Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting ist ein Verfahren zur Berechnung der Einkommensteuer von zusammenveranlagten Ehegatten:

Splittingtarif

Verfahren

Der Begriff Splittingtarif stammt aus dem Einkommensteuerrecht und beschreibt den für Ehepaare anwendbaren Steuertarif. Hierbei wird folgendes Verfahren verwendet:

1. Das zu versteuernde Einkommen (zvE) der Ehegatten wird ermittelt und halbiert (gesplittet).
2. Für das halbierte zvE wird die Einkommensteuer nach dem geltenden Einkommensteuertarif berechnet (früher: aus der Grundtabelle abgelesen).
3. Die so errechnete Einkommensteuer wird verdoppelt.

Dieses Splittingverfahren bewirkt, dass das zvE zu gleichen Teilen auf beide Ehegatten verteilt wird. Hierdurch wird das Prinzip der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit nicht auf den einzelnen Ehegatten, sondern auf die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft angewendet. Welcher der Ehegatten wieviel zum ehelichen Gesamteinkommen beigetragen hat, ist unerheblich. Hintergrund des Verfahrens sind die steuerliche Progression und die Zusammenveranlagung, die Splittingwirkung tritt nur ein, wenn zwischen den Ehegatten eine Einkommensdifferenz besteht. Durch das Splittingverfahren werden daher Ehepaare mit unterschiedlicher Einkunftsverteilung gleich behandelt.

Das zvE eines Ehepaares wird beim Splittingverfahren mit einem Steuersatz belastet, der niedriger ist als der Steuersatz, der von einem Unverheirateten mit gleich hohem Einkommen wie das Ehepaar zu zahlen wäre (Ausnahme: bezieht jeder Ehepartner ein Einkommen oberhalb der Progressionszone, hat der Splittingtarif keine entlastende Wirkung). Dies gilt aufgrund der Progressionswirkung auch gegenüber Wirtschaftsgemeinschaften, auf die nicht der Splittingtarif angewendet wird, bspw. unverheiratete Paare.

In Fällen, bei denen die Steuerpflichtigen ihre Einkommensquellen anderen Familienangehörigen zuordnen können, kann ein faktisches Familiensplitting praktiziert werden, allerdings nur, wenn die Einkommensquellen bürgerlich-rechtlich wirksam auf andere Familienangehörige übertragen werden. In manchen Fällen, z.B. durch die Schenkung von Einkommen abwerfendem Vermögen, können erhebliche Schenkungssteuern oder Vermögensnachteile dadurch entstehen.

Das Ehegattensplitting ist nicht nur bei progressiven Steuertarifen, bei denen der Durchschnittsteuersatz keine Konstante ist, sondern mit steigendem Einkommen ansteigt, von Bedeutung. Auch bei einer Einheitssteuer (auch Flat Tax genannt) mit nicht übertragbarem Freibetrag bewirkt der Grundfreibetrag einen Splittingvorteil, wenn einer der beiden Partner weniger als den Freibetrag verdient.

Beispiele

  • Beispiel 1: Die Ehegatten A und E haben ein zvE von 80.000 ?. Ehegatte A hat dazu 60.000 ?, Ehegatte E 20.000 ? beigetragen. Die tarifliche Einkommensteuer für die Ehegatten beträgt 18.446 ?.
  • Beispiel 2: Wenn jeder der Ehegatten aus dem Beispiel 1 sein Einkommen selbst versteuern müsste, ergäbe sich folgende Rechnung::
    • zvE von A = 60.000 ?, tarifliche Einkommensteuer: 17.286 ?
    • zvE von E = 20.000 ?, tarifliche Einkommensteuer: 2.850 ?
    • Einkommensteuer von A und E zusammen: 20.136 ?
    • Mehr zu zahlende Einkommensteuer im Vergleich zu Beispiel 1: 1.690 ?
  • Beispiel 3: Wie Beispiel 1, jedoch hat jeder Ehegatte jeweils 40.000 ? zu versteuern.:
    • Einkommensteuer insgesamt: 18.446 ?
    • Unterschied zu Beispiel 1: 0 ?

Ergebnis: Das Ehegattensplitting verschafft den Ehegatten A und E einen Splittingvorteil von 1.690 ? gegenüber einem unverheirateten Paar mit derselben Einkommensverteilung.

Vergleicht man mit einem anderen Ehepaar, das ebenfalls ein Gesamteinkommen von 80.000 ? hat, hier aber jeder Ehepartner zu diesem Einkommen die Hälfte beiträgt, ist der Steuervorteil 0 ?.

Das Splitting stellt sicher, dass alle Ehepaare mit dem Gesamteinkommen von 80.000 ? gleich besteuert werden, weil sie ja auch die gleiche Leistungsfähigkeit haben.

Der Splittingvorteil ist abhängig

  • a) von der Verteilung des zvE zwischen den Ehegatten
  • b) von der Höhe des zvE insgesamt.

Der maximale Splittingvorteil im Vergleich zu einem unverheirateten Paar beträgt 7.914 ? im Jahr 2005 und wird ab einem zvE von 104.304 ? erzielt, vorausgesetzt, dass ein Ehegatte das gesamte zvE allein erwirtschaftet. Haben beide Ehegatten gleichviel zum zvE beigetragen, ist der Splittingvorteil 0 ?. Im Jahr 2007 beträgt der maximale Splittingvorteil, aufgrund der eingeführten "Reichensteuer", 15.414 ? und wird ab einem zvE von 500.000 ? erzielt.

Erweiterung des Splittingsystems

In einigen Ländern wird das Splittingsystem auf weitere unterhaltsberechtigte Familienmitglieder, etwa in Frankreich auf Kinder, ausgedehnt (Familiensplitting). Begründung ist hier der Familienlastenausgleich und die Förderung von Kindern.

Varianten zur Einschränkung des Splittings

Länder in der Europäischen Union

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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