Fidus

Fidus (bürgerlich Hugo Höppener , * 8. Oktober 1868 in Lübeck; gest. 23. Februar 1948 in Woltersdorf) war ein deutscher Maler und Illustrator.

Leben

Hugo Höppener wurde als Sohn eines Konditors in Lübeck geboren. Ostern 1887 wurde er von seinen Eltern auf die Vorschule der Münchner Akademie geschickt. Nach wenigen Monaten schloss er sich dem Kreis des Malers und Naturapostels Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913) in Höllriegelskreuth an, von dem er seine stilistische Prägung und den Künstlernamen "Fidus" (Der Getreue) erhielt. Er verschrieb sich den lebensreformerischen Ideen des Vegetarismus, der Lichtgläubigkeit, der Freikörperkultur und einer naturgemäßen Lebensweise. Anarcho-sozialistische Vorstellungen von Bodenreform und vegetarischer Pazifismus beherrschten die Geisteswelt des jungen Fidus.

1889 ging Fidus an die Münchner Akademie zurück, öffnete sich theosophisch-spirituellen Gedankengängen. Er vertrat fortan eine mystische Naturreligion und setzte sich für Ideen einer Sexualreform ein. Der spezifische Jugendstil seiner Bilder wurde fortan mit esoterischen Symbolen - Lotosblüten, Eiformen, Kreuzen und Sonnenzeichen - angereichert. Die zyklische Kreisstruktur des Lebens, die Rückkehr des Mannes in den göttlichen Mutterschoß, die Verschmelzung der Geschlechter und die Erlösung durch das Licht waren immer wiederkehrende Bildmotive. Zudem entwarf er Pläne zu gigantischen Tempelanlagen für eine neue Natur- und Lichtreligion, in denen sich das Volk zur Andacht versammeln sollte. Sein berühmtestes Bild wurde das in mehrfacher Ausfertigung entstandene "Lichtgebet". Es zeigt einen jungen, schlanken, fast androgynen Mann auf einem Berggipfel, die Arme in Form einer Lebensrune spreizend und die Sonne anbetend.

Anfang der 1890er-Jahre unternahm Fidus Reisen nach Norwegen, in die Schweiz, Istrien und Italien bis er sich 1893 in Berlin niederließ. Hier trat er der Theosophischen Gesellschaft bei und war Mitbegründer einer theosophischen Loge (vermutlich Esoterischer Kreis oder D.T.G.).

Um 1900 war Fidus einer der bekanntesten Maler Deutschlands. Beachtliche Kontakte bestanden zum intellektuellen Umfeld dieser Zeit, beispielsweise zu Willy Pastor oder Arthur Moeller van den Bruck, ebenso zum Friedrichshagener Dichterkreis, zu dem Heinrich und Julius Hart sowie Gustav Landauer gehörten. Er wahrte zudem engen Kontakt zur Gartenstadt-Bewegung, zur Bodenreform-Bewegung und zum Wandervogel. 1912 gründete er den Sankt-Georgs-Bund, der sich gegen den "Drachen des Materialismus" wenden sollte.

Fidus arbeitete als Illustrator für die Münchner "Jugend", die "Pan" sowie zahlreiche Bücher. 1905 erschien die Maifestsondernummer der sozialdemokratischen Zeitschrift "Vorwärts" mit einem von Fidus entworfenen Titelblatt. 1908 bezog er ein selbst entworfenes Haus in Woltersdorf bei Berlin.

Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, hatte sich Fidus durch den Einfluss von Wilhelm Schwaner völkischen und rechtskonservativen Gedanken zugewandt. Allerdings sprach er sich gegen den allgemeinen Hurra-Patriotismus aus, forderte statt dessen, dass Deutschland sich von kulturellen Fremdeinflüssen freimachen sollte, um eine moralische Mission für die Welt zu erfüllen. Nach 1918 verlor Fidus an künstlerischem Einfluss, auch materiell ging es ihm schlechter. Er machte für diese Misere den künstlerischen Internationalismus (Expressionismus, Dadaismus und "Neue Sachlichkeit") und die kapitalistischen Vermarktungstendenzen verantwortlich.

1932-1945

1932 trat Fidus in die NSDAP ein. Doch bereits 1925 hatte er sich in der Schrift "Den Rasse-Raßlern" gegen die Utopie einer "Reinrassigkeit" gewandt. Die Deutschen seien demnach historisch ein Mischvolk, und es komme nur auf die seelische Durchsonntheit des Menschen an, nicht auf Rassemerkmale. Trotz Hoffnungen in die neue Staatsführung, trotz Bittbriefen an Hitler und Goebbels, seine Tempelkunst finanziell zu unterstützen, wurde er von den neuen Machthabern weitgehend abgelehnt. Die SS-Zeitung "Das Schwarze Korps" erwähnte ihn 1936 als Verkitscher nordischer Kunst. Sein Antrag auf Einführung der von ihm entwickelten "Neugermanischen Schrift" wurde 1936 brüsk abgelehnt. Eine geplante Nürnberger Kunstausstellung zum Reichsparteitag 1936 platzte, weil sich Hitler beim Anblick bereits angetroffener Monumentalportraits so "angewidert" gezeigt hatte, daß er befahl, sämtliche Werke zurückzuschicken.

1937 wurden Fidus-Mappen beschlagnahmt und der Verkauf von Fidusdrucken verboten. Hitler ließ zudem die Verbreitung seines von Fidus gemalten Porträts auf Postkarten verbieten. Zermürbt kritisierte Fidus die nationalsozialistischen Kulturfunktionäre als "Kulturbonzen" und "Barbaren". Stilistisch blieb er seinem unkonventionellen, in der Zeit sehr untypischen "weichen Jugendstil" treu.

Nach 1945

Auch nach dem zweiten Weltkrieg vertrat er seine "lichtdeutschen" Gedanken weiterhin, bekam nun Aufträge von der sowjetischen Militärkommandantur in Karlshorst zur Anfertigung von Stalin-und Leninbildern. Für die SED malte er zudem Rudolf Breitscheid. 1946 trat er der freireligiösen Gemeinde in Berlin bei und bekannte sich als Wähler der CDU. 1948 starb Fidus in Woltersdorf an einem Schlaganfall.

Nachlaß

Ein Teil des Nachlasses von Fidus befindet sich im Archiv der deutschen Jugendbewegung, das zum Hessischen Staatsarchiv Marburg gehört. Er wurde 2005/2006 erschlossen und die darin enthaltenen Werke zum größten Teil digitalisiert. Ein anderer Teil des Nachlasses wird im Fidus-Archiv der Berlinischen Galerie aufbewahrt. Ein weiterer bereits erschlossener Teilnachlaß befindet sich in der Akademie der Künste in Berlin. Für Fidus interessant sind außerdem die Nachlässe der Fidus-Verleger Fritz Heyder (1882-1941), der sich ebenfalls in der Akademie der Künste befindet, und Max Bruns (1876-1945) im Kommunalarchiv Minden.

Literatur

Weblinks

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