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BDSM in Kultur und Medien

Presse und TV

Veranstaltungen und Persönlichkeiten um BDSM kamen in einigen Fällen in das Rampenlicht der Berichterstattung:

  • Die Berliner Zeitung berichtete über den Regierenden Bürgermeister und bekennenden Homosexuellen Klaus Wowereit unter der Überschrift "Wowereit und das Sado-Maso-Fest", nachdem dieser ein Grußwort zur Folsom-Europe-Parade verfasst hatte. Die Zeitung sprach von einer "echt harten Nummer", nachdem die lokale CDU das Grußwort Wowereits als "mit der Würde des hohen Amtes nicht vereinbar" bezeichnet hatte und Flugblätter aufgetaucht waren, in denen behauptet wurde, Wowereit "verharmlose rassistische Vergewaltigungspornographie als Lebensfreude pur". Im Jahr 2006 unterstützte der zu diesem Zeitpunkt um eine Wiederwahl kandidierende Wowereit die Veranstaltung erneut mit einem Grußwort. Sein konservativer Gegenkandidat Friedbert Pflüger erklärte hingegen, von ihm würde das Festival kein Grußwort bekommen, man müsse schon genau darüber nachdenken, welche Veranstaltung man mit einem Grußwort auszeichne.
  • Die Münchner Abendzeitung titelte im Oktober 2005 "Aufstand gegen Sado-Maso-Party" und berichtete im Innenteil unter der Schlagzeile "Sado-Maso-Party erregt Allgäuer" über die Anmietung eines Schlosses durch einen Veranstalter von SM-Partys unter anderem: "Es war ein gigantischer Sündenpfuhl mit 150 Leuten". Lokale Zeitungen hingegen berichteten, nach außen hin sei es bei der Veranstaltung so gesittet wie bei einer Familienfeier zugegangen. Bereits im Jahr zuvor hatte ein RTL-Kamerateam ohne Drehgenehmigung und mit versteckter Kamera Aufnahmen auf der gleichen Veranstaltung gemacht. Der Sender verglich damals die Party auf seiner Webseite mit dem Film Eyes Wide Shut.
  • Nach dem Bekanntwerden des ehrenamtlichen BDSM-Engagements des UN-Waffeninspekteurs Jack McGeorge verglichen einige Kommentatoren BDSM wiederholt mit den Foltertechniken des Regimes Saddam Husseins, andere die heutige Diskriminierung von BDSM-Anhängern mit der Situation von Homosexuellen in der Vergangenheit.

Neben diesen Berichten existieren Pressemeldungen, in denen ebenfalls der Begriff "Sado-Maso" gebraucht wird, ein Bezug zu BDSM jedoch nicht besteht bzw. von BDSMlern zurückgewiesen wird:

  • Im Fall des als Kannibale von Rotenburg bekanntgewordenen Armin Meiwes kam es in vielen Boulevardblättern und Fernsehsendungen wochenlang immer wieder zu Hinweisen auf "Sado-Maso-Spiele" des Täters mit seinem Opfer.
  • Die von der Feministin Alice Schwarzer herausgegebene Zeitschrift EMMA setzte ihre PorNO-Kampagne gegen Frauenhass und Gewaltpornographie fort. In ihr vertritt Schwarzer unter anderem die Auffassung, dass sado-masochistische Praktiken generell mit verurteilenswerter Gewalt gegenüber Frauen gleichzusetzen sind. Der Fotograf Helmut Newton wurde in der Publikation erneut der "Pornografisierung der Modefotografie" und "seiner darin ungehemmt ausgelebten sado-masochistischen Obsessionen" beschuldigt.

Von Seiten sadomasochistischer Organisationen und Medien wurde eine überwiegend einseitige Berichterstattung über BDSM bzw. über Personen und Ereignisse aus diesem Bereich kritisiert. Die Interessenvertretung Bundesvereinigung Sadomasochismus bemänglte, dass Redakteure häufig die komplexen emotionalen Aspekte des Themas ignorierten und stattdessen vorwiegend die voyeuristische Sensationslust ihrer Zielgruppe durch Fokussierung auf verschiedene Praktiken und verwendete Gegenstände befriedigten. Sie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Interviews oft quotentauglich zusammengeschnitten und kommentiert wurden, so dass ein gänzlich anderer Gesamteindruck als in den Originalinterviews entstand.

Die BVSM vertritt in in ihrer Stellungnahme die Auffassung, dass eine solche Berichterstattung bei den Lesern sensationsgieriges Interesse auf der einen Seite und Unverständnis bis Abscheu auf der anderen erzeugten. Die Organisation kritisiert, so würden Vorurteile zementiert anstatt, die Hintergründe klar darzustellen. Die Darstellung sei oft einseitig und undifferenziert und konzentriere sich mehr auf die extremen (Lustmord) und die glamourösen Aspekte (SM-Partys), statt tatsächlich über das Thema zu informieren.

