Zurück zum Haupttext "Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen"

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen: Diskussion

An dem Entwurf kam Kritik von Seiten des LSVD auf, weil er bei der Mahnung an die Zukunft die Lesben nicht angemessen berücksichtigte. Der LSVD-Vertreter im Preisgericht hatte aus diesem Grund auch für einen anderen Wettbewerbsbeitrag gestimmt. Er formulierte:

"Das Denkmal darf keinen Lesben ausschließenden Charakter bekommen. Das Denkmal soll auch ein Lernen aus der Geschichte im Sinne eines "Nie wieder" symbolisieren. Gerade für die Aufgabe, gegenwartsbezogen ein Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen, dürfen Lesben nicht unsichtbar bleiben. Hier muss am Entwurf weiter gearbeitet werden. Der LSVD setzt sich für eine Erweiterung des Konzepts ein, das den künstlerisch beeindruckenden Entwurf inhaltlich optimiert. ... Lesbische Beziehungen wurden nicht strafrechtlich verfolgt. War den Nazis die Homosexualität inhaftierter Frauen bekannt, bedeutete das dennoch verschärfte Bedrohung. Insgesamt ist aber die Situation lesbischer Frauen im Nationalsozialismus "kaum mit eindeutigen Verfolgungskriterien zu belegen" (Dr. Claudia Schoppmann, Vortrag im vorbereitenden Kolloquium für den Kunstwettbewerb zum Denkmal, 2005). Schwule und Lesben erlebten aber gemeinsam die Zerschlagung ihrer Infrastruktur durch die Nazis. Lesben lebten eingeschüchtert und waren in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Es war eine "Zeit der Maskierung"."

Am 28. August führte der LSVD zu diesem Thema in Berlin eine Diskussionsveranstaltung mit den Künstlern durch. Kurz vor der Veranstaltung protestierte EMMA mit einem Aufruf dagegen, "dass das geplante Homo-Denkmal in Berlin ausschließlich männliche Homosexuelle zeigt" und fordert, "dass auch die weiblichen Homosexuellen angemessen berücksichtigt werden."

Die Künstler entgegneten auf den scharfen Protest mit einer Erklärung unter dem Titel "Ein Porträt ist keine Repräsentation". Sie wiesen die Intention des Ausschlusses weit von sich und gaben zu bedenken: "Ein Denkmal ist eine Form künstlerischen Ausdrucks und das Resultat persönlicher Interpretation - dies macht es zum Kunstwerk." Sie erklärten ihren "Entschluss, das Bild zweier küssender Jungs zu nehmen ... [damit], dass wir Machismus und Homophobie als eng verbunden betrachten. Das Selbstbild einer männlichen Sexualität, das alles fürchtet, was es potentiell bedrohen könnte."

Die Strafrechtsprofessorin Monika Frommel sagte zum Streit um das Mahnmal für die homosexuellen Opfer der NS-Zeit gegenüber der taz: "Ignoriert zu werden, wie die lesbischen Frauen durch die Nationalsozialisten, mag kränkend sein, ist aber keine Tragödie - und erst recht keine Verfolgung. Das Mahnmal sollte nur den schwulen Männern gewidmet sein".

Nach einem längeren Diskussionsprozeß erzielte die Bundesregierung unter Einbeziehung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine Einigung bei der Darstellung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen.

Ähnliche Themen:

Verwandte Themen

Zurück zum Haupttext "Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen"

Index: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel "Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren über folgende Adresse verfügbar: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Denkmal+f%FCr+die+im+Nationalsozialismus+verfolgten+Homosexuellen&action=history