Francis Bacon (Maler)Francis Bacon (* 28. Oktober 1909 in Dublin; gest. 28. April 1992 in Madrid) war ein englischer Maler. Bacon gehört zu den bedeutendsten gegenständlichen Malern des 20. Jahrhunderts. In seinem Werk setzt er sich vornehmlich mit der menschlichen Figur auseinander. Als entstellter, deformierter, teils amputierter Körper, ist sie Ausdrucksträger alltäglicher Gewalt. Reduziert auf ihre bloße Kreatürlichkeit stehen Bacons Figuren für eine Existenz ohne Sinn und Erlösung. LebenFrancis Bacons Leben steht unter dem Einfluss hemmungslosen Exzesses. Glücksspiel, Alkohol und Homosexualität bilden die Koordinaten seines Lebensstils. Sein Biograph, Daniel Farson, berichtet von einer Vita zwischen Halb- und Unterwelt: von Verführungen des 15-jährigen durch Stallburschen in Dublin, von einem geheimen Spielclub in seiner Wohnung, von unziemlichen Etablissements in Berlin und Paris bis hin zu Bacons Kriegserlebnissen, wo er nach Bombenangriffen Tote wegkarrte. Dem Abgründigen gegenüber tritt der großmütige Gentleman Bacon; der belesene Intellektuelle, der neben antiken Tragödien, Nietzsche, Sigmund Freud und Marcel Proust kannte, von James Joyce und T.S. Eliot schwärmte und eine ungewöhnliche Arbeits- und Selbstdisziplin aufbrachte. 1909-1924Francis Bacon wird am 28. Oktober 1909 als Sohn englischer Eltern in Dublin geboren. Er ist das zweite von fünf Kindern. Seine Brüder sterben früh, seine Schwestern wandern später aus. Francis' Vater, Edward Anthony Mortimer Bacon, leitet seine Herkunft von dem elisabethanischen Staatsmann und Philosophen Sir Francis Bacon ab. Ehemals in militärischen Diensten, arbeitet das als autoritär und gewalttätig auffallende Familienoberhaupt als Zureiter und Trainer von Rennpferden. Bacons Mutter, Christina Winifred Firth, wird hingegen allgemein als aufgeschlossen, gesellig und gebildet charakterisiert. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird der Vater ins Kriegsministerium berufen; die Familie übersiedelt nach London. Die folgenden 10 Jahre sind von häufigen Wohnortsverlegungen begleitet. In Bacons Jugend wechselt die Familie mehrfach zwischen Dublin und London hin und her. Aufgrund der Kriegswirren und der zahlreichem Umzüge besucht Bacon die Schule nur unregelmäßig. Aus einem Internat flüchtet er nach wenigen Wochen. Früh macht Francis Bacon die Erfahrung von Gewalt. Während des Osteraufstands der Sinn Féin-Bewegung im Jahre 1916 lebt er wieder in Irland. Später erinnert er sich, "in einem mit Sandsäcken verbarrikadierten Haus" gewohnt zu haben. Bacon, der Zeit seines Lebens an einem chronischen Asthma leidet, wächst in seiner Kindheit mehr oder minder ungerichtet, sich selbst überlassen auf. 1925-1941Mit 16 Jahren wird sich Bacon seiner Homosexualität bewusst. Sein Vater überrascht ihn dabei, wie er Dessous seiner Mutter anprobiert und wirft ihn aus dem Haus. Francis Bacon geht nach London, wo er Gelegenheitsarbeiten annimmt und unter anderem bei einem Notar arbeitet. 1927 schickt ihn sein Vater nach Berlin. Dort soll er unter der Obhut eines Onkels leben, der jedoch selbst in fragwürdigen Kreisen verkehrt und dessen Erziehungsversuche scheitern. Bacon stürzt sich ins Berliner Leben, übersiedelt im Sommer aber nach Paris, wo er zu zeichnen und aquarellieren beginnt. Den Wunsch, eine Kunstschule zu besuchen, äußert er nicht. Gelegentlich arbeitet er als Innendekorateur und Designer. Im Juli begegnet er in der Galerie Paul Rosenberg Werken Picassos, die ihn sehr beeindrucken. In Ausstellungen trifft er ebenso auf die Kunst von Fernand Léger, Miró, Max Ernst und Giorgio de Chirico. Ein Jahr später bezieht er eine zum Atelier umgewandelte Garage in Queensberry Mews West, South Kensington. Dort veranstaltet er Ausstellungen mit Wand- und Bodenteppichen sowie mit modernen Möbeln aus Stahl und Glas nach eigenen Entwürfen. Francis Bacon beginnt, als Autodidakt Ölbilder zu malen. Der vom Kubismus beeinflusste australische Künstler Roy de Maistre unterweist ihn zwar im Umgang mit der Ölfarbe, bleibt jedoch der einzige Lehrer, den Bacon je haben wird. Weil seine Ausstellungen ohne Resonanz bleiben, gibt Bacon seine Tätigkeit als Möbeldesigner wieder auf. 1931 zieht er in ein Atelier in der Fulham Road und nimmt kunstferne Gelegenheitsarbeiten an, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auf der Ausstellung "Art Now" der Londoner Mayor Gallery wird Bacons Werk Kreuzigung (1933) ausgestellt und in einem Buch reproduziert. Der Sammler Michael Sadler erwirbt erste Bilder Bacons. Da er keinen Galeristen findet, der sein Werk betreut, organisiert Francis Bacon 1934 seine erste Einzelausstellung mit Ölbildern und Gouachen im Untergeschoss des Hauses eines Freundes. Die Ausstellung wird ein Misserfolg und findet weder bei Presse noch Publikum ein Echo. Entmutigt malt er weniger und ergibt sich der Spielleidenschaft, reist durch Europa und arbeitet eine zeitlang als Croupier. 