Belletristik

Hauptartikel: Sadomasochistische Literatur

In der Literatur ist vor allem Sadomasochismus ein Dauerbrenner und hat einige Klassiker hervor gebracht, z. B. Die Geschichte der O von Anne Declos (unter dem Pseudonym Pauline Réage), Justine von Marquis de Sade, Venus im Pelz von Leopold von Sacher-Masoch oder die Kultcomics von Eric Stanton. Als literarisches Kuriosum zu erwähnen ist Marthas Brief an Leopold Bloom in Ulysses von James Joyce. Der 1978 erschienene Roman 9 1/2 Wochen. Erinnerungen an eine Liebesaffäre von Elizabeth McNeill bildete die inhaltliche Grundlage für die sehr erfolgreiche Hollywoodverfilmung 9 1/2 Wochen. Eine moderne deutschsprachige sadomasochistische Autobiografie ist Dezemberkind von Leander Sukov aus dem Jahr 2005.

Zusammen mit der von der bekannten US-amerikanischen Autorin Anne Rice unter dem Pseudonym A. N. Roquelaure veröffentlichten drei Bände umfassenden Dornröschen-Trilogie (The Claiming of Sleeping Beauty, 1983), ''Beauty's Punishment (1984) und Beauty's Release'' (1985) zeigt sich hier, dass das Thema BDSM mittlerweile in lange nicht vorstellbarer Offenheit in der internationalen Literatur angekommen ist.

Eine ab Juli 2006 unter der Bezeichnung Bild-Erotik-Bibliothek veröffentlichte Literaturreihe der BILD und der Verlagsgruppe Random House ist der deutlichste Anhaltspunkt für das auch kommerzielle Potenzial der Thematik. Von neun Bänden der Reihe haben drei Titel den eindeutigen Schwerpunkt Sadomasochismus bzw. BDSM. Neben dem ebenfalls von Anne Rice unter dem Pseudonym Anne Rampling veröffentlichten Starttitel Verbotenes Verlangen (Exit to Eden) erscheinen in der Reihe der sadomasochistische Klassiker Geschichte der O. und der drastische Roman Brennende Fesseln (Topping from Below) von Laura Reese.

Obwohl den Klassikern der SM-Literatur de Sade und Sacher-Masoch ein Hang zu der Sexualität, die sie beschrieben haben, nicht abgesprochen werden kann, so ist doch zwischen den realen sexuellen Handlungen und den in Literatur umgesetzten Phantasievorstellungen zu unterscheiden. Es wäre eine unsinnige Forderung an die Authentizität von Literatur, dass der Autor praktizieren müsse, was er beschreibt. Tagebuchaufzeichnungen, Interviews und Erlebnisberichte bleiben Fiktion des Gelebten. So haben die sadomasochistischen Rituale als theatralische Inszenierungen zwar Fetischcharakter, nicht jedoch ist der Fetisch die Literatur. SM-Literatur beinhaltet auch keine besondere Philosophie oder Moral, sondern stellt wie jede andere Literaturgattung dem jeweiligen Zeitgeist ihrer Epoche dar. Mag sie in der Vergangenheit auch größerer Verfolgung ausgesetzt gewesen sein und mag sie deshalb besondere Strategien gegen Zensurmaßnahmen entwickelt haben - spätestens in der Gegenwart setzt sich, trotz weiter vorherrschender Behinderungen, zumindest bei den Autoren die Einsicht durch, dass SM-Literatur keiner besonderen Rechtfertigung mehr bedarf.

Sachbücher

Hauptartikel: Sadomasochistische Literatur

Im November 1981 veröffentlichte die US-amerikanische feministische Lesben-Gruppe Samois unter dem Titel Coming to Power: Writing and graphics on Lesbian S/M ein Buch, in dem sich Kurzgeschichten mit konkreten Hinweisen und Handlungsanleitungen abwechselten; es gilt als weltweit erstes BDSM-Handbuch. Sein Konzept wurde weltweit von vielen späteren Publikationen übernommen. Seit spätestens Ende der neunziger Jahre gibt es auch in Deutschland entsprechende Literatur, die sich sowohl an hetero- als auch an homosexuelle Lesergruppen richtet. Die bekannteste dieser Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum ist wahrscheinlich Das SM-Handbuch von Matthias T. J. Grimme.

