Anna Halman

Anna Halman (* 21. Juni 1992; gest. 21. Oktober 2006 in Kie?pino Górne, Danzig), auch bekannt als Ania , war eine Schülerin eines Danziger Gymnasiums, die sich nach sexueller Nötigung und Mobbing in ihrer Klasse das Leben nahm. Ihr Fall wurde zu einem der größten Skandale des polnischen Schulwesens.

Hintergründe des Suizids

Am 21. Oktober 2006 war Ania von ihrer besorgten Mutter gefragt worden, ob ihr etwas zugestossen sei; sie antwortete unbestimmt, einige Stunden später erhängte sie sich. Polizeiliche Ermittlungen, die sich auch auf die Schule der Vierzehnjährigen erstreckten, brachten dann die Hintergründe ans Tageslicht.

Am Vortag hatte die Lehrerin die Schulklasse für etwa 20 Minuten verlassen. In dieser Zeit wurde sie dann vor der ganzen Klasse von fünf Mitschülern festgehalten, ausgezogen und angefasst, wobei die Täter eine Vergewaltigung vortäuschten. Das Ganze wurde von ihnen mit einem Fotohandy aufgenommen und sollte später ins Internet gestellt werden. Obwohl sie weinte und um Hilfe bat, blieb sie alleine; die ganze Klasse sah zu und amüsierte sich.

Nach Aussagen einiger Mitschüler war sie bereits häufiger von denselben Schülern schikaniert und gemobbt worden, nachdem sie es abgelehnt hatte, mit einem von ihnen befreundet zu sein. Weil sie jedoch sehr schüchtern und zurückhaltend war, hatte sie nie darüber gesprochen.

Bedeutung des Falls

Als skandalös werden in Polen die Reaktionen der nächsten Umgebung betrachtet: Zum einen behauptete die Schulleitung, es habe keine Anzeichen irgend eines Problems gegeben - obwohl Mitschülerinnen über solche Vorfälle sogar den Lehrern berichtet hatten. Zum anderen sahen nicht nur mehrere Schüler, sondern auch Bewohner des Dorfes, aus dem sowohl Ania als auch die fünf Täter stammen, in dem Vorfall lediglich "die üblichen Kinderspielereien"; die Schüler seien unschuldige "Opfer", die nur bestraft werden sollten, weil das Mädchen kein "Verständnis für solchen Spaß" habe aufbringen können. Darüber hinaus wurde der Danziger Erzbischof Tadeusz Goc?owski, scharf angegriffen, weil er in seiner Rede beim Begräbnis über ein zum Selbstmord getriebenes Opfer sprach. Nicht zuletzt ist auch das Gericht attackiert worden, das die Jugendlichen zu drei Monaten Haft verurteilte.

Die Bedeutung dieses Falles liegt darin, dass der Suizid - insbesondere aber die verharmlosenden Reaktionen darauf - ein ungewohnt großes Echo in der polnischen Presse fand. Hervorgehoben wird dabei, dass die Nötigung vor der ganzen Klasse stattfand, fürs Internet gefilmt wurde und von Personen begangen wurde, die das Opfer kannte (einer der Schüler war Anias Cousin); all das habe dem Mädchen, wie z.B. die Psychologin Wisanna Szyma?ska betonte, keinen Raum für eine andere Entscheidung gelassen. Der Psychologe und Journalist Piotr Pacewicz schrieb dazu: "Es war eine Vergewaltigung . Zwar eine vorgetäuschte, in Wahrheit hat sie sich jedoch keineswegs von einer tatsächlichen unterschieden". Für ihn ist es besondere beunruhigend, dass die Mitschüler die sexuelle Nötigung mehrheitlich als ein amüsantes und völlig normales Tun betrachten.

Konsequenzen

Siehe auch

Weblinks

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