BDSM: BeziehungsartenSpielbeziehungenViele Anhänger des BDSM betrachten die Ausübung von BDSM in ihrem Sexualleben als erotisches Rollenspiel und sprechen in diesem Zusammenhang daher auch von Spiel und spielen. Die Durchführung eines solchen Spieles bezeichnet man als "Session", und bezogen auf den Inhalt und die Umstände des Spiels spricht man von Scene (englisch für Szene, meint auch Inszenierung). Analog dazu spricht man auch von Spielbeziehungen und meint damit zweierlei: Zum einen bezeichnet man mit diesem Begriff gewöhnliche gleichberechtigte Partnerschaften, in denen BDSM Teil oder Vorspiel der Sexualität ist. Bestehen mehrere Partnerschaften mit intensiven emotionalen Bindungen über eine längere Zeit hinweg, so kann eine Überschneidung mit der Praxis von Polyamory bestehen. Es können mit dem Begriff Spielbeziehungen aber auch Partnerschaften gemeint sein, die ausschließlich gelegentliches gemeinsames Ausleben bestimmter sexueller Fantasien zum Ziel haben und in denen sonst kein weiteres partnerschaftliches Verhältnis besteht. Weitverbreitete RollenmodelleTops und BottomsIm Bereich BDSM nennt man den Partner einen Top, der die aktive, d.h. kontrollierende Rolle in einer häufig durch die Ausübung von Schmerz, Erniedrigung oder Unterwerfung geprägten Session hat. Der als Bottom, häufiger als Sub bezeichnete Partner setzt sich für die Dauer der Session freiwillig solchen Handlungen aus und ist der passive Teil. Wenn auch der Top häufig der dominante Teil und der Bottom der devote, d.h. der unterwürfige Partner ist, muss dem nicht unbedingt so sein. Der Top ist manchmal derjenige, der den Anweisungen folgt, d.h. er "toppt" den Bottom nach dessen Wünschen und auf eine Art und Weise, die dieser ausdrücklich verlangt hat. Eine Person, die in einer Session in diesem Sinne nur scheinbar die Kontrolle ausübt, sich in Wirklichkeit jedoch strikt an die Anweisungen des Bottoms hält, nennt man im angelsächsischen Sprachraum Service Top. Im Gegensatz zum Service Top steht der rein dominante Top, der dem devoten Partner innerhalb der Session Befehle erteilen oder ihn unter Verwendung körperlicher oder psychologischer Kontrolltechniken unterwerfen kann. Wenn er es wünscht, kann er den devoten Partner auch anweisen, eine entsprechende Kontrolle vorübergehend auch über ihn selbst auszuüben. Ähnliches gilt umgekehrt auch für Bottoms und devote Partner. Hierbei stehen am einen Ende des Spektrums devote Partner, die es genießen, Befehle zu empfangen und auszuführen, dem Empfang körperlicher Stimulationen jedoch gleichgültig bis ablehnend gegenüberstehen. Am anderen Ende des Spektrums steht der Bottom, der körperliche und psychologische Stimulationen genießt, sich aber der Person, die ihm diese zufügt, nicht unterwirft. Der Bottom ist häufig der Partner, der die Rahmenbedingungen festlegt und im Vorfeld Anweisungen direkt oder indirekt erteilt, während der Top sich nach diesen Anleitungen richtet. Trotzdem existiert eine kleine, sehr puristische Schule innerhalb des BDSM, die ein solches Topping from the Bottom als unvereinbar mit den hohen ethischen Standards betrachtet, die aus ihrer Sicht an BDSM-Beziehungen anzulegen sind. Switcher Einige BDSM-Anhänger switchen, das bedeutet, sie spielen beide Rollen, sowohl die dominante als auch die devote. Sie praktizieren dies entweder innerhalb einer einzigen Session oder nehmen diese unterschiedlichen Rollen in unterschiedlichen Sessions mit demselben oder mit unterschiedlichen Partnern ein. Die Gründe hierfür können beispielsweise darin liegen, dass sich ein Switcher in einer Partnerschaft befindet, in der sein Partner die gleiche primäre Ausrichtung wie er selbst hat (beispielsweise zwei Tops), so dass das Switchen die einzige Möglichkeit darstellt, innerhalb der Beziehung alle BDSM-Bedürfnisse erfüllen zu können. Einige Personen wechseln die Rollen, ohne sich selbst als Switcher zu betrachten, da sie es nur sehr unregelmäßig oder nur unter bestimmten Bedingungen tun. Außererotischer BDSMIm Gegensatz zu solchen Spielbeziehungen stehen partnerschaftliche Beziehungen, die auch über den erotischen Bereich hinaus klar von Vorstellungen aus dem Bereich BDSM bestimmt sind. Die beteiligten Partner pflegen dabei auch in ihrem täglichen Leben ein entsprechendes Machtverhältnis zueinander und machen Aspekte des BDSM gemeinsam zu ihrem Lebensstil - womit man BDSM nicht mehr als rein sexuelles Phänomen bezeichnen kann. Man spricht hierbei von 24/7-Beziehungen, hergeleitet von 24 Stunden täglich an 7 Tagen in der Woche. Eine weitere Bezeichnung für derartige Verhaltensweisen ist D/s. Diese Bezeichnung leitet sich daraus ab, dass der dominante Partner den submissiven Partner dauerhaft in der Mehrheit seiner Lebensbereiche dominiert; hierbei werden einzelne Lebensbereiche, wie zum Beispiel Arbeit, Familie oder Freunde, aus der D/s-Beziehung ausgeklammert und nicht unter die Kontrolle des dominanten Partners gestellt. Einige D/s-Beziehungen umfassen hingegen sämtliche Lebensbereiche, derartige Konstellationen werden unter der Bezeichnung Total Power Exchange, kurz TPE umschrieben. In D/s- und erst recht in TPE-Beziehungen finden Änderungen der Machtverhältnisse (sogenanntes Switchen) nicht statt. TPE-Beziehungen dürften das am geringsten verbreitete Rollenverhalten innerhalb des BDSM-Spektrums darstellen. Professionelle DienstleistungenEine Domina bietet sexuelle Dienstleistungen aus dem Bereich BDSM entgeltlich an. Viele Dominas verstehen sich dennoch nicht als Prostituierte, da es im Regelfall nicht zum Geschlechtsverkehr zwischen Domina und Kunden kommt. Die männliche Entsprechung der Domina, vorwiegend im Umfeld männlicher Homosexueller, heißt Sado. Weitaus seltener können auch die Dienste einer professionellen Sklavin oder Zofe in Anspruch genommen werden. Eine Zofe duldet gegen Bezahlung und nach Absprache dominantes Verhalten, verbale Demütigungen und dergleichen, eine Sklavin auch Fesselungen und schmerzhafte Praktiken wie Spanking, Nadelung und teilweise weniger verbreitete Praktiken wie Spiele mit Kot und Urin sowie Analverkehr oder Anilingus. Beide dulden teilweise auch den Geschlechtsverkehr. Im nichtkommerziellen BDSM-Bereich ist der Begriff Domina unüblich. Eine Frau mit dominanten Neigungen wird als FemDom, umgangssprachlich häufig auch als Domse bezeichnet. 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