Ex-Ex-Gay

Als Ex-Ex-Gay werden vor allem in den Vereinigten Staaten Lesben und Schwule bezeichnet, die sich wieder öffentlich zur Homosexualität bekennen, nachdem sie ihre Teilnahme an der Ex-Gay-Bewegung und an deren äußerst umstrittenen Versuch beendet haben, die sexuelle Orientierung zur Heterosexualität hin zu verändern. Einige bezeichen sich selbst als "ex-gay survivors" (dt.: Ex-Gay-Überlebende, was den passiven und defätistischen Begriff "Ex-Gay-Opfer" bzw. engl. "victim" vermeidet).

Beschreibung

Evangelikale Vereinigungen wie Wüstenstrom und OJC bieten etwas an, das sie selbst als Therapie zur Änderung der sexuellen Orientierung bezeichnen. Dies genießt außerhalb davon keine Anerkennung und wird von einigen Seiten scharf kritisiert, da verschiedene Studien gezeigt haben, dass Therapien zur Bekämpfung der eigenen Homosexualität oft zu schweren Depressionen und Selbstwertproblemen führen und manchmal auch nach langer Verzweiflung in Selbstmord enden. Aussteiger aus der Ex-Gay-Bewegung gehen oft noch einen Schritt weiter und sprechen von Gehirnwäsche-Methoden und Umpolungstherapien. Sie haben sich zu verschiedenen Initiativen zusammengeschlossen, deren Gesamtheit als Gegenbewegung verstanden wird. Sie versuchen vor allem die teilweise überzogenen Behauptungen und Erwartungshaltungen über die Wirksamkeit von Reorientierungstherapien ins rechte zu Licht rücken, immer wieder falsch behauptete Fakten die mit schlechten oder schlecht zitierten Behauptungen untermauert werden zu demaskieren und christlichen Schwulen und Lesben Halt und Schutz zu geben. Die US-amerikanische Initiative Beyond Ex-Gay veranstaltete im Sommer 2007 erstmals eine größere Konferenz.

Einige Ex-Ex-Gays in Deutschland und der Schweiz sind Mitglieder der Organisation Zwischenraum, die Homosexualität als eine von Gott gegebene sexuelle Orientierung verstehen, die es in all seiner Vielfältigkeit und seinen Formen als lebenserfüllendes Geschenk zu begreifen und integrieren gilt.

Einige ehemalige langjährige führende Mitglieder von Exodus entschuldigten sich inzwischen für den Schaden, den sie angerichtet haben.

Erlittene Verletzungen

Der US-amerikanische Schauspieler und Mitinitiator der Initiative Beyond Ex-Gay Peterson Toscano wurde von Anfang 2003 bis Ende 2007 von 1000 Ex-Gay-Überlebenden und "Kämpfenden" kontaktiert und hat im Oktober 2007 die verschiedensten ihm erzählten erlittenen Verletzungen erstmals in einer strukturierten Übersicht zusammengefasst.

  • Emotionale Verletzungen: Evident in Gefühlen von Schande, Angst, Stress, Enttäuschung, Erschöpfung und Zurückweisung (speziell wenn man gemieden wird)
  • Psychologische Verletzungen:Manifestiert in der Form von Depressionen, Suizidtendenzen, Posttraumatische Belastungsstörung und in manchen Fällen die Auslösung eines psychischen Zusammenbruchs
  • Geistige Verletzungen::
    • in der Form von chronischer Entmutigung, Furcht vor Gott und verlieren von Glaubensgemeinschaften oder sogar des Glaubens selbst.
    • Misstrauen spiritueller Füher
    • eine spirituelle Krise bezüglich Integrität und Übereinstimmung durch die dauernde Botschaft, dass man nicht Schwul und Christ sein kann.
  • Beziehungsverletzungen:durch das Verlieren von wesentlichen Beziehungen oder Zerstören von Beziehungen mit:
    • Eltern
    • * welche glauben, dass Veränderung möglich und notwendig ist, und deshalb die Kinder zurückweisen wenn sie nicht wählen Ex-Gay zu sein
    • * welche sich durch Ex-Gay-Schulungen sich schuldig für die Sexuelle Orientierung ihrer Kinder fühlen was Spannungen zwischen Eltern und Kind erzeugt (und ebenso tiefen Schmerz und Scham für die Eltern bewirkt)
    • Ehepartner / Partner
    • * des anderen Geschlechts mit denen man sich Beziehungen geführt und ggf. sogar geheiratet hatte, weil man glaubte, dass so ein Leben möglich sei, was aber zur Scheidung , Schmerz und Verlust des Partners geführt hat, nicht nur für uns und unsere Partner, sondern auch für andere, wie bspw. evtl. gemeinsame Kinder
    • * des gleichen Geschlechts, da die Beziehungen mit gleichgeschlechtlichen Partnern verstümmelt sind wegen des Schams und der Furcht, die uns durch unsere Ex-Gay-Erfahrungen eingehämmert werden
    • Freunde
    • * welche auf Distanz gehalten werden / gehalten wurden, weil man trainiert wird Intimität zu misstrauen aus Angst dass man eine emotionell abhängige/verstrickte Beziehung oder eine romantische/sexuelle Beziehung eingeht
    • * welche zurückgewiesen wurden als man Ex-Gay und die ein Risiko darstellen das Ex-Gay-Leben fortzuführen
    • * welche einen zurückweisen durch die bedingte Natur der Freundschaft. Wenn man sich nicht mehr länger als Ex-Gay oder Kämpfender identifiziert beenden sie die Beziehung.
  • Finanzieller Schaden::
    • Manche geben hunderte bis zehntausende Dollars für die Ex-Gay-Behandlung aus, für Seminare, Konferenzen, Bücher und Tonträger
    • Manche Eltern verweigern das College oder sogar die Grundbedürfnisse zu finanzieren wenn das Kind sich nicht einem Ex-Gay-Programm anschließt.
  • Karriereschaden::
    • Manche verlassen ihren Karriereweg weil er als "unsicher" für einen Kämpfenden empfunden wird
    • Manche unterbrechen die Schule oder ihre Karriere "to take a diversion into ex-gay treatment"
  • Physische Beeinträchtigungen durch Psychosomatische Beschwerden, welche durch Stress (innere Konflikte) oder Depressionen ausgelöst werden.
  • Sexuelle Verletzungen:in der Form von schädlichen "sex eduction":
    • Sexuell naive Leute (viele die niemals Sex hatten) lernen über "schwulen Sex " von Sexsüchtigen die ihre Sexualität als zu riskant beschreiben und sogar über illegale Verhaltensweisen, weil diejenigen Scham und Abscheu gegenüber sich selbst fühlen.
    • Programmleiter, Therapeuten und "Zeugnis ablegende" transportieren eine negative Botschaft über das sexuelle Verhalten zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern. Dies kann die Leute daran hindern eine gesunde, erfüllende Sexualität zu erleben, sogar nachdem sie die Ex-Gay-Behandlung beendet haben.
  • Entwicklungsschaden:wegen gehemmten Wachstum in Schlüsselbereichen, weil viele ihre Bemühungen auf die Ex-Gay-Erfahrung konzentrieren. Viele haben ihr bisheriges Leben beendet und lenken ihre beschränkten Kräfte auf den Ex-Gay-Prozess was die Menschen darin hemmt persönlich in "vital developmental moments" zu wachsen.

Literatur

Weblinks

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