Aids

A cquired I mmune D eficiency S yndrome (engl. für erworbenes Immundefektsyndrom, zumeist als AIDS oder Aids abgekürzt) bezeichnet eine spezifische Kombination von Symptomen, die beim Menschen in Folge der durch Infektion mit dem HI-Virus induzierten Zerstörung des Immunsystems auftreten. Diese Symptome bestehen aus Sekundärinfektionen (auch opportunistische Infektionen genannt) und Tumoren. Bereits während der mehrjährigen, symptomfreien Inkubationsphase können antivirale Medikamente eingesetzt werden, die die Lebenserwartung von Infizierten steigern können. Eine Heilung ist jedoch nicht möglich, da die HI-Viren nicht vollständig aus dem Körper entfernt werden können.

Aids wurde am 1. Dezember 1981 als eigenständige Krankheit erkannt und tritt in Gestalt einer Pandemie auf. Die WHO schätzt die Anzahl der 2006 an Aids Verstorbenen auf etwa 2,9 Millionen Menschen, mit 39,5 Millionen lebenden Infizierten und 4,3 Millionen Neuinfektionen im Jahr. Der Anteil der HIV-Infizierten liegt weltweit durchschnittlich bei etwa 1 % der 15- bis 49-jährigen, erreicht in einzelnen afrikanischen Staaten jedoch Werte um 20 %.

Definition und Klassifikation

Klassifikation im ICD-10

Im ICD-10 können zahlreiche Krankheiten als Folge einer HIV-Infektion codiert werden, beziehungsweise auch die HIV-Infektion ohne Symptome. Die genaue Art der Folgeerkrankung wird in der zuletzt 2006 von der Weltgesundheitsorganisation aktualisierten Version des ICD-10 in einer vierten Stelle verschlüsselt, zum Beispiel: B20.6 Pneumocystis-Pneumonie infolge HIV-Krankheit.

Der ICD wurde ursprünglich geschaffen, um die weltweite Erforschung von Morbidität und Mortalität mit einer international einheitlichen Systematik zu ermöglichen. In vielen Ländern dient der ICD-10 – zum Teil in nationaler Anpassung – zusätzlich als Grundlage für die Vergütung von medizinischen Leistungen.

CDC-Definition

Die international anerkannteste und am weitesten verbreitete Definition von Aids ist die Klassifikation des Centers for Disease Control and Prevention. Sie berücksichtigt neben Laborparametern vor Allem klinische Faktoren.

HIV Infektionen werden demnach in drei Kategorien A bis C unterteilt. Die Kategorien A und B enthalten asymptomatische HIV Infektionen bzw. HIV assoziierte, jedoch nicht Aids-definierende Krankheitsbilder. Die Kategorie C definiert zu Aids progredierte HIV Infektionen über Aids-definierende Sekundär-Erkrankungen. Es handelt sich um meist opportunistische bzw. maligne Erkrankungen, die bei einem gesunden Immunsystem nicht oder nicht in der vorliegenden Weise auftreten.

Aids-definierende Erkrankungen:

  • Candidose von Bronchien, Trachea oder Lungen
  • Candidose, ösophageal
  • CMV-Infektionen (außer Leber, Milz, Lymphknoten)
  • CMV-Retinitis (mit Visusverlust)
  • Enzephalopathie, HIV-bedingt
  • Herpes simplex-Infektionen: chronische Ulzera (> 1 Monat bestehend; oder Bronchitis, Pneumonie, Ösophagitis)
  • Histoplasmose, disseminiert oder extrapulmonal
  • Isosporiasis, chronisch, intestinal, > 1 Monat bestehend
  • Kaposi-Sarkom
  • Kokzidioidomykose, disseminiert oder extrapulmonal
  • Kryptokokkose, extrapulmonal
  • Kryptosporidiose, chronisch, intestinal, > 1 Monat bestehend
  • Lymphom, Burkitt
  • Lymphom, immunoblastisches
  • Lymphom, primär zerebral
  • Mycobacterium avium complex or M. kansasii, disseminiert oder extrapulmonal
  • Mycobacterium, andere oder nicht identifizierte Spezies disseminiert oder extrapulmonal
  • Pneumocystis-Pneumonie
  • Pneumonien, bakteriell rezidivierend (> 2 innerhalb eines Jahres)
  • Progressive multifokale Leukenzephalopathie
  • Salmonellen-Septikämie, rezidivierend
  • Tuberkulose
  • Toxoplasmose, zerebral
  • Wasting-Syndrom
  • Zervixkarzinom, invasiv

Daneben gibt es eine Einteilung von Laborwerten nach CD4-Zellen/µl

  • Kategorie 1: >= 500 CD4-Zellen/µl
  • Kategorie 2: 200 – 499 CD4-Zellen/µl
  • Kategorie 3: < 200 CD4-Zellen/µl

Trotz einheitlicher CDC-Klassifikation gibt es regionale Unterschiede bei der Definition von Aids. So gilt in den USA die Diagnose Aids bereits dann als gesichert, wenn ein Patient weniger 200 CD4-Zellen/µl hat. In Deutschland liegt der Fokus bei der Diagnose Aids ganz klar auf dem klinischen Bild.

