Elisar von Kupffer

Elisàr von Kupffer (* 20. Februar 1872 in Sophiental/Estland; gest. 31. Oktober 1942 in Minusio) war Gründer einer religiösen Bewegung, Künstler, Anthologe, Dichter, Übersetzer und Bühnenschriftsteller. Für die meisten seiner schriftstellerischen Arbeiten benutze er das Pseudonym Elisarion .

Er studierte in St. Petersburg und Berlin. Nach Italien-Reisen 1897-1901 siedelte er 1902 zusammen mit seinem Partner, dem Philosophen Eduard von Mayer, nach Florenz über. Nachdem beide Männer 1915 Italien verlassen hatten, zogen sie erst nach Muralto, später nach Minusio. 1926 wurde mit dem Bau eines Sanctuariums begonnen, das am 01.08.1927 eröffnet wurde. 1939 wurde diesem Gebäude ein dodekonaler Abschlussbau angefügt, in dem das malerische Hauptwerk von Kupffers, die "Klarwelt der Seligen" ausgestellt wurde. Nach dem Tod Eduard von Mayers verfiel das Gebäude für einige Jahre und wurde 1981 trotz massiver Proteste zu einem Kulturzentrum der Gemeinde umgebaut. Lediglich ein kleines Archiv mit dem literarischen Nachlass beider Männer und dem bildnerischen Werk von Kupffers erinnert an die ursprüngliche Bestimmung des Sanctuarium Artis Elisarion. Das Gebäude stellt neben dem Goetheanum von Rudolf Steiner den einzigen Tempelbau des frühen 20. Jahrhunderts in der Schweiz dar und bezieht sich auf vergleichbare inhaltliche Quellen. Zu den prominenten Besuchern des Gebäudes zählten Magnus Hirschfeld , Gerhart Hauptmann und Kurt Tucholsky. Der Roman "Schloß Gripsholm" verweist mit seiner Anspielung auf das "Polisandrion" satirisch auf das Sanctuarium und seine Bewohner.

Der Klarismus als neue religiöse Bewegung

Elisàr von Kupffer rief 1900 eine religiöse Bewegung ins Leben, die dem weit verbreiteten Monismus entgegenwirken sollte und sich zugleich auf zeitgenössische Stömungen, etwa die Theosophie der Helena Petrovna Blavatsky bezog. Eine Institutionalisierung erfuhr dieser Glaube, der Klarismus in der Gründung verschiedener Gesellschaften: 1911 Klaristengemeinschaft Weimar, 1913 Klaristengemeinschaft Zürich, 1926 Elisarionsgesellschaft. Der Glaube sollte nach ca. drei Generationen staatenübergreifend erblüht sein und eine Eu-Demokratie darstellen. Gottgewolltes Oberhaupt der neuen Wissenschaftsreligion sollte Elisàr von Kupffer (seit 1911 Elisarion) selbst sein. Gleichzeitig ist der Klarismus als Reaktion auf Bewegungen der Lebensreform zu betrachten. Boden- und Ernährungsreform, die politische Form des "dritten Weges" zwischen Kommunismus und Kapitalismus findet sich auch hier. Trotz mysogyner und antisemitischer Tendenzen forderte der Klarismus starke Gesellschaftsreformen bezüglich der Frauen- und Homosexuellenemanzipationsbewegungen. Eine bildhafte Darstellung des neuen Glaubens stellt sich in zahlreichen Gemälden dar, die von Kupffer hauptsächlich ab 1910 malte. Diese Gemälde wurden im Sanctuarium ausgestellt und erzeugten eine kultische Begehungsstruktur des Gebäudes, die an Parzival-Inszenierungen der Zeit erinnert.

Lieblingminne und Freundesliebe in der Weltliteratur

Weitere Publikationen

Sekundärliteratur

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