Büstenhalter

Der Büstenhalter (abgekürzt und umgangssprachlich BH , früher auch als Büha bezeichnet) ist ein Wäschestück, das die weibliche Brust stützen und formen soll.

Form und Aufbau

Ein Büstenhalter besteht aus zwei geformten, miteinander verbundenen Körbchen ("Cups") zur Aufnahme der Brüste , zwei über beide Schultern führende Träger zur vertikalen Stabilisierung und einem am Rücken verschließbaren Band zur horizontalen und eigentlichen Stabilisierung. Handelsübliche Büstenhalter haben den Verschluss meistens am Rücken, er kann aber auch vorne zwischen den Körbchen liegen ("französisch"). Erhältlich sind auch Kombinationen der Grundtypen oder Sonderformen wie Reißverschlüsse oder Knöpfe. Sowohl die beiden Schulterträger als auch das Rückenteil lassen sich zur Feinanpassung verstellen, z. B. ist der Rückenverschluss zur Weitenregulierung meist in zwei bis drei verschieden weit entfernte Ösen einhakbar. Weder Schulterträger noch Rückenband dürfen einschneiden, sonst sind sie zu knapp bemessen. Unter dem Rückenband sollten noch zwei Finger Platz haben. Sitzt es nicht waagerecht, sondern ist nach oben verschoben, so ist entweder ein kleineres Unterbrustmaß oder ein größeres Körbchen zu wählen.

Geschichtliches

Das Konzept, die Brüste zu bedecken und zu stützen, reicht mindestens ins antike Griechenland vor 6.500 Jahren zurück. Im Jahr 2.500 v. u. Z. verdeckten minoische Frauen auf Kreta ihre Brüste . In griechischen Stadtstaaten wie Sparta, in denen Frauen die Teilnahme an Sportveranstaltungen gestattet war, sollen diese sich die Brüste abgebunden haben, um männlicher zu erscheinen. In der Antike und dem Mittelalter trugen Frauen Binden aus Leinen über den Brüsten, um diese zu bedecken und zu stützen. Anfang des 19. Jahrhunderts waren einfache "Brustleibchen" üblich. Da sich darunter die Brustwarzen abzeichneten, kamen wattierte "Brustverbesserer" auf, die einem BH schon sehr ähnlich sahen und auch später über dem Korsett getragen wurden.

Der erste moderne Büstenhalter wurde jedoch erst 1889 von der Französin Herminie Cadolle patentiert. In Deutschland wurden weitere Patente für den Büstenhalter angemeldet. Hugo Schindler meldete seinen "Brusthalter" 1891 an. Dieser hatte zwei an einem Gürtel befestigte Kappen, die oben mit Bändern befestigt wurden. Christine Hardt aus Dresden meldete am 5. September 1895 ihr "Frauenleibchen als Brustträger" zum Patent an. Es bestand aus zusammengeknüpften Taschentüchern und Männerhosenträgern, die sogar schon verstellbar waren. Der schwäbische Korsettmacher Wilhelm Meyer-Ilscher entwickelte 1904 seine "Bruststütze ohne Unterteil" (erst später patentiert). Weltweit sollte eine Unzahl weiterer Patentierungen folgen.

Etwa gleichzeitig mit Hugo Schindler erfand in den USA Mary Phelps-Jacobs einen Ersatz für das Mieder: Aus zwei Tüchern und einigen Bändern fertigte sie ein Wäschestück, um ihre Brüste zu bedecken. 1914 ließ sie diese Erfindung patentieren und verkaufte das Patent anschließend für 1.500 $ an die Warner Brothers Corset Company. Offiziell gilt sie als Erfinderin des BH, was vermutlich auf ihren guten Geschäftssinn zurückzuführen ist. Mit dem Beginn der industriellen Fertigung war der Siegeszug des Büstenhalters nicht mehr aufzuhalten.

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs löste der Büstenhalter vielerorts endgültig das unbequeme Korsett ab. Die ersten Modelle bestanden aus Leinen; ab den 1920er Jahren wurden sie auch aus Seide, Musselin oder Batist hergestellt. Als der BH das Mieder zu verdrängen begann, kamen parallel dazu auch Hüfthalter und Strapse auf. Während der 1930er Jahre kamen Mieder erneut in Mode. Ebenfalls zu Beginn der 1930er wurden in den USA erstmals die noch heute bekannten Standardgrößen (A-, B- und C-Körbchen) eingeführt. Erst 1947, mit dem so genannten New Look, verdrängte der Büstenhalter endgültig das Mieder. Es gab fortan BHs mit verstärkten Körbchen (mit Fischbein-, später Metallbügel unterhalb der Schalen), wattierte und verstärkte BHs, Push-ups, BHs ohne Verschluss, Verschluss hinten oder vorne usw.

