mitgliedern, oft bemerkt manchmal auch unbemerkt, von der Staatssicherheit überwacht. Heute gibt es nur wenige Dokumente über das homosexuelle Leben in der DDR. Ein Stück lesbischer Emanzipationgeschichte in der DDR arbeitet der Film Warum wir so gefährlich waren - Geschichten eines inoffizeillen Gedenkens auf. NiederlandeDas bereits 1946 als Shakespeareclub in Amsterdam gegründete Cultuur- en Ontspanningscentrum (C.O.C.) konnte in den 1971 eines seiner Hauptziele, die Reform des Artikel 248-bis im Wetboek van Strafrecht (niederländisches Strafgesetzbuch) erreichen. Dieser ehemalige Paragraph stellte den gleichgeschlechtlichen Kontakt zwischen 16 bis 21 Jahren unter Strafe und ließ Haftstrafen bis zu einem Jahr Haft zu. Hingegen war für heterosexuelle Menschen das Schutzalter bei 16 Jahren. In diesen Zeitraum konnte auch eine zunehmende Akzeptanz der Homosexualität in der niederländischen Gesellschaft erreicht werden. 1973 wurde das COC, welches seit 1971 den Namen Nederlandse Vereniging voor Integratie van Homoseksualiteit COC führt, offiziell als Verein registriert. Neben dem COC entstanden in dieser Zeit weitere LGBT-Vereine in den Niederlanden. ''siehe auch: COC Nederland Österreich... Schweiz1975 fand in Basel die erste öffentliche Demonstration die Teilnahme einer Schwulen Gruppe mit einem Transparent beim 1. Mai-Umzug statt. Drei Jahre später gab es nach der Übergabe einer Petition für die Aufhebung der Schwulenregister ein Sit-in auf dem Zürcher Platzspitz, welches bereits als Christopher-Street-Liberation-Memorial Day bezeichnet wurde. Die erste offizielle Nationale Schwulendemo fand 1979 in Bern statt. Siehe auch Geschichte des CSD in der Schweiz 1980er Jahre1990er JahreGegenwartSiehe auchLiteraturWeblinksVerwandte ThemenIndex: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Geschichte der Lesben- und Schwulenbewegung" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Geschichte+der+Lesben-+und+Schwulenbewegung&action=history
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