Nach CDC-Definition muss jedoch immer ein positiver HIV-Test und ein Bestätigungs-Test vorliegen. Eine rein klinische Diagnose ist auch in Deutschland vor diesem Hintergrund nicht möglich.

Die CDC-Klassifikation ist neben epidemiologischen Aspekten auch eine brauchbare Orientierung über die individuelle Situation eines Patienten. Dennoch wäre eine Überarbeitung vor dem Hintergrund veränderter Therapieoptionen und damit veränderter Krankheitsbilder dringend notwendig. Gerade für die eigene Orientierung eines Patienten sind die Perspektiven einer Therapie, wie etwa persönliche Resistenzsituation, Virusstamm, Tropismus, Vorekrankungen oder Vorbehandlungen, inzwischen meist wichtiger als die CD4-Zellzahl.

Auch werden Infektionen, die alle Kriterien einer opportunistischen Erkrankung erfüllen, nicht berücksichtigt, weil sie in den USA selten sind oder nicht vorkommen.

In Südostasien ist z.B. eine Infektion mit Penicillium marneffei unter HIV Patienten stark verbreiteten und nicht selten fatal. Auch andere Erkrankungen (Aspergillosen, Mikrosporidiosen, Leishmaniosen, Morbus Hodgkin, ...) sind bislang unberücksichtigt. Dagegen sind Histoplasmosen oder Isosporidiosen in unseren Breiten Raritäten. Ein großes Problem der eng gefassten Definition ist, dass in vielen Ländern der Zugang zu Medikamenten nur mit einer Aids-Diagnose nach CDC-Klassifikation möglich ist.

Bangui-Definition

Im Gegensatz zur CDC-Definition basierte die afrikanische Bangui-Definition der WHO aus dem Jahr 1985 ausschließlich auf einer klinischen Diagnose.

In Afrika ist bis heute ein HIV-Test in der Regel weder bezahlbar, noch allumfassend durchführbar. In der ersten Fassung der Bangui-Definition wurde der positive HIV-Test als notwendige Bedingung deshalb weggelassen. Statt dessen galten einige nach einem Punktsystem bewertete klinische Symptome:

Symptome / Erkrankungen Punktzahl
Wichtige Symptome  
Ungewollter Gewichtsverlust über 10% 4
Asthenie (Kraflosigkeit) 4
Häufige Symptome  
Fieber für mehr als einen Monat (durchängig oder unterbrochen) 3
Durchfall für mehr als einen Monat 3
Andere Symptome  
Husten 2
Lungenerkrankungen 2
Juckende Dermatitis 4
Ösophageale Candidose 4
Chronische oder umfassende Herpes simplex Infektion 4
Herpes Zoster 4
Generalisierte Lympandenophasie 2
Neurologische Symptome 2
Kaposi Sarkom 12
Kryptokokken Meningitis 12

Ausschlusskriterien für eine Diagnose nach der Banugi-Definition:

  • Starke Unterernährung
  • Krebs
  • Immunsupressive Bahndlung

Sobald 12 oder mehr Punkte erreicht waren und kein Ausschlusskriterium vorlag, galt die Diagnose Aids als gesichert. Für Kinder galt eine leicht modifizierte Definition.

Somit konnte nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob ein Massensterben mit Wasting-Syndrom wirklich durch AIDS verursacht war, oder ob die Menschen verhungert sind.

Bemerkenswert ist sicherlich, dass seit der offiziellen Bangui-Definition in Afrika fast keine Hungertoten in den Statistiken mehr auftauchen. Nahrungs- und Entwicklungshilfeprojekten ist damit die Rechtfertigung für neue Hilfsprojekte genommen.

Nachdem Kritik und der öffentliche Druck zu groß wurden, hat die WHO 1994 eine erweiterte Aids Definition für Afrika heraus gegeben. Es wurde nun empfohlen einen HIV-Test zu machen. Zusätzliche wurde die Liste der Anzeichen gekürzt und spezifiziert. Gleizeitig wurde allerdings festgelegt, dass immer dann, wenn kein HIV-Test durchgeführt werden kann, weiterhin die Bangui-Definition gelten soll.

Übertragung

Ansteckungswahrscheinlichkeit

HIV-Tests

Krankheitsverlauf

Therapie

Experimentelle Therapien

Vorbeugung

Entstehungstheorien

Geschichte

Epidemiologie

Aids in Afrika

Kritik an den vorherrschenden Erklärungen

Sozialethische Beurteilung

Literatur/Medien

Siehe auch

Weblinks

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