Ebenso wie bei anderen Kleidungsstücken durchlief der BH eine Vielzahl von Moden: knabenhaft in den 1920er Jahren, rund in den 1930ern und spitz in den 1950er Jahren. Ab 1994, mit der Einführung des "Wonderbra " oder "Push-Up" und neuer Materialien, kam es zu einem neuen BH- und Lingerie-Boom.

BH-Formen

Allgemeine BH-Formen

  • Bügel-BH (älteste Form des Büstenhalters, mit Draht oder Plastik verstärkt, stabilisiert die Brust stärker, deshalb besonders für größere Cups geeignet)
  • Bügelloser BH (durch den flexibleren Aufbau verbesserter Tragekomfort)
  • Bandeaux-BH (Oberteil in Form eines abgewandelten breiten Bandes, oft trägerlos)
  • Ballkleid-BH (ohne Schulterträger, mit besonders tief sitzendem Rückenteil, zum Tragen unter rückenfreien Kleidern oder Tops)
  • Nackenträger-BH (ohne Trägerband um den Rücken, Vorderverschluss, z. B. um Rücken frei zu halten)
  • Nur-Cup-BH (selbsthaftende Silikon-Cups, bzw. unter die Brüste klebbare Einweg-Cups, z. B. um Rücken und Dekolleté frei zu halten, auch unter dem Badeanzug tragbar)

Modellierende BHs

  • Push-up-BH (zur optischen Vergrößerung kleinerer Brüste oder zur Modellierung des Dekolletés )
  • Minimizer-BH (zur optischen Verkleinerung größerer Brüste , bzw. zur Erreichung einer weniger weiblich wirkenden Silhouette bei normaler Brustgröße)

BHs zu Sportzwecken

  • Sport-BH (besonders stabilisierend, oft aus Funktionsfasern, auch mit integrierter Herzfrequenzmessung)
  • Bikini (Badebekleidung, einzige öffentlich getragene BH-Form)

Medizinische BHs

  • Arthritis-BH (bei Bewegungseinschränkungen, mit leicht zu öffnendem Verschluss zwischen den Cups)
  • Still-BH (Cups zum Stillen einzeln aufklappbar)
  • Kompressions-BH (nach Brustoperationen, wie Vergrößerung, Verkleinerung oder Rekonstruktion) zur Ruhigstellung der Brust und besseren Wundheilung)
  • Epithesen-BH (Prothesen-BH)

Sonstige Wäsche-Stücke mit BH-Funktion

  • Bustier (nicht ganz bis zur Taille reichendes Oberteil)
  • Büstenhebe (Cups, die nur unterhalb der Brüste stützen, sie aber nicht bedecken)
  • Korsett (geschnürtes, sehr steifes Mieder zur Modellierung von Brust und Taille)
  • Bodysuit (umgangssprachlich "Body"; enganliegende, einteilige Unterkleidung in Form eines Badeanzugs)
  • Torselett (leichtes Korsett )
  • Korselett (leichtes Korsett in Form eines Bodysuit )

Material und Pflege

Büstenhalter bestehen meist aus einem Mix aus zwei der drei Materialien:

  • Baumwolle
  • Polyamid
  • Elasthan
  • aber auch: Polyester, Polyurethan, Viskose u. a.
Bei Maschinenwäsche empfiehlt sich das Waschen in kleinen textilen Wäschesäckchen. Die in Bügel-BHs eingenähten Plastikteile könnten sonst durch Reibung an der Metalltrommel freigelegt werden und zu Schäden an der Waschmaschine führen. BHs mit aufwändigen Spitzenverzierungen sind meist nur per Handwäsche bzw. im Wollprogramm waschbar.

Hersteller

Bekannte Markenhersteller von Miederware und BHs sind u. a.: Argentovivo, Aubade, Antigel, Antinea, Barbara, Chantelle, Charnos, Damaris, Escora, Felina, Freya, Goddess, Gossard, Hanro, Huit, Janet Reger, La Perla, Lejaby, Le Mystère, Lisca, Lise Charmel, Marie Jo, Naturana, Nubra, Palmers, Passionata, Playtex, Princesse tam.tam, Prima Donna, Ravage, Rigby & Peller, Sarah Fisk, Sariana, Simone Pérèle, Skiny, Spoylt, Swegmark, Teleno, Triumph, Valisere, Veradonna, Victoria Secret, Wacoal, Wolford.

Medizinischer Aspekt

BH-Größensysteme nach Ländern

Aspekte der BH-Größen

Sonstiges

Siehe auch

Weblinks

Verwandte Themen

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