Mit dem Sachbuch Die Wahl der Qual von Kathrin Passig und Ira Strübel ist erstmals auch eine Veröffentlichung auf dem Markt, die sich nicht an Personen aus der BDSM-Subkultur wendet, sondern weiten Bevölkerungskreisen eine breite Wissensbasis zum Themenbereich BDSM vermitteln und so Vorurteile abbauen will. Neben den Sachbüchern mit konkretem Praxisbezug gibt es eine umfangreiche Literatur zu mit dem Thema verbundenen wissenschaftlichen Publikationen.

Deutschsprachige Sachbücher

  • Kathrin Passig und Ira Strübel: Die Wahl der Qual. Rowohlt-Verlag 2004, ISBN 3-499-61692-0 (Ein informatives Buch für Personen, die sich erstmalig mit der Thematik BDSM auseinandersetzen wollen.)
  • Matthias T. J. Grimme: Das SM-Handbuch. Charon-Verlag 2002, ISBN 3-931406-01-6 (Ein eher technisches Handbuch mit Schwerpunkten bei der Erklärung von Praktiken und Sicherheitshinweisen)
  • Thomas A. Wetzstein et. al.: Sadomasochismus. Szenen und Rituale, Reinbek bei Hamburg, rororo 1994, ISBN 3-499-19632-8 (Basiert auf Auseinandersetzung einer soziologischen Forschergruppe der Universität Trier mit Szenen und Ritualen des Sadomasochismus)
  • Olaf May: Strafrecht und Sadomasochismus, Shaker Verlag 1997, ISBN 3-826-555-953
  • Norbert Elb: SM-Sexualität. Selbstorganisation einer sexuellen Subkultur, Psychosozial-Verlag 2006, ISBN 3898064700
  • Arne Hoffmann: Der Kick im Kopf. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2004 - ISBN 3-896-024-558

Englischsprachige Sachbücher

  • Jay Wiseman: SM 101: A Realistic Introduction. Greenery Press (CA) 1998, ISBN 0-9639763-8-9 (umfangreiches Nachschlagewerk inklusive einiger Schwerpunkte wie "BDSM als Lebensstil" und "BDSM in der Schwangerschaft")
  • Phillip Miller, Molly Devon, William A. Granzig (Vorwort): Screw the Roses, Send Me the Thorns: The Romance and Sexual Sorcery of Sadomasochism. Mystic Rose Books 1995, ISBN 0-9645960-0-8 (Ein reichbebildertes und umfangreiches Handbuch mit Schwerpunkten bei der Erklärung von Praktiken und Sicherheitshinweisen)
  • Dossie Easton, Janet W. Hardy: The New Topping Book. Greenery Press (CA) 2002, ISBN 1-890159-36-0 (Praktische und theoretische Einführung für Tops mit Schwerpunkt auf psychologischen Aspekten, praktischen und technischen Fragen, sowie detaillierten Tipps zur Partnersuche)
  • Dossie Easton, Janet W. Hardy: The New Bottoming Book. Greenery Press (CA) 1998, ISBN 1-890159-35-2 (Praktische und theoretische Einführung für Bottoms mit Schwerpunkt auf psychologischen Aspekten, praktischen und technischen Fragen, sowie detaillierten Tips zur Partnersuche)
  • Pat Califia (Hrsg.), Robin Sweeney (Hrsg.):The Second Coming: A Leatherdyke Reader., Alyson Publications 1996, ISBN 1555832814 (Fortsetzung des lesbisch-feministischen BDSM-Klassikers Coming to Power)
  • Mark Thompson (Hrsg.): Leatherfolk: Radical Sex, People, Politics, and Practice., Alyson Publications 1991, ISBN 1555836305, (28 Essays bekannter sadomasochistischer Autoren und Aktivisten)
  • Lady Green (Hrsg.), Jaymes Easton (Hrsg.): Kinky Crafts: 101 Do-It-Yourself S/M Toys, Greenery Press (CA) 1998, ISBN 0-9639763-7-0 (Detaillierter Ratgeber zu Selbstbau von BDSM-Spielzeug)
  • Peggy J. Kleinplatz, Charles Moser: Sadomasochism - Powerful Pleasures, Haworth Press, 2006, ISBN 978-1-56023-640-5

Film und Fernsehen

Nachdem BDSM zunächst unterschwellig als Motiv in einigen Filmproduktionen auftauchte, wurden Anfang der 1960er Jahre bedeutende literarische Werke wie beispielsweise die Die Geschichte der O und Venus im Pelz zum Teil sehr explizit verfilmt. Spätestens mit der Verfilmung von 9 1/2 Wochen wurde das Thema BDSM auch sehr publikumswirksam und kommerziell erfolgreich breiten Zuschauerschichten nahegebracht, wobei hierbei auf eine ästhetische Massenkompatibilität geachtet wurde. Seit den späten 1990er Jahren gelang es Filmen wie Preaching to the Perverted und Secretary, kommerziellen Anspruch und Authentizität zunehmend miteinander zu verbinden.

