Ernst Wilhelm Julius Bornemann

Ernst Wilhelm Julius Bornemann (* 12. April 1915 in Berlin; gest. 4. Juni 1995 in Scharten bei Eferding, Oberösterreich) war ein deutscher Anthropologe, Psychoanalytiker, Filmemacher, Krimiautor (unter dem Pseudonym Cameron McCabe ), Jazzkritiker und Sexualforscher.

Leben

1931, im Alter von 16 Jahren, lernte er Wilhelm Reich kennen und arbeitete bis Anfang 1933 in dessen Sexpol-Organisation, die damals eine Unterorganisation der KPD war.

Nachdem er 1933 nach England emigriert war, anglisierte er seinen Namen zu Ernest Borneman .

Borneman schrieb 1937 "die Detektivgeschichte, mit der alle Detektivgeschichten ein Ende haben" (Julian Symons), einen Kriminalroman mit dem Titel The Face on the Cutting-Room Floor unter dem Pseudonym Cameron McCabe . Er begann diesen Roman im Alter von 18 Jahren, als er die englische Sprache noch nicht beherrschte. Das Werk wurde von der Kritik hoch gelobt. Die Identität des Autors wurde erst aufgedeckt, als der Verlag Gollancz 1974 eine Faksimile-Ausgabe der 1937er Edition veranstaltete und Nachforschungen nach Erben oder anderen Rechteinhabern einleitete. Der Roman hatte acht Folgeauflagen und wurde ins Französische übersetzt. Auf deutsch erschien er 1969 unter dem Titel "Stumme Zeugen lügen nicht". Zwischen 1941 und 1968 schrieb Borneman sechs weitere Kriminalromane.

Sein Hauptwerk als Sexualforscher war "Das Patriarchat. Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems" . Die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) ehrte ihn 1990 mit der Magnus-Hirschfeld-Medaille für Sexualwissenschaft .

Bornemann war bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung sowie der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung .

Zum Freitod Bornemans: Der direkte Anlaß war eine gescheiterte Liebesbeziehung zu der um 38 Jahre jüngeren deutschen Ärztin Sigrid Standow. Diese hatte ihn, wie aus einem Abschiedsbrief und einem hinterlassenen Tonband Bornemans hervorgeht (Tonbandaufzeichnung lt. Magazin "News", 23/1995), eines anderen Mannes wegen verlassen. Der war bereit, ihre masochistischen sexuellen Bedürfnisse zu erfüllen, etwas, was Borneman offenbar nicht konnte oder wollte.

Werke

  • The Face on the Cutting Room Floor. London: Withy Grove Press 1937. (dt. als "Stumme Zeugen lügen nicht", 1969)
  • Lexikon der Liebe und Sexualität , 2 Bände, 1968
  • Sex im Volksmund. Die sexuelle Umgangssprache des deutschen Volkes. Wörterbuch u. Thesaurus, 1971
  • Studien zur Befreiung des Kindes, 3 Bände, 1973
  • Psychoanalyse des Geldes, 1973
  • Sex im Volksmund. Der obszöne Wortschatz der Deutschen. 2 Bände, rororo, 1974
  • Das Patriarchat 1975
  • Die Ur-Szene. Das tragische Kindheitserlebnis und seine Folgen, 1980
  • Der Neanderberg. Beiträge zur Emanzipationsgeschichte des 19. und 20. Jhdts., 1981
  • Reifungsphasen der Kindheit, 1981
  • Wir machen keinen langen Mist. 614 Kinderverse, gesammelt in Deutschland, Österreich u.d. Schweiz in den 2 Jahrzehnten 1960 - 1980, 1981
  • Das Geschlechtsleben des Kindes, 1985
  • Rot-weiß-rote Herzen. Das Liebes-, Ehe- und Geschlechtsleben der Alpenrepublik, 1985
  • Ullstein Enzyklopädie der Sexualität , 1990
  • Sexuelle Marktwirtschaft. Vom Waren- und Geschlechtsverkehr in der bürgerlichen Gesellschaft, 1992
  • Die Zukunft der Liebe , 1997

Literatur

Weblinks

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