1936 werden seine Bilder zu einer internationalen Surrealisten-Ausstellung für zu wenig surrealistisch befunden und ausgeschlossen. Im Folgejahr nimmt Bacon aber an einer Gruppenausstellung junger britischer Künstler teil. Aufgrund seines Asthmaleidens wird er 1941 vom Kriegsdienst befreit und zum Zivilschutz einberufen, von dem er nach kurzer Zeit jedoch krankheitsbedingt ebenfalls freigestellt wird. Eine zeitlang lebt Bacon nun auf dem Land in Petersfield in Hampshire. 1942-1963Ende 1942 kehrt Francis Bacon nach London zurück und bezieht sein altes Atelier in Kensington. Zwischen 1942 und 1943 zerstört er seine künstlerische Produktion der vergangenen Jahre fast vollständig. Aus dem Zeitraum 1929-1944 bleiben nur 15 Bilder erhalten. Ab 1944 intensiviert Bacon seine Malerei. Das Triptychon Drei Studien zu Figuren am Fuße einer Kreuzigung (1944) entsteht und löst bei einer Ausstellung im Folgejahr heftige Diskussionen aus. Es folgen diverse Gruppenausstellungen, in denen seine Bilder das Publikum polarisieren. 1946 lässt sich Bacon in Monte Carlo nieder, wo er sich seiner Spielleidenschaft widmet. Bis 1950 pendelt er zwischen Monte Carlo und London hin und her, bevor er auf Dauer in die britische Hauptstadt zurückkehrt. Jetzt unterrichtet er für einige Monate am Londoner Royal College of Art. In dieser Zeit beginnt Bacon seine Papstserien nach einem Motiv des Papstes Innozenz X. von Velazquez. Er schließt Freundschaften zu Lucian Freud, den er 1951 erstmalig portraitiert und David Sylvester, mit dem er zwischen 1962 und 1986 zahlreiche Interviews führen wird. Francis Bacon reist nach Südafrika, um seine Mutter zu besuchen, die nach dem Tode des Vaters (1940) dort lebt. Auch in Kairo macht er Station. 1952 lernt er Peter Lacy kennen, einen Barpianisten, der Bacons Geliebter wird. Bacon besucht ihn in Tanger. In den nächsten Jahren folgen mehrfache Wohnungs- und Atelierwechsel. Bacon hat nun verschiedene Einzelausstellungen in London und New York und gestaltet 1954 gemeinsam mit Lucian Freud und Ben Nicholson den Britischen Pavillon auf der XXVII. Biennale in Venedig. Ebenso entstehen Landschaftsbilder, in denen Bacons Bewunderung gegenüber van Gogh zum Ausdruck gelangt. In den nächsten Jahren finden zahlreiche Einzelausstellungen in Italien, England, Frankreich und den USA statt. Das Institute of Contemporary Arts in London organisiert 1955 seine erste Retrospektive. Weitere Retrospektiven durch die Tate Gallery in London (1962), das Guggenheim-Museum in New York (1963) und das Art Institute in Chicago (1963) zeugen ebenso von Bacons wachsender internationalen Bedeutung, wie seine Beteiligung an der Documenta (documenta II 1959) in Kassel. Am Abend der Londoner Retrospektive 1962 stirbt Bacons Freund Peter Lacy infolge schwerer Krankheit durch exzessiven Alkohol und Drogenmissbrauch. 1964-1992Francis Bacon lernt George Dyer kennen, einen gleichermaßen depressiven wie gewaltbereiten Gauner aus einfachen Verhältnissen, mit dem er eine Beziehung eingeht. Bacons Ruhm nimmt in der Folgezeit zu, er erhält mehrere Preise, 1967 den Rubenspreis der Stadt Siegen. Im Jahr 1964 ist Francis Bacon erneut Teilnehmer der documenta III in Kassel. 1971 steht er an der Spitze einer Rangliste der zehn bedeutendsten lebenden Künstler. Am Vorabend der großen Retrospektive im Pariser Grand Palais wird George Dyer tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden, zusammengekauert auf dem Toilettensitz. Den durch Tabletten und Alkohol wahrscheinlich herbeigeführten Suizid wird Bacon in verschiedenen Bildern verarbeiten (Triptychon August 1972 ; Triptychon Mai-Juni 1973 ). 1975 trifft Bacon Andy Warhol in New York, 1978 Balthus in Rom. Während dessen erfolgen weitere Retrospektiven in der Kunsthalle Düsseldorf (1972), im Metropolitan Museum of Art in New York (1975), in der Tate Gallery in London (1985), in der Staatsgalerie Stuttgart (1985) sowie in der Nationalgalerie in Berlin (1986); dazwischen größere Ausstellungen in Spanien, Japan und Amerika und Beteiligungen an der documenta 6 (1977) und der DOCUMENTA IX (1992) in Kassel. Als einer der wenigen westlichen Künstler erhält Bacon eine Ausstellung in der Tretjakow-Galerie in Moskau. Im Alter muss er sich einer Nierenoperation unterziehen; ihm wird eine Niere entfernt, was ihn von weiterem Alkoholkonsum nicht abhält. 1991 reist der Maler zum Besuch der Velazquez-Ausstellung im Prado nach Madrid. Dort stirbt Francis Bacon nach einem Herzinfarkt am 28. April 1992. Sein Leichnam wird verbrannt, die Asche in England verstreut. WerkLiteraturFilmeWeblinksVerwandte ThemenIndex: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Francis Bacon (Maler)" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Francis+Bacon+%28Maler%29&action=history
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