Mit der Entwicklung von dokumentarisch geprägten Produktionen wie und Wir leben ... SM! entwickelt sich mittlerweile ein weiterer filmischer Zugang zur Thematik, der sich gezielt auch an breite Zuschauergruppen wendet.

Nachdem im deutschen Fernsehen Filme mit BDSM-Thematik wie beispielsweise 9 1/2 Wochen, Tokio Dekadenz oder Secretary regelmäßig gezeigt werden, gibt es seit dem Jahr 2001 mit der kanadischen Produktion KinK erstmals auch eine eigenständige Fernsehserie, die BDSM zum Inhalt hat. Sie ist bisher in Deutschland nicht ausgestrahlt worden.

Das Spektrum der im Verlauf der vergangenen vier Jahrzehnte entstandenen Produktionen ist sehr groß und zeigt, dass BDSM-Themen mittlerweile fest im filmischen Mainstream verankert sind:

Neben diesen eher ästhetisch orientierten Filmen existiert ein breiter Markt für sadomasochistische Pornografie in Form von Pornofilmen. Der spanische Regisseur Jess Franco schuf als typischer Vertreter des Exploitation-Genres eine große Anzahl Filme, die unter anderem auf Werken des Marquis de Sade basieren und in Deutschland teilweise indiziert sind.

Marketing

Seit Anfang der neunziger Jahre werden Motive des BDSM immer wieder im Rahmen größerer Marketingkampagnen gezielt eingesetzt. Bekannte Beispiele im deutschsprachigen Raum sind Plakatmotive der Zigarettenmarken Camel und West, die ein in "typische" Lederkleidung drapiertes Kamel, beziehungsweise eine Domina mit Peitsche zum Inhalt haben. Während West das damalige Motiv wegen "Verstoßes gegen die guten Sitten" noch zurückziehen musste, fanden BDSM Motive in den folgenden Jahren immer wieder Verwendung. In Kanada präsentiert Mini 2005/2005 die Winterausstattung des Mini-Coopers in Form einer Interaktiven BDSM-Session, in der der User mit Unterstützung einer virtuellen Domina unterschiedlichste Schlagwerkzeuge auf dem Fahrzeug austesten kann und dabei die optionalen Sonderausstattungen erläutert bekommt. Der deutsche Dübelhersteller Fischer nutzt in einem persiflierenden Videoclip ebenfalls sadomasochistische Sujets zur Darstellung der Qualität seiner Produkte. In den USA tritt Anheuser-Busch als Sponsor der Folsom Street Fair auf, und die Jeansmarke Diesel schaltete in den letzten Jahren wiederholt sadomasochistische Anzeigenmotive in Modemagazinen. Die Markenanbieter persiflieren hierbei teilweise weitverbreitete Klischees und versuchen sich durch den angedeuteten Tabubruch erhöhte Aufmerksamkeit zu sichern und zugleich das Image der betroffenen Marken unkonventioneller und prägnanter zu gestalten.

Podcasts

Nachdem die unterschiedlichsten Möglichkeiten des Internets in den vergangenen Jahren immer wieder recht schnell aufgegriffen wurden, um Informationsangebote zum Thema BDSM bereitzustellen, werden seit Mitte 2005 zunehmend auch Podcasts angeboten, die den Schwerpunkt BDSM haben. Mit der zunehmenden Verbreitung von Videoplattformen wie YouTube finden sich auch auf diesen immer häufiger entsprechende Informationsangebote in Form selbstproduzierter Videoformate.

Zeitschriften

In den letzten Jahrzehnten erschienen wiederholt regelmäßige Publikationen zum Thema BDSM. Neben Kleinstverlagen waren hier auch organisierte Gruppen und Vereine aktiv. Einige Publikationen waren freies forum, Lack & Leder, Der gelbe Onkel, Marquis', Neue Gerichtszeitung, "O", RS-Magazin, Skin Two, und Twilight. Die meisten Printmedien wurden zwischenzeitlich wieder eingestellt oder wechselten ins Internet.

Die erstmals 1988 als Vereinszeitschrift erschienen Schlagzeilen gelten heute als zentrales Magazin der deutschsprachigen BDSM-Subkultur. Die regelmäßig erscheinende Zeitschrift wird vom Charon-Verlag in Hamburg herausgegeben.

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